Gastautoren Kolumne

BABY-NEID // WIE ICH MEINE BESTE FREUNDIN VERLOR

24. August 2016

Die wunderbare Katja vom Blog Mamatized hat mit der Geburt ihres Kindes auch ihre beste Freundin verloren. Der Kontakt war nicht mehr einfach und letztendlich gab es gar keinen mehr. Ist es so, dass unter Frauen manchmal Baby-Neid herrscht? Dass eine Frau einer Anderen das Glück von Familie und Nachwuchs nicht gönnen kann? Katja vermutet, ja. Aber lest selbst.

Wie ich meine beste Freundin verlor

Der Tag, an dem mein Kind geboren wurde, war auch der Tag an dem ich meine beste Freundin verlor.

Ich lag im Krankenhaus, mir wurde kurz übers Telefon gratuliert und ein Besuch für 2 Tage später versprochen, der aber weder zwei Tage später noch an einem anderen Tag stattfinden sollte.

Seit wir 13 waren, klebten wir zusammen und verbrachten unzählige Wochenenden beieinander, wir verloren uns nie aus den Augen und wenn es mal Phasen gab, in denen wir uns weniger trafen, dann machte die eine der anderen irgendwann Dampf unterm Hintern, damit wir wieder zueinander finden konnten.

Wir waren jeweils die Trauzeugin der anderen und pflegten eine Freundschaft, die selbst mit mehreren 100 km Distanz zwischen uns nicht in die Brüche gehen konnten. 

Ich ging bei ihr zu Hause ein und aus, hatte ihre Geschwister genau so lieb, wie sie und war mit ihr durch so viele Streits gegangen, dass ich dachte uns könnte nichts zerreißen. Dass der Grund für einen Bruch der Freundschaft ein Baby sein könnte, war für mich unvorstellbar gewesen.

Ich hätte es kommen sehen müssen, das habe ich mir oft gesagt, aber im Hormonrausch sind die ganz feinen Antennen vielleicht etwas unempfindlicher als normal, denn es hatte Anzeichen gegeben, dass sie mit meiner Schwangerschaft nicht glücklich war.

Ich sagte es ihr in einem Café und die allererste Reaktion war: „Oh nein, dann bist du ja jetzt richtig Erwachsen!“ schnell wurde eine Umarmung  und ein „ich freue mich“ hinterhergeschoben, wiederum gefolgt von: “Ach dann liegt es wohl daran, dass du in letzter Zeit so komisch bist“. Ich ahnte nicht – oder wollte ich es nicht sehen-, dass unsere Freundschaft an diesem Tag sein Verfallsdatum erhalten hatte.

Meinem Mann gratulierte sie mit einem:“Na, da hast du die Katze geschwängert!“(Katze ist mein Spitzname; er wurde mir von ihren Geschwistern gegeben). Mein Mann erzählte es mir erst als unsere Freundschaft schon beendet war.

Die nächsten Monate verliefen eigentlich normal. Sie nannte mich zwar „dicke Mami“, aber die Gelegenheit nutzen ja viele, um eine Frau endlich mal dick nennen zu dürfen. Sie hatte kein übermäßig großes Interesse an der Schwangerschaft an sich (hatte sie doch selbst noch keine Kinder); ich schob es darauf, dass sie zwei ihrer Geschwister mit großgezogen hatte und demnach auch schon deutlich mehr über Babies und Schwangerschaften wusste.

Ein paar Wochen vor Geburtstermin fuhr ich hochschwanger über 200km nach Hamburg um ihr „spontan“ das ganze Wochenende beim Verpacken eines riesigen Auftrages, den ihre kleine Firma bekommen hatte, zu helfen. So war unsere Freundschaft damals für mich, die eine brauchte Hilfe, die andere lässt alles stehen und liegen um ihrer Freundin zu Hilfe zu eilen.

In der Woche des Stichtages meldete sie sich gar nicht, sie hatte geschäftlich Termine in Süddeutschland gemacht und ich war bei meiner Familie.

Und dann kam der Tag der Geburt. Ein kurzer Anruf von ihr, bei dem mehr mit meinem Mann als mit mir selbst gesprochen wurde, ein versprochener Besuchstermin und ein Herzlichen Glückwunsch. Zwei Tage später dann die Absage, es schneie sehr stark (was auch stimmte) und sie wolle schnell und sicher aus dem Süden direkt nach Hause fahren.

Ich schrieb ihr, wann ich entlassen würde und nach Hause kommen sollte und bekam einen kurzen Text zurück. Und tagelang hörte ich nichts von ihr. So vergingen 3 Wochen und ich war stinksauer. Ich hatte gerade das größte Glück meines Lebens erfahren und zersprang vor Freude und sie wollte es anscheinend nicht mit mir teilen. In meiner Erwartung wäre sie gleich in der ersten Woche die 1 1/2 Std Weg, die uns trennten, gefahren und hätte mich besucht. Und nun waren 3 Wochen vergangen und sie verschickte eine SMS, in der sie fragte, ob ich mich schon mit Baby eingelebt hätte und tat als wäre nichts passiert. Also antwortete ich ihr nicht (ja, ich bin ein Sturkopf) und beschloss ihr zwei Tage später zu Weihnachten zu schreiben. Was ich auch tat. Hierauf kam zu Sylvester die SMS-Revanche und zwei weitere Wochen später – meine Tochter war mittlerweile schon 6 Wochen alt – ein Anruf voller Vorwürfe von ihr, dem ich emotional einfach nicht gewappnet war. Ich schob mit dem Handy am Ohr meine Tochter 2 Std durch 10 cm Schnee und hörte mir an, dass ich über mein Kind alles andere vergessen hätte , zu einem egoistischem Wesen mutiert sei und mich nur noch per Sammel-SMS bei ihr melden würde. Als mein Kind schreiend aufwachte, zog ich die Notbremse und beendete das Telefonat. Und als es wieder schlief, schrieb ich ihr einen Brief. Ehrlich, aber dennoch versöhnlich. Ich entschuldigte mich sogar. Ein paar Tage später erhielt ich einen Brief von ihr. Auch wenn ich mir vorher einiges ausgemalt hatte, wie ihre Antwort aussehen würde, so konnte ich damit nicht rechnen. Ich wurde wild beschuldigt, mir wurden Dinge vorgeworfen, die schon lange der Geschichte angehörten und ich verziehen und vergessen glaubte und sie endete mit: “Wir sind nicht mehr befreundet.Ich wünsche dir ein glückliches Leben!“ Ich schrieb mir noch einen weiteren Brief von der Seele und das war es dann.

Natürlich habe ich mich oft gefragt, was der genaue Grund für dieses Ende gewesen ist, ob ich wohl je die Chance hatte, das Ende abzuwenden. In den vergangenen 3 Jahren bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht in meiner Hand lag. Und ich habe ein paar Frauen getroffen, die, als ich ihnen ganz zufällig davon erzählte, ähnliche Geschichten zu erzählen hatten. Und immer gab es die Parallelen, dass ein Kind geboren wurde und dass sie das Gefühl hatten, sie hätten auf keine Art und Weise die Freundschaft retten können. So als könnten diese Frauen das Glück der Anderen nicht ertragen.

Das gefällt Dir vielleicht auch

25 Kommentare

  • Antworten Mel 26. August 2016 at 3:52

    Hm also ich persönlich sehe diesen Beitrag eher kritisch. Ich finde, dass dieses Wort „Baby-Neid“ sehr oft bei Müttern aufkommt. Die Geburt eines Kindes ändert das Umfeld und eine Frau nochmal total. Nicht die Persönlichkeit im Kern natürlich aber doch Sicht- und Verhaltensweisen, was ja vollkommen normal ist, da die Geburt eines kleinen Babys einfach nochmal ein komplett neuer Lebensabschnitt ist. Durch diese Veränderung gehen nunmal Freundschaften verloren, Interessen gehen auseinander. Viele können einfach auch gar nichts „mit Kindern anfangen“ (klingt jetzt etwas hart aber ist so), wissen nicht wie sie auf die neue Situation reagieren sollen oder wollen es auch nicht, weil sie dem selbst (noch) nicht viel abgewinnen können. Deswegen ist das aber noch lange kein Neid! Es gibt tatsächlich auch Frauen für die es nicht das größte Glück ist ein Kind zu bekommen (auch wenn man das als Mutter vielleicht nicht nachvollziehen kann) und ihren Fokus eher auf andere Dinge legen, im Falle der Freundin zB das kleine Unternehmen. Ich habe eine große Familie in der es schon sehr sehr viele Mütter gibt und so ziemlich jede Frau hat sich durch die Geburt verändert und Freunde sind weggefallen aber auch neue hinzugekommen, mit Neid hat das nix zu tun sondern viel mehr mit dem natürlichen Lauf der Dinge, wenn sich Leben nunmal verändern. Bei manchen geht’s trotz Veränderungen gut und mit anderen Leuten funktionierts halt einfach nicht mehr. In diesem Fall liest es sich doch so ein bisschen wie „ich bin der Nabel der Welt und jeder der das nicht so sieht, ist neidisch oder gönnt mir das Glück nicht.“

    • Antworten Katja Schiller 26. August 2016 at 11:28

      Liebe Mel, vielen Dank für deinen Blick auf die Geschichte. In einer Freundschaft kommt es doch nicht darauf an, was genau das Glück des anderen ist, sondern dass man sich für den anderen freut, auch wenn es nicht der eigene Lebenweg ist. Ich gehe ja auch zu einer Hochzeit und freue mich mit dem Paar, selbst wenn ich es mir nicht vorstellen kann, zu heiraten. Es geht ums Glück teilen, egal, was dieses Glück ist. Sei es die Geburt oder ein riesiger Erfolg für ein Unternehmen.
      Liebe Grüße
      Katja

      • Antworten Christiane 15. November 2016 at 20:20

        Und es geht meiner Meinung nach um Toleranz und Verständnis der Freundin gegenüber, das deren Leben sich gerade völlig verändert hat. Und keiner weiß vorher, was diese Veränderung bedeutet und wie sie aussieht… ach, das ist ein großes Thema, vor allem wenn man das alles auch schon erlebt hat…

    • Antworten maria 19. September 2017 at 11:18

      Ich persönlich finde den Artikel gelungen und leider, leider habe ich etwas ähnliches erlebt und ich bin nicht die Einzige. Natürlich ist eine Schwangerschaft eine große Umbruchphase und auch die werdende Mutter verändert sich und somit kann das auch ihre Beziehungen betreffen. Dennoch ist eine Schwangerschaft bzw. ein Baby vor allem Dingen eines: ein Reality Check, vor dem es kein Entkommen gibt. Als werdende Mutter merkt man sehr, sehr schnell wer es ernst und gut mit einem meint. 1. Die Toleranzschwelle und vor allem Zeit sich mit Pseudo- Freunden abzugeben war bei mir automatisch geringer. 2. Ich habe eine weitere Lektion fürs Leben gelernt, die einige vielleicht nicht hören wollen: Freunde freuen sich, wenn man Erfolg hat, aber es darf nicht zu viel Erfolg sein. Es darf nicht viel besser sein als ihre eigene Lage. Baby, Mann und auch noch Job, mit dem ich happy und flexibel war, war schon wieder zu viel des Guten. Ich finde, dass gerade viele von uns Frauen dazu neigen, Freundschaften zu idealisieren und dann Konflikte ignorieren („ach, das ist meine beste Freundin, die meint es nicht so“). Ich habe sowas mit meiner besten „Freindin“ erlebt, wie die Autorin es beschreibt und auch heute kann ich mit Sicherheit sagen, dass sehr viel Neid, Missgunst und Hass im Spiel war und es mich tierisch gestresst hat, mir höllisch weh getan hat, weil sie mich quasi mit ihren Emotionen überfallen hat, einfach um mir eine wunderschöne, einmalige Zeit kaputt zu machen. Wie egoistisch muss eine Person sein, dass sie mit einem sinnlos streitsüchtigen/ seltsamen Verhalten nach einer Geburt die Aufmerksamkeit vom Baby auf sich ziehen zu wollen? Sie hat sich danach bei mir entschuldigt, ich habe ihr auch verziehen, aber das Vertrauen ist nach solch einem idiotischem Verhalten nunmal weg für mich.

  • Antworten Bianca 26. August 2016 at 7:54

    Das ist ein toller Post und eine traurige Geschichte. Ich finde es unglaublich traurig, wenn eine Freundschaft nach einer Geburt so zu Ende geht. Da sind dann viele Jahre einfach weg, auch die Erinnerungen, in denen man gemeinsam schwelgt. Einfach schade.
    LG Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

    • Antworten Katja Schiller 26. August 2016 at 11:29

      Liebe Bianca,
      ich freue mich, dass mein Beitrag dich berührt hast. Vielen Dank für deine Worte!

      LG Katja

  • Antworten Bianca K. 28. August 2016 at 10:53

    Ich fand Mel’s Komentar sehr gut und stimme ihr zu. Menschen verändern sich ständig und ihre Interessen auch. Freundschaften sind wie alle anderen Beziehungen: die meisten sind nicht für das ganze Leben, sondern für eine bestimmte Lebensphase.

    • Antworten Katja 29. August 2016 at 9:41

      Liebe Bianca,
      Nenn mich romantisch oder realitätsfern, aber daran mag ich nicht glauben! Ich bin eine treue Seele, die daran glaubt, dass auch Freundschaft ewig währen kann. Leider hast du in dem Punkt recht, dass es oft nicht so ist. Vielen Dank für deinen Kommentar!

      • Antworten Janina 29. August 2016 at 9:45

        Liebe Katja,

        auch ich glaube daran, dass Freundschaften ein Leben lang halten könnten. Und ich wurde belohnt, mit der Weltbesten besten Freundin – mit der ich nun seit Jahren durch dick und dünn gehe. Und sie hatte einen Kinderwunsch, der zuerst unerfüllt blieb, ich hingegen wurde schwanger. All das hat unserer Liebe zueinander (als Freundinnen) keinen Abbruch getan. <3

  • Antworten Claudia 28. August 2016 at 11:11

    Ich habe deinen Beitrag interessiert gelesen. Zwei Dinge liegen mir auf dem Herzen.
    1. Wenn es zum Abbruch einer Freundschaft kommt, gehören dazu immer zwei. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, schuldig oder unschuldig. Du präsentierst uns deine Sicht der Dinge und interpretierst das Verhalten seiner Freundin als Babyneid…Das finde ich zu einfach. Was ist im Vorfeld passiert?
    2. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Zusammensein mit werdenden Müttern manchmal anstrengend sein kann. Manchmal kann man das Gefühl bekommen, dass es thematisch nur noch das Baby gibt…

    Sei nicht so hart mit deiner Freundin… Problemlösung beginnt immer bei einem selbst.

    Liebe Grüße
    Claudia

    • Antworten Claudia 28. August 2016 at 11:15

      Ich meinte natürlich “ das Verhalten deiner Freundin“ und nicht „das Verhalten seiner Freundin“… 🙂

    • Antworten Katja 29. August 2016 at 9:48

      Liebe Claudia, vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast Recht, es gehören immer zwei dazu. Und das was ist im denn vorher passiert, kann ich dir leider nicht beantworten, da wir bis zum Zeitpunkt der Geburt (so glaube ich es zumindest) einen guten Kontakt gehabt haben, ohne dass die eine mehr Platz als die andere eingenommen hat (ok, ich hatte schon mehr „räumlichen“ Platz eingenommen 😉) .
      Ich habe mich lange gefragt, was es wohl war, ich kann es nicht beantworten. Da der Kontakt aber mit der Geburt meiner Tochter abgebrochen ist, liegt diese Scjlussfolgerung irgendwie nahe.
      Ich finde sehr schön was du schreibst und vielleicht war auch ich zu hart im Streit.
      Vielen Dank und liebe Grüße
      Katja

  • Antworten Anna 29. August 2016 at 10:37

    Liebe Katja,
    dein Text berührt und erstaunt mich. Ich befürchte, ich befinde mich auf der Nicht-Mama-Seite dieses Phänomens. Mir ist das auch passiert. So plump sich das anhört. Meine herzensgute, liebevolle und fürsorgliche Freundin wurde schwanger und mit Voranschreiten der Schwangerschaft entfernte ich mich ihr immer mehr und fand den Draht zu ihr nicht mehr. Mittlerweile ist ihr Baby fast ein Jahr alt. Ich denke oft an sie, auch schmerzlich. Ich glaube an Freundschaften für’s Leben, dennoch weiss ich, unsere Leben und Prioritäten sind mittlerweile zu verschieden. Ich gönne ihr dieses Glück bedingungslos, doch sehe ich mich nicht mehr in ihrem Leben – und sie in meinem auch nicht.

    • Antworten Katja 29. August 2016 at 12:33

      Liebe Anna,
      das bricht mir das Herz. Es hört sich gar nicht hoffnungslos bei dir an, wenn du noch immer so sanftmutig und gut von ihr sprechen kannst! Vielleicht lohnt sich ja doch noch ein Versuch der Annäherung! ich würde es euch wünschen!
      Liebe Grüße
      Katja

  • Antworten Tina 30. August 2016 at 7:19

    Hallo Katja,
    ich muss auch einigen meiner Vorredner anschließen: Ich denke, du interpretierst ihre Reaktion als Baby-Neid. Aber hast du mal versucht, ihre Sichtweise zu verstehen? Vermutlich wollte sie dir in den ersten Tagen Zeit mit eurer neuen kleinen Familie geben und wusste auch nicht recht, wie und wann sie sich bei dir melden kann. Sie hat wohl darauf gewartet, dass du dich meldest, wenn du Zeit dafür hast. Sie hat keine Kinder und kann sich daher nicht in deine Situation hineinversetzen.
    Ich denke, dass hier ein großes Kommunikationsproblem von beiden Seiten aus vorliegt. Sie fühlt sich im Recht – du fühlst dich im Recht.
    Aber zu behaupten, dass es sich dabei um Baby-Neid handelt, ist die typische Aussage einer Mutter, die nicht nachvollziehen kann, dass es noch andere Gründe für dieses Verhalten geben kann. Sollte deine Freundin seit Jahren schwanger werden wollen, wäre es natürlich was anderes. Aber aus dem Text schließe ich („Jetzt bist du ja richtig erwachsen!“), dass dies nicht der Fall ist. Auch wenn sich deine Welt um Babys und natürlich dein Baby im Speziellen dreht, ist es nicht bei allen so.
    Viele Grüße
    Tina

  • Antworten Katja 30. August 2016 at 12:25

    Liebe Tina,
    Na klar habe ich das (mehr als oft). Ein interessanter Punkt, den du da anführst und der ist mir tatsächlich nie in den Sinn gekommen. Ich konnte mir bisher einfach nicht vorstellen, dass jemand der bei mir ein und aus geht, der sich an meinem Kühlschrank bedient, ohne zu fragen und der mich Tag und Nacht anrufen kann und dies auch tut, „nur“ durch die Geburt eines Babies auf einmal verunsichert ist, „Kontakt“ aufzunehmen. Das geht ja auch ohne aufdringlich zu sein 🙂
    Vielleicht kommt das in meinem Text nicht rüber, aber meine Freundin war sehr kinderlieb. Vielleicht hast du aber recht, denn manchmal verhalten wir uns ja unsicher, obwohl alle Welt denkt, dass wir stark sind! Vielen Dank für deinen Punkt!
    Liebe Grüße
    Katja

  • Antworten Maria 30. August 2016 at 14:06

    Hallo Katja,
    auch ich möchte mich den Vorrednerinnen anschließen, die deinen Post kritisch sehen. Das Verhalten deiner ehemaligen Freundin als „Baby-Neid“ zu benennen, klingt in meinen Ohren anmaßend und verurteilt sie hier öffentlich. Auch finde ich die Erwartungshaltung „man muss sich immer für das Glück der Freundin freuen“ (egal, wie es einem selbst geht) zu hoch. Wieso ist es gerade in einer tiefen Freundschaft nicht „erlaubt“, sich über etwas einmal nicht mitfreuen zu können und Abstand zu nehmen – aus welchen emotionalen, persönlichen Gründen auch immer. Wenn sie dir ein so wichtiger Mensch ist/war, gestehe ihr zu, ihren eigenen Weg zu gehen, ihren ehrlichen Bedürfnissen zu folgen. Anderenfalls müsste sie sich verstellen, das möchtest du auch nicht. Natürlich tut es dir weh, sie los zu lassen und selbstverständlich wäre es fair gewesen, sie hätte offen mit dir geredet, keine Frage. Aber wir sind Menschen. Vielleicht konnte sie es nicht, traute sich nicht oder konnte ihre Gefühle selbst nicht deuten und in Worte fassen. Die Frage nach dem Warum bekommen wir im Leben oft nicht beantwortet.
    Ich bin mir sicher, dass eine solch lange und dicke Freundschaft nicht „nur“ wegen des vermeintlichen Neids auf eine Geburt abgebrochen wird. Es war vielleicht das Tüpfelchen auf dem „i“.
    Das trifft wahrscheinlich nicht auf euch zu, dennoch ein Denkansatz: Das moderne nach außen (über)zelebrierte Glück mancher Mütter überfährt einen manchmal auch einfach. Es wird oft nach außen „zu viel“ daraus gemacht, man möchte der ganzen Welt sein Glück demonstrieren, anstatt sich im Inneren still über sein persönliches, intimes Glück zu freuen. So dass man als Frau, die gewollt oder ungewollt (noch) keine Kinder hat, das Gefühl bekommen kann, kein erfülltes, daseinberechtiges Leben ohne dieses größte Glück führen zu dürfen oder gar ein „Versager“ zu sein, wenn man dieses eine Glück nicht leben darf oder will. Statt sich diesen Gefühlen ausgesetzt zu fühlen, beendet man die Freundschaft aus Selbstschutz.
    Freundschaften gehen auseinander und wenn man den anderen ohne Gram ziehen lässt, finden sie sich möglicherweise auch einmal wieder.
    Viele Grüße
    Maria

    • Antworten Katja 30. August 2016 at 22:04

      Liebe Maria,
      Deine Worte stimmen mich nachdenklich und ich danke dir ehrlich für deine Sicht. Es ist wohl immer so mit den Hohen Erwartungen, dass diese zu herben Enttäuschungen führen. Das ist mit Sicherheit mein Fehler gewesen. Mich hat ihre Reaktion eiskalt erwischt und nach über 15 Jahren Freundschaft glaubte ich meine Freundin zu kennen und einschätzen zu können. Und zu den Müttern, die einen mit ihrem Glück überfahren kann ich nur sagen, auch ich hatte das Gefühl zu zerspringen vor Glück. Einer Braut untersagt man ja auch nicht das Strahlen an ihrem Hochzeitstag! Und wenn ich mit diesem Glück gerade nicht umgehen kann, weil ich selbst unglücklich bin, dann gibt es auch die Möglichkeit dies mitzuteilen!
      Viele Grüße
      Katja

  • Antworten Julia 30. August 2016 at 19:18

    Liebe Katja,

    zunächst einmal möchte ich Dir sagen, dass ich Deine Geschichte sehr rührend fand – jedenfalls in der Art, wie Du sie beschrieben hast. Sie hat mich sehr nachdenklich gemacht. Denn auch ich ging und gehe ich immer noch durch diese Phase. Allerdings als beste Freundin einer Frau, die ein Kind bekommen hat.
    Deine Geschichte ist sehr aus Deiner Sicht geschrieben – was ja auch nicht falsch und eigentlich Dein gutes Recht ist. Wenn Du jedoch verstehen willst, warum eure Freundschaft so endete, solltest Du sie Dir aus der Perspektive Deiner Freundin anschauen. Meine Vorrednerinnen haben es wunderbar zusammengefasst und ich will es an der Stelle nicht noch einmal schreiben.
    Es gibt im Leben und in der Freundschaft keinen Anspruch darauf, dass sich nichts verändert. Genauso wenig gibt es einen Anspruch darauf, dass sich etwas verändert. Deine Freundin hat keinen Anspruch darauf, dass Du nie „erwachsen wirst“ und es immer so bleibt zwischen euch beiden, wie es immer war. Auch Du hast keinen Anspruch darauf, dass sie die Veränderungen in Deinem Leben mitmacht. Als Nicht-Mutter kann ich Dir nur eins sagen: Genau diese Veränderungen will man ja vermeiden, sonst hätte man ja selbst ein Kind bekommen.
    Ich gönne meiner Freundin ihr Glück und freue mich für sie. Doch will ich selbst in meinem Leben nichts verändern. Ich will meine Wochenenden nicht am Spielplatz mit ihr und ihrem Kind verbringen. Ich will auch nicht schon um 18 Uhr zu Hause sein müssen, weil das Kind ins Bett muss. Ich will abends ausgehen, an der Bar mal einen Cocktail trinken – dort wird aber kein Stilltee serviert. Diese Liste kann ich lange führen. Ich bin auf Distanz zu meiner Freundin gegangen – gerade eben um unsere Freundschaft nicht zu zerstören. Ich weiß, dass ich in ihrem Leben nicht mehr die Rolle spiele, die ich einst gespielt habe. Sie hat inzwischen neue Menschen kennengelernt – andere Mütter, mit denen sie sich gut versteht.
    Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, dass ich mich riesig freue und es toll finde. Manchmal, wenn ich darüber nachdenke – so wie jetzt nach Deinem Beitrag – werde ich ein bißchen eifersüchtig. Denn sie ist eine tolle Frau und eine wunderbare Freundin und ich vermisse sie sehr. Sie, wie sie war, bevor sie ihr Kind bekommen hat. Ihr Leben dreht sich um etwas ganz anderes als meins, das muss ich einfach akzeptieren. Vielleicht finden wir irgendwann mal wieder zueinander? Man geht ja durch verschiedene Phasen im Leben, in der einen kommt man sich näher, in der anderen geht man auf Distanz und umgekehrt.
    Ich freue mich, dass wir beide uns nicht aus den Augen verlieren. Und ich finde es schön, dass wir beide losgelassen haben. Ohne diese traurigen Aussprachen, ohne die mit Vorwürfen gefüllten Briefe usw. Es hat keinen unangenehmen Beigeschmack hinterlassen, wir sind beide so mit unserer aktuellen Situation zufrieden.
    Und eins zum Schluss: Neidisch bin ich nicht. Ich bin auch glücklich verheiratet und könnte – jedenfalls theoretisch – auch ein Kind bekommen. Aber ich will es einfach nicht. Wenn mir etwas fehlt, dann meine beste Freundin, aber nicht das Kind 🙂
    Liebe Grüße,
    Julia

    • Antworten Katja 30. August 2016 at 21:53

      Oh liebe Julia, jetzt rühren mich deine Worte. Vielen Dank, dass du deine Seite beschrieben hast! Vielleicht hat mir gerade das gefehlt, dass sie es gar nicht erlebt hat, dieses wie ich als Mutter bin. Ich hatte das Gefühl ich wurde schon verurteilt für eine Tat, die ich noch gar nicht begangen hatte. Vielleicht war es ja auch ein Selbstschutz von ihr vor eben diesen Sachen, die Freundinnen fürchten, wenn die andere ein Baby bekommt.
      Ich hoffe für dich, dass ihr auch noch die Chance auf eine Phase habt in der ihr wieder dichter zueinander rückt!
      Liebe Grüße
      Katja

  • Antworten Katharina 3. Oktober 2016 at 15:45

    Bei mir war es auch so. Und jetzt, wo ich das hier bin dir lese, kann ich es auch endlich einordnen. Baby -Neid. Ich habe es nie ganz verstanden, wieso meine damals beste Freundin unsere Freundschaft so „absichtlich gegen die Wand fuhr“. Sie war diejenige, die immer ganz viele Kinder wollte. Und plötzlich bekam ich zwei Stück. Und das ertrug sie nicht. Irgendwann beendete ich die Freundschaft. Es tat weh, aber jetzt geht es mir besser.

    • Antworten Janina 7. November 2016 at 19:14

      Bei mir auch! Ich dachte, dass es bei mir Zufall wäre und meine Freundin einen Knall hat. Aber bei uns war es das Gleiche. Null Interesse an der Schwangerschaft, genervt von meiner Schwangerschaftsübelkeit, Keine Zeit das Baby zu besuchen bzw gar kein Verständnis dafür, dass ich direkt nach der Geburt keinen Besuch wollte (heftige Geburtsverletzungen)…. etc. Schade, dass sie sich nicht mitfreuen kann! Klar verändert ein Baby das Leben total. Aber das gehört dazu und das sollte man als beste Freundin verstehen.

  • Antworten Noro 6. Juli 2017 at 16:43

    Liebe Janina,
    ich kann deine Enttäuschung, Verwunderung und Wut darüber nur zu gut verstehen. Ich verlor meine beste Freundin und Trauzeugin am Tag meiner Hochzeit. Da habe ich sie zum letzten Mal gesehen und das ist bereits 10 Monate her und wir wohnen in der selben Stadt.
    Aber es hatte sich auch -wie bei dir- bereits vorab angekündigt. Ich bekam auch so nette Seitenhiebe, aber eher wie unreif und unerwachsen mein Mann und ich seien. Nun bin ich schwanger und ich habe lange mit mir gehadert -das hätte ich mir sparen sollen! Ich fasste mich ans Herz und schickte ihr eine liebevoll gestaltete Nachricht mit Bild. Abgesehen von einem „Glückwunsch. Wir freuen uns für euch.“ per Whats App kam nichts.

    Auch ich bin mir sicher, dass Neid ein Grund sein könnte. Sie wollte ihren Freund bereits vor 5 Jahren heiraten und auch Kinder bekommen. Er vertröstet sie noch immer, während wir nach zwei Jahren Beziehung unsere Traumhochzeit feierten.

    Auch hier gilt wohl: Abhaken und nicht immer darüber nachdenken, was man selbst alles falsch gemacht haben könnte, wenn man sich doch immer wieder bemühte und nichts zurück kam. Da bin ich also ganz deiner Meinung.

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Noro

  • Antworten Alex 17. Oktober 2017 at 21:52

    Hallo Katja,

    bin sehr froh, dass du diesen Text geschrieben hast. Denn ich kenne die andere Seite.
    Und obwohl ich dich nicht kenne, werde ich schon bei dem Foto mit Baby neidisch. Wenn man selbst Single ist, auch gerne glücklich verliebt wäre und ein Baby hätte und immer zugucken muss, ist es fast übermenschlich, zu gönnen. Es ist auch nicht vergleichbar mit anderen Erfolgen im Leben.
    Ein Kinderwunsch ist etwas ganz normales. Die meisten Frauen wechseln lustig die Liebhaber, haben nie lange erotische Durststrecken und wenn sie dann irgendwann ein Kind wollen, ist auch der richtige Mann da. Sie verstehen schon da nicht, wie man Schwierigkeiten haben kann.
    Unfreiwillige Kinderlosigkeit endlos bitter. Du schreibst, du „zerspringst“ vor Glück. Nun stell dir vor, dieses Glück würde dir genommen. Dein Kind bekäme plötzlich eine tödliche Diagnose. Wie würdest du dich fühlen, wenn deine Freundinnen, die Kinder haben, dann lachend vor dir stünden und sagen.. „Oh, tut mir leid, aber hahaha, haaach, hihihi, haha, schau mal, mein süsser Fratz, er wird wachsen und gedeihen. “ Sowas würde niemand tun, aber unfreiwillig kinderlosen Frauen mutet man genau das zu.
    Jemand anderem ein Glück zu gönnen, das man selbst vielleicht nie erleben wird, wäre schon fast eine göttliche Eigenschaft und diese ist nicht jedem gegeben.
    Auch ich habe mich von Freundinnen zurückgezogen, wenn sie Kinder bekamen. Weil es für mich unerträglich war, dass mein Kinderwunsch lapidar abgetan wurde, weil ich nicht einmal einen Partner hatte, also nur eine „halbe Portion“, eine Art Neutrum war. Weil sich die Mutter tatsächlich wichtiger nahm. Das Baby ist der Mittelpunkt…
    Schon alleine, dass ( vermutlich richtigerweise) Neid unterstellt wird, zeigt ja, dass du dein Leben beneidenswert und „besser“ findest als ihres. Sowas spürt man als Freundin und das tut weh.
    Du möchtest, dass sie sich mit dir freut.
    Umgekehrt könnte die Andere auch sagen: Warum bekommt sie einfach ein Baby, wo sie doch weiß, dass ich so unglücklich Single bin? Verstehst du? Diese Frage wird fast jeder Leser als provokant, ja, lächerlich wahrnehmen. Tatsache aber ist, so empfindet die unfreiwillig kinderlose Freundin. Nur, das interessiert niemanden, die Mütter haben gesellschaftlich die größere Lobby.
    Eine Freundin, sie bekam sogar Zwillinge, nahm ich nur noch als „arrogant“ wahr. Nicht ein einziges Mal hat sie mich gefragt, wie ich mich dabei fühle, dass sie schwanger ist. Sondern sie lachte lustvoll schallend, wackelte mit den wachsenden Brüsten und jubilierte, bei unseren Treffen seien die Babies natürlich dann immer dabei. Ich äußerte, dass ich es schöner gefunden hätte, wenn jede von uns ein Baby bekommen hätte und es nicht so ungerecht verteilt wäre. Darauf gab es einen freundlich- mitleidigen Satz. Dann ging es glucksend freudig weiter und sie ließ mich allein mit meinem Schmerz. Ich denke schon, dass die Kinderlose sich in irgendeiner Weise „äußert“, aber es wird weggebügelt. Es wird ignoriert. Es gibt keinen Trost.

    Eure Freundschaft war eine Freundschaft unter „Gleichen“. Ähnliches Alter, ähnliche Erfahrungen. Das war eure Basis.
    Sieh es mal so: Du wirst in deinem Kind weiterleben, deine Freundin vielleicht aussterben. Das ist etwas sehr Elementares. Ja, ich will fast sagen, etwas animalisches. Ich habe mit Gewalt versucht mich zu beherrschen. Ich wollte unbedingt die Freundschaft behalten. Ich habe es nicht geschafft, es hätte mich zerstört.
    Ich knallte ihr aber, im Gegensatz zu deiner Freundin, keine bösen Sachen an den Kopf, sondern betrieb „Ghosting“. Das geschah nicht in einem Entschluss von heute auf morgen, sondern einfach, weil ich mich nicht mehr melden konnte. Ich war wie paralysiert, so verstrichen Tage, Wochen, Monate, inzwischen Jahre. Ich wollte einfach nicht nach dem Baby fragen müssen. Ich wollte über „unsere“ Themen reden. Das Baby sollte „verschwinden“. Was es natürlich nie mehr tun wird.
    Also ging ich. Ich denke, es war für uns alle besser so.
    Du hast bisher viel Glück gehabt im Leben. Sei dankbar dafür. Nicht jede hat das. Ich würde auch gerne einmal im Leben „vor Glück zerspringen“.
    Traurige ( und ja, auch neidische) Grüße
    Alex

  • Antworten Max 16. Dezember 2017 at 11:39

    Gibt es wirklich den Babyneid oder nimmt man das selber als Frau wegen den Hormonen anders wahr. Seitdem meine Frau Schwanger ist, merke ich das der Kontakt zu ihren freundinen immer mehr abflacht. Da sie aber auch schneller an die decke geht, frage ich mich ob die sich eher nicht wegen sowas abwenden..

  • Schreibe eine Nachricht