Kolumne Travel

OH LIFE // GLÜCK KANN MAN NICHT FINDEN, GLÜCK IST UNABHÄNGIG

26. Juni 2016

Das eigene Glück ist nicht von einem Ort, Konsum oder einem Partner abhängig!

Als ich nach Ubud kam, in dieses kleine, familiäre Hotel inmitten der Reisfelder, war ich fasziniert und eingenommen. Mir war klar, dies ist ein ganz besonderer Ort und dieser Ort macht etwas mit mir. Etwas, was ich so noch nicht erlebt habe. Dieses kleine Fleckchen Erde, diese Ruhe – es erfüllt mein Herz mit Glück. Aus der geplanten einen Übernachtung wurden zwei Wochen. Und ich bin ehrlich, eigentlich möchte ich nie wieder gehen. Das Rauschen des Windes durch die Reisfelder, die Menschen am Fluß, die dort ihre Wäsche waschen und laut lachen, so voller Lebensfreude. All das erfüllt mich mit Glück.

Die Menschen, mit denen ich mir diese wenigen acht Häuschen / Zimmer teile, allesamt faszinierende, tolle Persönlichkeiten. Menschen, die ihren ganz eigenen Weg gehen. Eine Familie mit einem Kind, welche vor über zwei Jahren kam, um Urlaub zu machen und nie wieder ging. Wow. Die junge Spanierin, die ebenfalls hier gestrandet ist und nun schon seit sechs Monaten hier lebt und Kurse für Frauen gibt oder das deutsch-japanische Ehepaar mit ihrem erwachsenem Sohn – wir alle haben hier bei Dorry anscheinend etwas gefunden, was uns hält, uns fesselt.

Ich kann es kaum in Worte fassen, aber als ich hier am späten Abend das Grundstück betrat, übermannte es mich. Eine Welle des Glücks durchströmte mich, warm und angenehm. Ja, Bali im Allgemeinen tut mir gut – aber dieses kleine Plätzchen Welt, fernab des Trubels, ist etwas ganz Besonderes. Bali ist überlaufen, voll und laut, aber dennoch wunderschön. Doch hier, inmitten der satt-grünen und gelben Felder ist das Leben noch so echt, so ursprünglich, so anders. Ruhe. Das Schlüsselwort hier ist tatsächlich die Ruhe, die Zeit für Besinnung. Zeit, um nur zu sein, allein für sich, nachzudenken oder nicht nachzudenken, Freiheit, Raum für vieles oder nichts.

In den zwei Wochen habe ich viel nachgedacht. Ich war wenig unter Menschen. Nur Mimi und ich. Wenige, aber dafür sehr gute und spannende Gespräche.

Ich konnte nie gut allein sein. Ja – ich hatte sogar Angst vor dem Alleinsein. Rückblickend zeigt sich das ganz deutlich.

Als junge Frau band ich mich an eine Beziehung, die mir ganz und gar nicht gut tat – gehen wollte ich aber auch nicht, ganz im Gegenteil. Ich hatte große Angst, verlassen zu werden – weil dann wäre ich ja allein und was sollte ich bloss tun, so allein?! Ich traute mir das Alleinsein nicht zu und stattdessen erniedrigte ich mich in dieser Beziehung, stellte mich und meine Bedürfnisse zurück. Große Verlustängste plagten mich und ich konnte diese nie richtig ablegen. Dabei ist Alleinsein nichts, wovor man sich fürchten muss, nein. Manchmal tut es gut, seinen Weg allein zu gehen. Es ist wichtig, herauszufinden, wer man ist und was man möchte. Und wenn man das weiß, lässt sich eine Beziehung ganz anders führen – auf Augenhöhe, gleichberechtigt.

Letzte Woche führte ich ein Gespräch mit einem Inder, einem Chirurgen – welcher ursprünglich in England lebt. Er erzählte mir, dass er viel arbeitete und irgendwann beschloss, sich ein Jahr Auszeit zu nehmen. Ein Jahr reisen, sich besinnen, Meditation. Ein unglaublich sympathischer, junger Mann. Smart, offen, herzlich. Buddhist. Während unserem Gespräch sagte er etwas zu mir, etwas ganz wichtiges. Etwas, dessen ich mir nicht mehr bewusst war.

Das Glück im Herzen tragen!

Kurz zuvor erzählte ich ihm davon, dass ich schon immer Angst vor Veränderungen hatte. Dass es mir generell schwer fällt, loszulassen – an Dingen und Orten und sehr an Menschen hänge. Dass mir Veränderungen oft Unbehagen bereitet. Außerdem erzählte ich ihm, dass mir dieser ganz besondere Ort hier so viel Glück schenkt, dass ich schon jetzt Angst hätte, ihn zu verlassen. Er schaute mich an und sagte etwas wahres, und zwar folgendes:

„Das Glück ist nicht an diesem Ort, es ist in deinem Herzen. Behalte es dir dort, halte es fest und du wirst überall glücklich sein!“

Weiter sagte er, dass das eigene Glück und Seelenheil nicht vom Lebensgefährten abhängt. Ganz und gar nicht. Es geht bei einer Beziehung nicht darum, seinen Geliebten glücklich zu machen. Nein. Man wäre in der Pflicht, für sein eigenes Glück zu sorgen und dieses Glück würde man in seinem Herzen und in das Leben hinaustragen und somit würde man sich in der Partnerschaft mit dem gemeinsamen Glück bereichern.  Sprich – nur wer für sich glücklich ist, kann auch eine gute und glückliche Partnerschaft / Ehe führen. Und ja, so ist es.

..und da wurde mir schlagartig bewusst, ich habe mein Glück in der Vergangenheit viel zu oft von Menschen, Dingen oder an Orten festgemacht. Aber das ist nicht der richtige Weg.Denn das eigene Seelenheil hängt davon nicht ab, Glück ist nicht ein Ort, ein Mensch oder eine Handtasche. Glück trägt man im Herzen, für sich und ich glaube fest daran, sobald ein Mensch für sich glücklich ist und eine positive Lebenseinstellung hat, so kommt das Glück gern immer und immer wieder. Ein Kreislauf. Natürlich – das Leben besteht auch aus Tiefen, aus Regen und dunklen Wolken. Aus Kummer und Sorgen, aber eben auch aus vielen Sonnentagen. Aus den harten Zeiten lernt man, man zieht daraus Erkenntnis und wächst.

Tagelang habe ich über dieses Gespräch nachgedacht, es hat nachhaltig etwas in mir ausgelöst. Und so schlug ich gestern meinen Laptop auf, buchte ein neues kleines Abenteuer auf dieser bezaubernden Insel und packte meinen Backpack. Weiter geht es, in viele neue, kleine Abenteuer. Denn nun weiß ich es noch besser – mein Glück, unser Glück hängt nicht ab von einem Ort oder von Menschen ab. Denn, jeder ist sein Glückes Schmied. Für sich, ganz allein.

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26 Kommentare

  • Antworten Anna 26. Juni 2016 at 14:20

    Danke janina, du hast es so wunderschön geschrieben!! Liebe Grüße und noch viel Spaß 🙂 liebe Grüße Anna

    • Antworten Janina 27. Juni 2016 at 16:06

      Liebe Anna,

      ich danke dir. Der Urlaub hier tut so gut, ich genieße es sehr.

      Herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Isabel 26. Juni 2016 at 14:44

    Ich mag deine Art zu schreiben einfach so sehr. Richtig toll.

    • Antworten Janina 27. Juni 2016 at 16:10

      Das ist ein wirklich tolles Kompliment, wofür ich dir sehr danken möchte!

  • Antworten Anonym 26. Juni 2016 at 14:58

    Danke für so einen tollen und emotionalen Blogeintrag! Deine Ängste vor Veränderungen, vor dem Alleinsein spiegelt mich wieder und daher hat mich dein Text sehr berührt. Bleib so wie Du bist!

    • Antworten Janina 29. Juni 2016 at 4:11

      Danke Dir, wirklich ganz lieben Dank!

  • Antworten Kathrin 26. Juni 2016 at 15:24

    Liebe Janina, sehr sehr schön geschrieben! Ich habe mich sofort darin wiedergefunden. Man vergisst immer das man selber der wichtigste Mensch auf diesem Planeten ist. Ich wünsche dir noch eine wunderbare Zeit auf deiner Reise, genieße es!

    Beste Grüße
    Kathrin

  • Antworten Janine 26. Juni 2016 at 17:19

    Liebe Janina,
    danke für diesen tollen Beitrag! Sehr weise Worte hat der indisch-englische Arzt gesprochen. Man tendiert tatsächlich dazu, sein Glück abhängig von Personen und Orten zu machen. Ich habe allerdings auch schon die Erfahrung gemacht, dass manche Orte Glück „ausstrahlen“, man sich dort einfach gut fühlt, und ich kann gut verstehen, dass du deinen Aufenthalt dort verlängert hast. 🙂

  • Antworten Mariella 26. Juni 2016 at 17:36

    Ein ganz wunderbarer Text, der zum nachdenken anregt! Danke dafür!

    • Antworten Janina 27. Juni 2016 at 16:09

      Das freut mich sehr zu hören, ich danke dir! 🙂

  • Antworten Katrin 26. Juni 2016 at 18:50

    Es ist sooo schön geschrieben. Ich bin auch auf der Suche nach dem Glück. Noch habe ich es nicht gefunden und ich bin mir nicht sicher, ob ich es je finden werde. Ich stecke in einer Beziehung, in der ich erniedrigt werde und leider nicht den Absprung finde, aus Angst vor dem Alleine sein.

    • Antworten Janina 29. Juni 2016 at 4:15

      Du wirst es finden, in dir. Glück muss man gar nicht suchen. Ich war auch so lange auf der Suche nach dem Glück. Wenn man aber loslässt, au sich allein vertraut und zu sich findet – dann trägst du das Glück im Herzen und wird dir im Alltag immer wieder begegnen. <3

      Auch wenn es blöd klingen mag: Diese Beziehung, die dir nicht gut tut, die dich erniedrigt.. Wenn du noch in ihr verharrst. Meine Mama sagte damals etwas, das rückblickend sehr wahr war. Hält man noch an dieser Beziehung fest, ist nicht bereit, zu gehen - dann ist das eigene Leid noch nicht groß und der eigene Wille noch nicht stark genug. Irgendwann kommt der Tag, da siehst du klar und wirst wissen: Heute gehe ich, heute beginne ich mein Leben. <3

  • Antworten Küstenmami 26. Juni 2016 at 19:09

    Ach, das kann ich gut verstehen! Ich versuche, das Meer im Herzen zu tragen und natürlich meine Kinder… Trotzdem ist es bei beiden schön, sie auch ganz nah zu spüren <3

    Viele liebe Grüße
    Küstenmami

  • Antworten Sonja duncan 26. Juni 2016 at 19:12

    Was für eine wunderbare Kolumne.Ich freue mich sehr für dich, Janina <3 Dein Wert ergibt sich allein aus deinem Sein <3 GLGSonni

    • Antworten Janina 29. Juni 2016 at 4:16

      Ganz lieben Dank, liebe Sonni! <3

  • Antworten Sophie 26. Juni 2016 at 19:30

    Genau. So. Ist. Es.
    ❤️

    • Antworten Janina 29. Juni 2016 at 4:15

      Ja <3

  • Antworten Michaela 26. Juni 2016 at 21:33

    Hallo guten abend ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und Gänsehaut beim Lesen bekommen. Ich hoffe das du deine Glücksmomente im Leben findest, es gibt sie immer wieder mal erwartet weil man sich auf etwas freut oder ganz unerwartet wenn man sich über kleine Dinge und Augenblicke freut. Positiv zu denken und das überwiegend auch in Tiefen des Lebens ist eine hohe Kunst, die ich selbst für mich erlernen muss. Ich finde deinen Blog toll, komme jetzt öfter mal lesen. Liebe Grüße Mia

  • Antworten Sandra Scholz 26. Juni 2016 at 21:44

    Wie immer, sehr gut gelungen. Seit du auf reisen bist, hat jeder Beitrag ein wenig mehr tiefe bekommen und dieser hier trifft es genau auf den Punkt. Vielen Dank das du soviel Vertrauen ins uns setzt, dich offen zu deinen Ängsten bekennst und damit vor unseren Augen auseinander setzt. Es ist wunderbar deine Erfahrungen zu lesen und erinnert mich daran, täglich auf die Kleinigkeiten des Glücks zu achten und mich daran zu erfreuen. Genieße DU weiterhin das reisen, ICH erfreue mich an deinen post auf IG und deinem Blog. Sandra

  • Antworten Silvie 26. Juni 2016 at 21:56

    Liebste Janina,

    der Beitrag hat mein Herz berührt. Vielen Dank dafür.

    Silvie

    • Antworten Janina 27. Juni 2016 at 16:09

      Oh, das freut mich sehr. 🙂
      Ich danke dir für dein liebes Feedback!

  • Antworten Jana 27. Juni 2016 at 10:00

    Liebe Janina,

    mir gefällt das neue Design sehr, aber wäre es möglich, die Schrift (für den Desktop-PC) etwas zu vergrößern?

    Liebste Grüße aus Hamburg
    Jana

    P.S. die neue Kommentar-Funktion mit Name und Email statt Account gefällt mir auch viel besser und macht es wesentlich einfacher, auch ohne sämtliche Accounts kommentieren zu können!

    • Antworten Janina 27. Juni 2016 at 16:08

      Liebe Jana,

      ich danke dir. Ich mag das neue und aufgeräumte Design auch so viel lieber. Da macht es gleich viel mehr Freude, neue Artikel zu verfassen. 🙂
      Und ja, auch die Kommentarfunktion ist so viel einfacher. Ich habe leider mehrmals das Feedback bekommen, dass Kommentare zugelassen wurden und man sich erst hätte anmelden müssen?!

      Ich weiss nicht, wie man die Schrift für den Desktop vergrößert. Ich werde mal schauen, ob ich da eine Lösung finde. Danke dir für das Feedback.

      Herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Vanessa 28. Juni 2016 at 6:35

    Liebe Janina,

    ich lese deinen Blog sowieso schon gerne, aber dieser Beitrag ist wirklich schön. Es wurde soeben direkt ein Flug nach Bali für August gebucht. Habt noch eine schöne Zeit.

  • Antworten Eva 2. Februar 2018 at 16:41

    Beim durchlesen kamen mir dir Tränen…einfach weil ich mich in deinem Text so wiedergefunden habe. Die Angst vor dem allein sein, vor den Verlusten…mir fällt es zwar manchmal noch schwer glücklich zu sein bzw. falle manchmal einfach in alte Verhaltensmuster zurück. Aber dein Text hat mir wieder einiges in Erinnerung gebracht. Danke dafür, liebe Janina

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