Kolumne

OH LIFE – DAS LEBEN BRAUCHT MUT UND UMWEGE

17. April 2016

Auf der Suche nach dem Glück

Was will ich eigentlich?

Diese Frage kann zermürben, ja – sie kann dich auffressen. Was will ich eigentlich? Was erwarte ich vom Leben, was ist meine Berufung? Was erwarte ich von mir, und vor allem – bin ich glücklich? 

Will ich so leben? 
Anzukommen, im Leben und bei sich selbst, das braucht Zeit. Das ist ein Prozess, es ist das Leben. Schon im Kindergarten wird gefördert und geformt, spätestens in der Grundschule beginnt der Druck. Leistung, Leistung, Leistung – das allein ist wichtig, das allein zählt – so scheint es oft. Sozialkompetenzen, Zwischenmenschlichkeit, Mut, eine freie Entwicklung, Förderung der Persönlichkeit – all das wird weniger und weniger unterstützt und gefördert. Oder nein, es wird schon fast unterbunden, es ist unerwünscht. Ein Mensch, der mutig ist und frei, der ist keine Marionette. Ein solcher Mensch ist {z. B. für Unternehmen} nicht berechenbar. Es scheint, als würden wir uns in der heutigen Zeit nur noch über Leistung definieren. Wer hat den besten Abschluss, wer hat den verantwortungsvollsten Job, wer leistet am meisten, wer verdient am besten. Wir sind bestens ausgebildet und voller Kampfgeist erobern wir die Berufswelt. Immer auf Selbstoptimierung bedacht. 

Selbstoptimierung – wie sehr ich dieses Wort verabscheue. Optimierung von Körper und Geist sowie Optimierung der eigenen Leistungen. Wir, die immer einen genauen Plan haben. Die wissen, was sie wollen und für ihr Ziel extremst hart arbeiten, selten einen Umweg gehen. Weil Umwege Schwäche bedeuten. Aber ist das wirklich so? Und vor allem, wissen wir wirklich, was wir wollen? Unterwerfen wir uns nicht immer häufiger falschen Idealen. Hören wir auch mal auf unser Herz oder immer nur auf unseren Verstand? Halten wir überhaupt noch inne und horchen in uns hinein, endschleunigen, holen Luft und leben? Es scheint mir, als wären wir, diese neue Generation, vollkommen verloren. Einerseits so zielstrebig und erfolgreich, und doch irgendwie lost. Nicht selten leiden wir unter unserem Ehrgeiz, gehen verloren. Eine 60 Stunden Woche und das Leben, welches so bewusst gelebt werden möchte, rauscht nicht selten an uns vorbei. Woche für Woche, Jahr für Jahr. Wir haben uns selbst verloren, sind oftmals unglücklich, verwirrt, nicht glücklich. Immer rastlos, selten mutig. Chronische Erschöpfung ist die Folge. Das Gefühl, in der Krise zu stecken und nicht nicht mehr herauszufinden.

Ist es nicht völlig in Ordnung, sich gegen ein Studium zu entscheiden? Oder seinen Job zu kündigen und neu anzufangen?  Als Spätstudierende/r erfolgreich abzuschließen oder nach dem Abi erstmal eine Auszeit zu nehmen und die Welt zu bereisen? Mal was wagen, dem Herz zu folgen? Ich glaube ja an Fügung. Ich bin viele Umwege gegangen, beruflich wie auch privat. Und ja, es hat sich gelohnt. Mein Mut hat sich immer ausgezahlt und erschien mir in der Vergangenheit eine Situation aussichtslos und falsch, hat sich doch immer etwas Gutes daraus ergeben. Auf das Herz hören, auf sein Bauchgefühl.. Das haben wir verlernt, in jeder Hinsicht. Dabei weiß unser Bauchgefühl so oft viel besser, was gut für uns ist und was nicht. Es zahlt sich aus, seine Komfortzone zu verlassen und sich auf neue Wege zu wagen. Ich selbst habe es immer wieder getan, raus aus der Sicherheit, rein in das „Abenteuer“. Jeder Personaler, der meinen Lebenslauf lesen würde, wäre erschrocken.. Aber – ich wusste lange nicht, was ich will. Dafür aber immer deutlicher, was ich nicht möchte. Das ist doch schon einmal ein Schritt nach vorn. Und irgendwann war mir klar, wie mein Weg ausschauen würde. Das brauchte Zeit und viele Versuche, und das ist ok. Das ist gut. Ich würde es rückblickend nicht anders machen. Niemals. Ich lebe, ich bin zufrieden. Ich arbeite viel für meinen Traum, aber es ist meine Berufung, ich mache es gern, es erfüllt mich und macht glücklich. Dieses Verlassen der Komfortzone kostet immer Überwindung, aber es zahlt sich immer aus. Glaubt es mir, es zahlt sich aus – es beschert ein glückliches, ein zufriedeneres Leben. Es lohnt sich, seine Träume anzugehen und dafür zu arbeiten. Es braucht nur diesen einen kleinen Schubs, diesen einen Funken Mut. Es ist in Ordnung, Umwege einzuschlagen. Es ist gut, denn es erweitert den Horizont. Es ist auch in Ordnung, festzustellen, dass eine zuvor getätigte Entscheidung, die falsche war. Für den Moment, für einen selbst. 

Planst du noch oder lebst du schon?

Leben wir dieses wundervolle, spannende und bunte Leben. Jetzt. 


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12 Kommentare

  • Antworten Anonym 17. April 2016 at 20:55

    Was ist denn dein Job?

  • Antworten Mia.Cinnamon 17. April 2016 at 21:00

    Liebe Janina,
    Du hast absolut recht! Während dem Lesen konnte ich permanent nur zustimmen! Ich finde es entsetzlich, dass diese eine Lücke im Lebenslauf teilweise in meinem Freundeskreis heftig diskutiert wird! Stattdessen kann ich aus dieser Lücke die besten Erfahrungen ziehen, in denen ich mich selbst besser kennengelernt habe und für mich unbezahlbar ist! Aber das wird leider viel zu oft übersehen, finde ich! Umwege bedeuten nichts negatives und hat nichts mit Leistung zu tun!
    Einen schönen Abend,
    Miriam

  • Antworten Anonym 17. April 2016 at 21:05

    Hört sich so an, als wärst du glücklich mit deinem Job. Das freut mich! Als was arbeitest du denn, wenn ich fragen darf?

  • Antworten Janinchen von W 17. April 2016 at 21:05

    Ich schreibe, z. B. als Online-Redakteurin. 🙂

  • Antworten Anonym 17. April 2016 at 21:06

    Hört sich an, als wärst du glücklich mit deinem Job. Das freut mich! Als was arbeitest du denn?

  • Antworten Janinchen von W 17. April 2016 at 21:07

    Liebe Miriam,

    ich finde auch, dass Lücken nicht schlecht sind. Ganz im Gegenteil. Oftmals haben diese Menschen in dieser Zeit Lebenserfahrung gesammelt, was auch sehr wichtig ist. Ich frage mich, wann dieser Druck so groß geworden ist. Wir haben doch nur dieses eine Leben, da sollte man doch sehr achtsam mit seiner Zeit auf dieser Erde umgehen.

    Liebe Grüße an Dich
    Janina

  • Antworten Janinchen von W 17. April 2016 at 21:08

    Ja, ich liebe das, was ich mache.

    Ich schreibe – ich erstelle z. B. Werbetexte und arbeite als Online-Redakteurin. 🙂

  • Antworten Prislacht 17. April 2016 at 21:59

    Ich glaube wir verpassen es viel zu oft, die Momente zu genießen. Ich bin da auch jeden Tag neu am Lernen und es fällt mir sehr schwer. Hab mal ähnliche Gedanken verfasst gehabt: https://leipzigmama.com/2016/03/15/die-verlorene-generation/

  • Antworten Ronja S. 17. April 2016 at 22:54

    Wow! Toller Post! Ich kann dir nur zustimmen und bin gerade ganz begeistert von deinen Worten. Ich selbst bin gerade am „Umweg gehen“ – abgeschlossenes Lehramtsstudium und jetzt am gucken was ich wirklich will. Lehrerin sein eher nicht, meinen Träumen nachgehen, das tue ich. Und auch wenn es nicht einfach ist, es ist wunderbar!
    Ganz liebe Grüße!
    xx Ronja
    http://www.sothisiswhat.com
    { CREATE THE LIFE YOU LOVE }

  • Antworten Anonym 18. April 2016 at 8:41

    habe damals ein Studium angefangen, wo ich nach 5 Semestern gemerkt habe, dass ich aber nicht dass, was du machen möchtest und habe gewechselt. In ein Studienfach, welches mehr meinen Interessen entspricht und wo ich froh bin, diesen Schritt gegangen zu sein. Bei meinem Bewerbungprozess, egal wo ich mich vorgestellt hatte, musste ich den Personalern immer und immer wieder erklären, wieso ich denn gewechselt habe. Es gab Fragen, ob ich damit Probleme habe etwas durchzuziehen und ob ich mich nicht vorher schlau gemacht hätte…..

  • Antworten Anonym 18. April 2016 at 8:42

    Schöner Artikel. Wie hast du es denn geschafft den Weg zu finden. Gibt es dazu Tips was man versuchen Könnte wenn man nicht mehr genau weiß was Verstand und was Herz sagt?

  • Antworten Anonym 18. April 2016 at 12:14

    Ach Janina, wie so oft sprichst du mir aus der Seele! Ich habe in meinem Leben schon so einige Umwege gemacht, aber jetzt mit Ende 20 bin ich glücklicher als je zuvor. Ich habe lange gekämpft und jetzt ein Studium begonnen, in dem ich aufgehen kann, das mich erfüllt und an dem ich Spaß habe 🙂 ich habe mein Leben entrümpelt, mich von Menschen getrennt, die mir nicht gut taten und bin freier und zufriedener!

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