Gastautoren

Gastkolumne: EINE SEELE IN SCHERBEN / MISSBRAUCH

13. April 2016

Ihr Lieben, heute gibt es eine Gastkolumne von Lisa, die uns bittere Tränen in die Augen getrieben hat. Ich saß da, las den Text und war wie versteinert. Erschüttert. Liebe Lisa, danke dir, dass du uns deine Geschichte erzählst. Danke!

Ich wurde darauf hingewiesen, dass dieser Text triggern kann. Deshalb hier auf Wunsch, eine Trigger-Warnung!


Kinder brauchen Schutz!
Ich werde niemals Hand an mein Kind legen. Nie!

Als ich schwanger wurde, habe ich oft darüber nachgedacht, wie meine Erziehung so sein wird. Ob ich streng sein werde, ob ich die coole Mutter „von nebenan“ sein werde, oder ob ich alternativ an das Ganze herangehe. 
Eins stand aber von Anfang an fest. Ich werde niemals Hand an mein Kind legen. Nie!

Seit ich mich erinnern kann, ist meine Mama mit uns, meinem jüngeren Bruder und mir, allein gewesen. Natürlich gab es immer wieder einen Mann in ihrem Leben, einige davon hat sie geheiratet, aber wir drei waren immer eine feste Instanz, egal was kam. Wir drei gegen den Rest der Welt. Sie war cool und lustig. Man konnte mit ihr wilde Sachen machen und später auch ernste Gespräche über fast jedes Thema führen. Wir stehen auch heut noch immer zusammen, egal was kommt. 

Um sich und uns alles bieten zu können, hat meine Mama immer gearbeitet. Die meiste Zeit als Kellnerin in Restaurants. Da sie dadurch nachts oft erst sehr spät Heim kam, mussten wir früh selbstständig werden, aber das war ok so. 

Als ich in der ersten Klasse war, habe ich zum ersten Mal realisiert, dass meine Mutter anders war, als die anderen Mütter. Wir hatten ein Lesebuch, die „Tobi-Fibel“, mit der wir lesen lernten. Als Hausaufgabe hatten wir oft auf, die Seite mit dem neu erlernten Buchstaben zu lesen. Meine Mutter wollte mehr. So kam es, dass ich nach nur einem halben Jahr das gesamte Buch lesen konnte. Auf jeder 2. Seite waren kleine, dunkelrote Flecken zu sehen und ich hatte in der Zeit oft Kopfschmerzen, aber niemand hat etwas bemerkt. Auch die vielen Flecken an Armen und Beinen haben niemanden dazu gebracht, neugierig zu werden. Nie wurden wir gefragt, warum wir alle AG’s belegt hatten, die angeboten wurden. In der 7. Klasse kam ich nie vor 17 Uhr nach Haue. Nie. Alle dachten, dass ich ehrgeizig seiund so viel Wissen vermittelt bekommen haben wollte, wie nur irgendwie ging. Ich wollte aber einfach nur nicht nach Hause. An Karneval haben mein Bruder und ich uns am liebsten gegenseitig für das Fest in der Schule verkleidet, nachdem ich in dem einem Jahr meinen Ohrring und ein Stückchen meines Ohrs im Waschbecken schwimmen sah. 
Häufig haben mir die Wangen gebrannt, die Ohren geklingelt oder jedes Körperteil hat wehgetan. Niemals ist jemand auf die Idee gekommen, dass das Mädchen, das so laut lacht und so viel redet, Probleme hat. Meine Freunde wollten nur nicht so gern zu mir nach Hause kommen, weil meine Mutter immer so laut wäre. So einschüchternd irgendwie. 

Die Ferien waren für uns immer am schlimmsten. Früh aufstehen, damit man nicht aus seinem Rhythmus kommt, und Schulranzenkontrolle standen auf der Agenda. Jedes Blatt, das nicht vollständig ausgefüllt war, bedeutete soweit wie möglich auf der Bank nach hinten rutschen, damit sie nicht so schnell an einen ran kam. 
Später dann, als sie meinen Stiefvater heiratete, und dieser drei Kinder mit in die Ehe brachte, hieß es dann für mich als Älteste oft, so schnell wie nur möglich den Ärger auf mich ziehen, damit die 4-jährige nicht so leiden muss. Oft hat das gewirkt. Leider nicht immer. Mit 17 habe ich dann beschlossen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben Widerworte geben würde. Das habe ich. An einem Sonntagmorgen im August. Ich habe in einem Altersheim in der Küche gearbeitet, um ein bisschen Geld zu verdienen, und wir haben uns gestritten. Meine Mutter hat sich über eine erfundene Missetat meinerseits aufgeregt und das ganze Haus mit ihrem Gebrüll geweckt. Ich wusste, dass sie lügt und hab es ihr ins Gesicht gesagt. Noch nie in meinem Leben habe ich Angst und Stolz gleichzeitig so intensiv gespürt wie an diesem Tag. Ich musste mit einem blauen Auge arbeiten gehen. An diesem Tag bin ich ausgezogen. In eine Wohngruppe unter der Leitung des Jugendamtes. Ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können. Meine Mutter sah das lange nicht so, und jedes Mal, wenn ich versucht habe, ihr entgegen zu kommen, hat sie mich mehr und mehr verletzt. Lange Zeit habe ich versucht, diese Frau zu hassen, für das, was sie uns angetan hat. Dafür, dass sie nie da war. Dafür, dass sie ihre zwei kleinen Kinder mit einem Babysitter alleine lässt, der ihre Tochter anfässt und sie ihr nicht geglaubt hat, als sie mit einem blutigen Nachthemd vor ihr stand. Dafür, dass sie mich gezwungen hat, lesen zu lernen und einen Weg einzuschlagen, der niemals meiner gewesen wäre. 

Nach einigen Therapiestunden habe ich aber erkannt, dass ich sie nicht hassen kann. Weil sie meine Mutter ist. Und das auch immer sein wird. Trotzdem haben wir mehrere Jahre nicht wirklich miteinander gesprochen, nur über oberflächliches. Sie lud nach wie vor ihren Ballast gerne bei mir ab, ich hörte aber einfach nicht mehr richtig zu. 

Seit ich Mutter bin, hat sich unser Verhältnis mehr als gebessert. Sie ist eine tolle Mutter und eine Klasse Oma. Dennoch reden wir zur Zeit nicht miteinander. Wir haben uns gestritten. Nach 22 Jahren kann ich endlich meine Frau stehen und eine Diskussion mit meiner Mutter führen, ohne Angst davor zu haben, wie ich morgen die nächsten blauen Flecke kaschiere oder wie man Schürfwunden versorgt. 

Eltern, die ihre Kinder misshandeln, egal ob psychisch oder physisch, haben die Kontrolle verloren. Jedes Mal, wenn sie die Hand gegenüber ihres Kindes erheben, geht ein kleines bisschen Seele des Kindes verloren. Sie sterben innerlich, weil sie nicht verstehen, wie der Mensch, dem sie am meisten vertrauen können sollten, der sie beschützen sollte, ihnen das antun kann. 

Kinder brauchen Schutz!

Kinder entwickeln sich zu dem Menschen, zu dem sie gemacht werden. Weniger starke Kinder werden zu einem Abbild ihrer Eltern. Leider passiert das viel zu oft, weil sie häufig keine Hilfe bekommen und niemals aus diesem Leben ausbrechen können. Andere, leider die wenigsten, schaffen es, zu einem Erwachsenen heranzuwachsen, zu dem sie als Kind aufgesehen hätten.

Ich bin niemals untätig, wenn ich sehe, dass einem Kind Leid angetan wird. Ich hätte mir gewünscht, jemand hätte mir als Kind geholfen. 

Jetzt als Mutter sitze hier und beobachte meine eigene Tochter. Sie wird Ende des Monats ein Jahr alt und ist alles für mich. Für uns. Sie strahlt und lacht. Sie sagt Mama und Papa. Jedes Mal wenn ich  das Wort Mama aus ihrem Mund höre, schlägt mein Herz schneller und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, ihr jemals etwas zu tun. Ihr Vater hat mich gerettet, als es mir so schlecht ging, dass ich dachte, das ich nie wieder aufwachen möchte. Er hat mir gezeigt, dass das Leben lebenswert ist und teilt seine Ansichten mit mir. Er wusste lange Zeit nicht, wie schlimm das wirklich war, was ich erlebt habe. Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gelesen, das mich so aufgewühlt hat, dass er mich gebeten hat, ihm alles zu erzählen, damit er mich verstehen kann. Wir haben geredet. Lange. 

Ohne ihn wäre ich nicht hier und ohne ihn, wäre ich nur ein halb so guter Mensch, da bin ich mir sicher. Ich liebe ihn sehr. Und mein Baby. Oh ja, sie liebe ich ganz besonders. 

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13 Kommentare

  • Antworten Anonym 13. April 2016 at 11:51

    Liebe Lisa, dein Text hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Es tut mir so leid, was dir geschehen ist, und es tut mir Leid, dass du so lange keine Hilfe bekommen hast. Wer so etwas übersteht und dann eine so gute Mutter wird, wie du es zu sein scheinst, hat den größten Respekt verdient. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Glück der Welt!

  • Antworten Anonym 13. April 2016 at 12:54

    Ich bin sprachlos und mir laufen die Tränen runter. Es tut mir leid, dass Du das alles erleben musstest. Kein Kind soll so groß werden müssen. Ich bin auch alleinerziehend und oft ist es nicht einfach, aber eine Sache gebe ich meinen Kindern immer: und das ist Liebe! Toll, dass Du Deiner Tochter so viel Liebe geben kannst. Ich wünsche Dir alles Glück der Welt!
    Sarah
    undeinepriseliebe.wordpress.com

  • Antworten Jenny 13. April 2016 at 14:52

    Liebe Lisa,

    du hast wirklich ein fürchterliches Martyrium erlebt, das man KEINEM auf dieser Welt wünscht! ich bin ebenfalls sehr beeindruckt darüber, dass du es schaffst eine gute Mutter und Ehefrau zu sein, wo du nie ein Vorbild hattest. Ich wünsche dir, dass du all diese Erfahrungen gut verarbeiten kannst und damit leben kannst – vergessen wirst du es leider nie können 🙁 Ich habe sehr großen Respekt davor, dass du trotz allem noch KOntakt zu deiner Mutter hattest. Ich weiß nicht, ob ich das gekonnt hätte!
    Alles Liebe!
    Jenny

  • Antworten Anonym 13. April 2016 at 16:49

    Ich fühle jede Zeile die du geschrieben hast. Ich habe leider auch einiges wie durch machen müssen und bin sehr stolz auf mich heute ein schönes „freies“ leben zu führen. Ich wünsche dir alles alles gute!

  • Antworten Katja Mamatized.com 13. April 2016 at 17:08

    Liebe Lisa! Dein Text hat mich sehr bewegt und nachdenklich gemacht. Ich freue mich besonders für deine Tochter, dass du der Gewaltspirale entkommen konntest. Es ist für mich unfassbar, wie eine Mutter ihren Kindern so etwas antun kann und noch unbegreiflicher, wie du als ihr Kind ihr dies verzeihen kannst. Dein Herz muss riesengroß und ganz rein sein! Vielen Dank dass du deine Geschichte geteilt hast!

  • Antworten Mali 13. April 2016 at 17:11

    Wow! Es ist schrecklich was dir und deinen Geschwistern passiert ist. Man merkt erst jetzt,dass man viel aufmerksamer durch das Leben gehen muss. Denn viele Kinder benötigen die Hilfe, die du nicht gehabt hast! So etwas prägt einen das ganze Leben und wir „Anderen“ könnten es verhindern. Alles Gute, deine Tochter wird es gut bei dir haben.

  • Antworten Anonym 13. April 2016 at 17:14

    Ich habe deine Kolumne durch Zufall entdeckt und wollte erst gar keinen Kommentar schreiben. Ich habe sehr ähnliches erfahren aber von meinem Vater aus! Jahrelang dachte ich das wäre normal und bei meinen Freundinnen auch so, dass wenn sie ungezogen waren mal die Backe oder das Ohr brannte. Mein Llieblingsohrring ging dabei einmal zu Bruch, dass war dann das schlimmste für mich an der Sache, da ich alles andere schon relativ gewöhnt war. Ich bin 20 Jahre alt und kann mir im Moment überhaupt nicht vorstellen, wie ich damit später einmal umgehen soll!?
    Danke Lisa, für deine abschließenden doch so aufmunternenden Worte.

    Zuerst wollte ich gar nichts schreiben, jetzt ist doch was längeres daraus geworden…

  • Antworten Anonym 13. April 2016 at 17:35

    Mir sind wirklich Tränen in die Augengetreten und so etwas passiert mir eigentlich nie.
    Ich selber habe ähnliches erlebt, nicht ganz so schlimm wie Du und deine Geschwister aber schlimm genug
    Meine Eltern haben mich geschlagen bis ich 15 war,richtig verprügelt nur selten meistens mehrere Backpfeifen /Schreitiraden und so weiter. Und auch ab 5 Jahren nächtelang alleine gelassen.
    Wenn ich geklingelt habe abends und mich ein wenig verspätet hatte ging ich immer einige Schritte von der Tür weg um nicht direkt wortlos eine gescheuert zu bekommen. Das alles war schon sehr schlimm, geblutet habe ich jedoch so gut wie nie deswegen mag ich mir gar nicht vorstellen wie schlimm
    es für Dich/Euch gewesen sein muss.
    Ich bewundere Dich dass Du deiner Mutter verzeihen kannst, ich kann es nicht. Ich habe auch Kontakt mit beiden Elternteilen jedoch kann ich es einfach nicht vergessen. Ich habe auch eine Therapie hinter mir die auch geholfen hat aber „weg“ geht es irgendwie nicht so ganz.
    Ich habe große Probleme mit Vertrauen, erst seitdem ich meinen Mann habe weiß ich überhaupt was das ist. Ich hatte viele Jahre Schlafprobleme und habe auch mit 5,6 wieder angefangen ins Bett zu machen. Das alles weiß nur mein Mann von mir, weil ich immer das Gefühl habe dass andere Leute nicht verstehen WIE schlimm so etwas überhaupt ist. Zwangsstörungen wie stundenlanges Beten abends habe ich auch entwickelt damals, so etwas aber zum Glück überwunden. Ich habe auch eine Tochter und kann sagen dass ich sie nicht ein Mal geschlagen habe und es auch nie nie tun würde. Ich weiß welchen Hass so etwas hervorruft und ich möchte nicht dass mein Kind so fühlen muss.
    Was mich interessieren würde, hast Du deine Mutter jemals drauf angesprochen?Und was hat sie gesagt?Ich habe es getan aber meine Eltern verharmlosen alles sehr und das macht mich so wütend dass ich sie nun lieber nicht mehr damit konfrontiere

  • Antworten Ina 13. April 2016 at 21:44

    Liebe Lisa, bei deiner Geschichte kann man wirklich nur weinen und sich fragen wie du es geschafft hast so eine bewundernswerte Sicht auf die Dinge zu haben.
    Was die passiert ist so falsch, das es dafür überhaupt keine Worte gibt.
    Und ich finde es so traurig das viel zu viele Leute wegschauen und meinen, man darf sich nicht einmischen, wenn Kindern etwas angetan wird.
    Kinder sind von niemanden Eigentum und haben ein Recht auf Schutz. Toll das du deine Geschichte geteilt hast.

  • Antworten Lischen 13. April 2016 at 22:14

    Liebe Lisa,
    Deine Worte haben mich sehr berührt! Ich habe fast das gleiche erlebt wie du. Deshalb kann ich dich nur zu gut verstehen…
    Ich hatte das Glück,einen liebenden Vater zu haben. Mit 15 (vor 4 Jahren) habe ich mich spontan entschieden,meiner Mutter zu widersprechen. Dann bin ich ausgezogen. Im Nachhinein war das die beste Entscheidung meines Lebens.
    Das Schlimmere war für mich immer die psychische Gewalt. Meine Mutter hat mich ganz bewusst manipuliert, benutzt,beeinflusst und erpresst. Letztlich hat sie mich fast krankenhausreif geschlagen. Doch niemand hat etwas gemerkt. Und es konnte auch niemand merken, da ich das stets offene,freundliche und lachende Mädchen gespielt habe. Man wird zum Künstler im Schauspielern.

    Ähnlich wie bei dir habe ich meine kleine Schwester beschützen müssen. Sie hat das erste mal Hand an sie gelegt,als sie 9 Monate alt war. Und das war viel schlimmer als alles, was ich am eigenen Leib erfahren musste.

    Naja,auf jeden Fall finde ich es super,dass du so mutig warst,all das aufzuschreiben. Vielen Dank!

  • Antworten Lori 13. April 2016 at 23:14

    Ich bin wie versteinert, sprachlos und traurig. Lisa, ich wünschte dir hätte jemand geholfen. Alles alles Liebe für euch drei.

  • Antworten Mara Buntrock 13. April 2016 at 23:19

    Liebe Lisa,

    Auch ich musste gerade weinen… Ich bin froh, dass sich Dein Leben noch so verändert hat und Du hast Recht, Konder brauchen Schutz, wenn nicht durch ihre Eltern, durch wen denn dann?!

    Alles Liebe Dir und Deiner Familie!
    Mara

  • Antworten KILL LI 8. Mai 2016 at 7:48

    Mit Hilfe von einem Mann namens Dr.Addo ich war in der Lage, obwohl seine Wurzel und Kräuter, schwanger zu werden. Ich bin 47 Jahre alt, war es wirklich schwierig für mich schwanger, obwohl mein Mann liebt mich, aber es war wirklich verletzt mich nicht mein eigenes Kind zu haben, aber nach vielen Jahren stieß ich auf Dr.Addo, deren E-Mail-Adresse ist ( addosolution@gmail.com ) gab er mir Root und Kräuter, und ich war eine Woche, nachdem ich seine Hilfe schwanger. Ich bin 7 Monate jetzt schwanger und auch wird Ich mag jeder der Suche nach Hilfe zu beraten, um schwanger zu diesen sehr Mann über seine E-Mail-Adresse zu kontaktieren: ( addosolution@gmail.com )

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