Familienleben Family Kolumne

OH MAMA: VATER, VATER, MUTTER, KIND – PATCHWORK IN DER PRAXIS

14. Februar 2016

Patchwork? Kenn ich. 

„Wir hätten gern eine Familien-Jahreskarte. Vater, Vater, Mutter, Kind und Kind!“

Die Dame schaut uns verwirrt an. „Ja, aber..“ stammelt sie, „..Familienkarte bedeutet Eltern und zwei Kinder“. 

„Ja, mag sein. Aber wir haben hier zwei Väter, mich und die zwei Mädchen, wovon eines auf Grund des Alters noch gar keine Karte benötigt. Wir sind Patchwork und sicherlich möchte der Vater unserer Großen Sie auch mal ohne uns besuchen. Sind Familien heute nicht immer häufiger bunt zusammengewürfelt?“ Sie lacht, nickt und stimmt uns zu. 

Ist es nicht schon völlig normal, dass Familien mehr sind als Vater, Mutter, Kind? Patchwork? Oder sogar homosexuelle Paare mit Kind? Verändert sich das klassische Familienbild nicht immer stärker? Ja, doch. Patchwork gehört immer mehr zum Alltag. 

Wie ist das, wenn Menschen zueinander finden, sich verlieben und da noch Kinder im Spiel sind? Funktioniert das auf Dauer? Ja, sage ich. Doch was kann es für Schwierigkeiten geben? Wie kann es gut funktionieren? 

Wir sind zusammengewürfelt und glücklich damit. Alle. Egal ob Weihnachten oder Geburtstag – wir feiern zusammen. Steht ein Umzug oder ähnliches an, dann helfen wir uns gegenseitig. Ich mag das, ich schätze das sehr. 
Aber ich kann euch sagen, das war nicht immer so. In diese Konstellation mussten wir alle erst einmal hineinwachsen. Und na klar, manchmal nervt man sich auch. Das ist Fakt. Aber ist es im Leben nicht immer so, nirgends läuft es immer immer immer rund – ok, vielleicht bei den Glücksbärchis, aber sonst eher so: nö! 

Was hat uns aber geholfen, als Patchwork glücklich zu werden? Ganz klar: reden. Und nicht nur das, wir haben uns professionell beraten lassen. Mehrmals. Ich kann nur sagen, das war die beste Idee und ich kann es wirklich nur empfehlen. Das erleichtert so viel. Da sitzen Menschen, die kennen sich damit aus – die haben Abstand und sind objektiv. Und sie wissen, was zu tun. Ein paar Tipps, eine Prise Regeln und ganz viele Gespräche – unser Rezept für eine funktionierende Patchwork-Familie. 

Wichtig ist es, die Kinder einzubeziehen. Stimmt die Chemie zwischen Kind/ern und neuem Partner / neuer Partnerin ganz und gar nicht, dann schaut es meiner Meinung nach schlecht aus. Denn das Kind muss sich wohl fühlen, das ist das Wichtigste – ist dem nicht so, wird es schwierig. 

Wenn man Anni fragt, dann sagt sie, dass sie nicht nur einen tollen Papa hat, sondern auch gleich zwei beste Freunde – nämlich ihren Papa und Henry. Da geht mir als Mama das Herz auf. Und wenn Anni Papazeit hat, dann weiß ich, sie ist gut bei ihm und seiner herzlichen Lebensgefährtin aufgehoben. Ich fühle mich sicher und bin glücklich mit der Situation. 

Und Henry? Der liebt Anni, Mami und Mimi. „Ich habe nicht nur eine tolle Frau gewonnen, ich habe auch noch einen Freund fürs Leben {Anni} dazu bekommen.“ Unsere große Tochter hat somit gleich vier Menschen an ihrer Seite; vier  erwachsene Menschen, die sie von Herzen lieben und sie auf ihrem Weg begleiten. Die Liebe verdoppelt sich also. Kann es etwas schöneres geben?  

Aller Anfang ist schwer, keine Frage. Henry, zuvor kinderlos, hatte von eben diesen kleinen Wesen einfach absolut keine Ahnung und ich hatte Sorge, dass die erste Zeit des Zusammenlebens holprig wäre. Aber ganz im Gegenteil. Großer Mann und kleines Mädchen haben sich direkt wunderbar verstanden. Mimi wird ebenfalls gleichermaßen geliebt. Von allen. Und würde Anni irgendwann noch ein Geschwisterchen von Papa bekommen, dann würde ich mich freuen – weil unsere Familie weiter wachsen würde. 

Und zuletzt, man sollte immer im Interesse der Kinder handeln und entscheiden!

..und wenn man mal nicht weiter weiß, dann sollte man niemals zögern und sich professionelle Unterstützung suchen. 


Beeindruckt hat mich der Artikel über Patchwork von meiner lieben Blogger-Kollegin Leonie von MiniMenschlein. Auch sie lebt Patchwork. Und da es immer wieder interessant, hilfreich und inspirierend ist, von anderen Familienmodellen zu lesen – möchte ich euch ihren Beitrag ans Herz legen. Hier entlang zu  MINIMENSCHLEIN.de „Patch Works“. 

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23 Kommentare

  • Antworten prislacht 14. Februar 2016 at 18:43

    Sehr schön. Wir sind auch Patchwork. Gleiche Konstellation wie bei euch. Nur dass wir zu viert feiern könnten ist noch weeeeiiiit weg:)

  • Antworten Vicky The Golden Bun 14. Februar 2016 at 19:00

    So schöööön! ich hab auch einen Vater und einen Dreiviertel-Dad, wie wir ihn liebevoll nennen. Das tolle ist dann aber auch noch, dass man plötzlich 3 Omas und 3 Opas hat! Das mochte ich immer besonders gerne!!

    🙂

    liebste Grüße,
    Vicky | The Golden Bun

  • Antworten Janinchen von W 14. Februar 2016 at 19:09

    Jaaaa, das ist natürlich auch noch einmal ein Vorteil. Selbst ich als Mama finde das toll, weil es einfach gleich so viel mehr Liebe ist. 🙂

    Liebe Grüße an Dich zurück
    Janina

  • Antworten Janinchen von W 14. Februar 2016 at 19:10

    <3

  • Antworten Sarit LovesLife 14. Februar 2016 at 19:30

    Wir sind auch Patchwork. Ich hab meine große Tochter in die Ehe mitgebracht, mein Mann einen Sohn, der aber meistens bei seiner Mutter lebt, mit der ich ganz gut klarkomme.

    Der Vater meiner Großen meldet sich leider nur sporadisch bei ihr. Sie wir jetzt 15 und letztes Weihnachten war es das 1. Mal, dass sie Weihnachten mit ihm verbracht hat.

  • Antworten Anonym 14. Februar 2016 at 19:30

    Sehr schön geschrieben … Patchwork ist doch heute fast normal , aber irgendwie auch nicht ��… Wir sind auch eine Patchwork Familie , allerdings 1 Papa , 3 Mamas und 5 Kinder ��.. Auch wir haben uns Hilfe geholt und jetzt klappt es zumindestens bei uns zuhause . Wir kommen mittlerweile auch alle gut zusammen zurecht , bis auf eine Mama .
    Ich selbst bin in einer Patchwork Familie groß geworden und muss sagen mein Ziehvater war eine Bereicherung für meine Kindheit . Lg Jenny

  • Antworten Anonym 14. Februar 2016 at 19:48

    Schön geschrieben! 🙂 mein Partner hat eine kleine Tochter, die jede Woche und auch jedes zweite Wochenende bei uns ist. Es läuft wunderbar! Es macht unglaublich viel Spaß und ich habe die kleine Dame längst ins Herz geschlossen.
    Marilena

  • Antworten Anonym 14. Februar 2016 at 20:07

    Ich finde deinen Beitrag zu diesem Thema toll! Ich kenne es selber aus eigener Erfahrung. Nur habe ich keinen Kontakt zu meinem leiblichen Vater. Aber der Mann von meiner Mutter ist auch für mich eigentlich mein Vater. Er hat mich groß gezogen und mich sogar adoptiert. Und als meine kleine Schwester auf die Welt kam war das auch alles kein Problem. Er behandelt uns beide gleich und macht zwischen uns keine Unterschiede auch wenn ich nicht seine leibliche Tochter bin 🙂
    Vanessa

  • Antworten Claude Brauchbar 14. Februar 2016 at 20:33

    Schön geschrieben! Aber leider funktioniert aus nicht immer ganz so gut. Vielleicht muss man sich dann aber wirklich Hilfe holen – was bei meiner Familie leider nicht der Fall war. Aber es ist wirklich schön zu hören, wenn solche bunten Familien funktionieren und alle gleichermassen geliebt werden! (:

  • Antworten Frida 14. Februar 2016 at 20:38

    Professionelle Hilfe ist ein wichtiger Punkt und es ist ganz normal in diese Situation rein wachsen zu müssen. Das wichtigste ist, dass sich alle bewusst sind, dass es um die Kinder geht. Manchmal ist es nicht ganz einfach als getrennt Lebende seine eigene Verletztheit, eigene Bedürfnisse oder auch Wut mal beiseite zu lassen. Da ich in dem Bereich arbeite, weiß ich wie schwer das manchmal sein kann…

  • Antworten Lori 14. Februar 2016 at 21:45

    Ich gehe uneingeschränkt mit dir mit! So leben wir es auch… Toll geschrieben ��

  • Antworten Christina 14. Februar 2016 at 21:46

    Liebe Janina, ein sehr toller Beitrag wie ich finde und Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen…es geht in aller erster Linie um die Kinder, denn die können nichts für unsere Taten. Ich selbst bin Scheidungskind und hatte leider nicht das Glück, dass meine „Patchwork Familie“ sich gut verstanden hat. Geburtstage wurden zunächst mit Nölerei gemeinsam gefeiert, irgendwann wollte ich das nicht mehr und habe getrennt gefeiert. Schön war das nicht, aber man lernt damit umzugehen. Also sei stolz auf deine große Patchwork Familie und dass ihr es so gut hinbekommt. Anni und Mimi können sich glücklich schätzen!!

    Alles Liebe, Christina
    http://lottiundemil.blogspot.de

  • Antworten Anonym 14. Februar 2016 at 23:26

    Fantastischer Beitrag! Pointe getroffen, nicht zu persönlich, aber mit persönlicher Note. Toll fände ich nur ein paar Tipps bzgl. professioneller Beratungsstellen für Patchwork Familien. Davon habe ich noch nie gehört, finde es aber klasse!

  • Antworten Janinchen von W 14. Februar 2016 at 23:51

    Vielen lieben Dank!

  • Antworten Janinchen von W 14. Februar 2016 at 23:52

    Aber als Eltern, als Erwachsene muss man schnell lernen, über dieser Verletztheit zu stehen und sich zurück zu nehmen. Mit etwas Hilfe gelingt dies leichter. 🙂

  • Antworten Janinchen von W 14. Februar 2016 at 23:52

    Leider hast du recht und nicht immer funktioniert das so gut. Deshalb rate ich immer dazu, sich Hilfe zu holen. Das ist nichts, wofür man sich schämen muss. Ganz im Gegenteil. 🙂

  • Antworten Janinchen von W 14. Februar 2016 at 23:53

    Liebe Marilena,
    das freut mich sehr zu lesen. 🙂
    Herzliche Grüße an Dich
    Janina

  • Antworten Anonym 15. Februar 2016 at 9:24

    Wirklich schön geschrieben! Meine Eltern sind auch getrennt, leider aber nicht in der Lage sich an rinen Tisch zu setzen, obwohl beide neu verheiratet sind und die Trennung schon was her ist. Das finde ich vorallem für uns Kinder wahninnig anstrengend, Weihnachten, Geburtstage alles wird doppelt gefeiert und irgendwie hab ich auch immer noch das Gefühl man muss aufpassen wo man was erzählt. Das ginge wirklich schöner und ich hoffe das wir das im Griff haben wenn es irgendwann mal auf Geburtstage von Enkeln zu geht.. bei uns ist es durch die Trennung dazu gekommen das mein Freund und ich Stiefgeschwister wurde, das ist mir anfangs sehr schwer gefallen. Er hat bei seiner Mutter gewohnt, mein Vater dann mehr oder weniger auch, durch eine häusliche Trennung wurde das besser. Vielleicht hätte uns damals eine Beratung auch gut getan, interessant das es sowas gibt 🙂 inzwischen haben wir unseren Weg gefunden. Toll geschrieben!

  • Antworten Anonym 15. Februar 2016 at 11:23

    Toll , dass das Modell bei euch gut klappt. Ich hoffe allerdings, dass es bei uns nicht zutreffen wird, einmal in dieser Konstellation zu leben 🙂 ich selbst komme aus einer klassischen Familie und hoffe mit meinem Mann auch eine Ehe führen zu können, die ein klassisches Familienmodell behält… Aber sehr toll geschrieben und gut, dass die Kinder so mit einbezogen werden. Das wäre jetzt aber wirklich der erste Fall den ich gehört habe wo es so super läuft .. Sonst hört man zumindest aus dem näheren Umfeld immer nur traurige Geschichten dass die Kinder vernachlässigt werden und so ;(

  • Antworten Anonym 15. Februar 2016 at 13:44

    Hallo liebe Janine!

    Ich finde es toll, dass es so gut bei euch klappt.
    Als sich meine Eltern trennten war ich 16. Natürlich ist damals eine Welt zusammen gebrochen. Nach einiger Zeit kamen bei beiden Elternteilen neue Partner dazu mit denen ich mich auf beiden Seiten sehr gut verstand. Und auch meine Eltern verstanden sich gut mit dem Partner des jeweiligen anderen. Sogar so gut, dass mein Papa und seine Freundin auf der Hochzeit von meiner Mama und ihren neuen Mann waren. Jedes Mal wenn ich das erzähle werde ich mit großen Augen angeschaut und bekomme zu hören, wie selten das doch ist und eigentlich auch ein bisschen unglaublich. Und ich bin einfach nur unheimlich stolz auf meine Eltern, dass sie sich heute so gut verstehen, dass selbst bei so einem wichtigen Ereignis beide dran teilnehmen können.

    Liebe Grüße

    M.

  • Antworten Ira Schröder 27. Februar 2016 at 9:36

    Janina! Du sollst Bücher schreiben, ich habe geweint vor Glück über deinen Artikel ??

  • Antworten Anonym 4. März 2016 at 13:37

    Ich bin schon ganz lange stille Leserin, aber heute muss ich mich zu Wort melden!
    Das ist ein wirklich ganz, ganz toller Artikel!
    Ich selbst bin auch „Kind“ in einer Patchworkfamilie. Meine Eltern haben sich getrennt, da war ich erst zwei Jahre alt. Meinen „Stiefpapa“ (den ich auch Papa nenne) hat meine Mama kennengelernt als ich circa fünf Jahre alt war. Wir haben uns auch auf Anhieb verstanden und es war liebe auf den ersten Blick. Ich nenne beide Papas „Papa“ 😀 Für meinen leiblichen Papa muss das mit Sicherheit komisch sein, aber er ist glücklich, dass es mir gut geht und ich ein tolles zu Hause habe.
    Auch mein leiblicher Papa hat nochmal geheiratet und hat mit seiner Frau zwei Söhne. Wir verstehen uns alle super und gehen sogar jeden Sommer alle gemeinsam in Urlaub. Das ist wirklich sehr selten und für mich ist das wunderbar. Ich hatte nie das Gefühl mich für eine Seite entscheiden zu müssen oder ähnliches. Irgendwie sind es schon zwei Familien (gerade weil mein Papa mit „seiner“ Familie im Ausland lebt) aber trotzdem sind wir auch irgendwie eine ganze Familie.
    Leider klappt das nicht immer bei allen so.
    Liebe Grüße

  • Antworten Nora Hodeige 22. März 2016 at 10:58

    Liebe Janine,
    ich bin selbst Scheidungskind, allerdings nie Patchwork aufgewachsen, sondern mit Mama alleine 😉 Es fasziniert mich, dass es bei euch so gut klappt und ich bin sehr froh, zu lesen, wie man eben auch mit einer solchen Situation umgehen kann. Ich höre immer wieder nur von Streitereien und Verletzungen – und finde es wirklich großartig, dass ihr euch dadurch gearbeitet habt und über diese ganzen schlechten Gefühlen stehen könnt, für die Kinder! Das ist so schön 🙂 Danke für diese Einsichten!
    Herzliche Grüße,
    Nora von kugeltastisch

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