Elisabeth Gastautoren USA

USA // FETT, FETTER, AMERIKA

10. August 2016

Jetzt kommt es ziemlich dick: Die Amerikaner und ihre Ernährung

Meine Liebe, es folgt eine neue Kolumne von Elisabeth. Die Amerikaner und ihre Fettsucht. Ein Artikel, der absolut lesenswert ist. Deshalb, unbedingt zu Ende lesen und wir freuen uns sehr über Feedback. 🙂

Der Begriff „Übergewicht“ ist in Deutschland schon fast ein Synonym für „die Amerikaner“. Zwar leidet auch die deutsche Bevölkerung immer mehr unter diesem Problem, doch mir fällt nach jedem Heimatbesuch  in Deutschland auf, wie viele dicke Menschen es hier in den USA wirklich gibt. Der Grund dafür ist so einfach wie fatal: Sie sind stark übergewichtig, weil die Lebensmittelindustrie Amerikas gierig ist und möglichst viele Menschen „süchtig“ machen möchte. Süchtig nach mehr Essen, damit die großen Lebensmittelkonzerne und fast-food-Ketten maximalen Profit machen können.

Und der ungesunde Hang zu übergroßen Portionen wird den Menschen hier regelrecht „anerzogen“. Wer ein Sandwich bestellt, erhält meist automatisch eine Packung Chips dazu. Ich frage mich: Wozu? In vielen Restaurants sind die Portionen ohnehin so gigantisch, dass diese eigentlich zwei Erwachsene satt machen würden. Ich selbst habe nach den ersten Monaten in Big America, und nach vielen seufzenden Blicken auf meine Waage, aufgegeben, was mir meine Eltern früh beigebracht hatten: Den Teller leer essen und nichts verschwenden!

XXXL, the bigger, the better – die USA

XXXL, the bigger, the better. Autos, Kühlschränke, Shampooflaschen – Chipspackungen. Alles in diesem Land ist groß. Das größte Menü bei McDonalds inklusive Mega-Pommes und riesiger Coke kostet nur wenige Cent mehr, als das in einer halbwegs gesunden Größe. Die Botschaft: Man wäre dumm, wenn man bei dem Preis nicht zugreift. …oder?!

Die Pappbecher, in denen einem die Sodas (Cola, Fanta, Sprite,…) serviert werden, gibt es meist in drei verschiedenen Größen, ähnlich wie in Deutschland. Der Unterschied: die größte Größe in good old Germany ist in den USA der kleinste Becher. Hier umfasst der große Becher unglaubliche 900 ml. Fast ein ganzer Liter Cola als Drink zu einer Mahlzeit.

Der ehemalige Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg, hatte 2013 versucht, Getränkebecher zu verbieten, in die mehr als 0,5 Liter passen. Doch die großen Konzerne wie Pepsi, Coca-Cola und Co leisteten hartnäckige Lobbyarbeit – und Bloomberg schaffte es nicht, den „Soda-Ban“ durchzusetzen. Dabei sind es neben dem ungesunden, mit Zucker-, und Sodium gesättigten nährwertfreiem Junk-Food auch diese Getränke, die zur unglaublichen Fettleibigkeit führen.

Ihr sagt jetzt, na warum dort essen gehen? Selbst schuld, wer sich bei McDoof schachtelweise Pommes und literweise Cola einverleibt. Doch einmal der Esssucht verfallen, kommen die Menschen nur schwer davon los. Der Zucker in der Coke verursacht im Gehirn genau die gleiche Ekstase, wie das Einnehmen von Heroin! Die Menschen können nicht anders – selbst nach mühsamen Esstherapien sind die Rückfallquoten enorm. Zu Hause, im alten Trott, verfallen sie oft in gewohnte Muster – und kapitulieren vor dem so verheißungsvoll leuchtendem, übergroßem gelben „M“ an jeder nur denkbaren Straßenecke.

Eine weitere kulturelle Angewohnheit, die das Problem befeuert, ist die Tatsache,  dass die Amerikaner gerne und häufig auswärts essen. Abseits von Los Angeles, New York und Chicago sind auf dem Land die kulinarischen Angebote aber ziemlich beschränkt. An den breiten Straßen finden sich die üblichen Verdächtigen mit ihrem ungesunden Angebot: Burger King, McDonalds, Wendys, KFC. Doch auch in großen Städten wie NYC kann man den Fleischklopsketten kaum aus dem Wege gehen..

Wenn Fett ein ganzes Land lähmt

„Obesity“ – Übergewicht gehört hier zur tragischen Normalität – und scheint sich in die gesellschaftliche Vielschichtigkeit einzugliedern. Es gibt Junge, Alte, Schwule, Singles, Familien – und dicke Leute. Die Gesellschaft kapituliert: An den Flughäfen werden die vielen dicken Passagiere von ebenso vielen ehrenamtlichen Helfern nach der Landung mit einem Rollstuhl abgeholt und zur Passkontrolle gefahren. In Supermärkten gibt es gleich Dutzende elektronische Rollstühle mit Einkaufskorb – diese ersparen das mühselige Laufen durch die Gänge. Und genutzt werden sie keineswegs nur von gebrechlichen Senioren.

An Samstagen, an denen halb Amerika in den Malls der Nation das Wochenende genießt, fällt es mir manchmal schwer, die Fassung zu wahren. Jeder kennt sie, die großen sogenannten „Food Courts“. Ganze Etagen voller Fressstände. Fast-Food. Junk-Food. Crap.

Fette Burger, noch fettigere Pommes, Pizza, Zimtschnecken. Frittierte Shrimps. Chicken Wings. Dazu die obligatorische XXL-Cola.

Und dort sitzen häufig Familien, mit ihren 2, 3 oder 4 Kindern. Warum? Weil sie am Wochenende was „Besonderes“ erleben möchten. Und in diesen Food-Courts gibt es, oh, wie praktisch, oftmals tolle Spielparadiese. Spaß für Groß & Klein. Und dort greifen schon die Kleinsten nach Chips, die Eltern vertilgen ihre Tripple-Whopper mit extra Cheese – alle gezeichnet von der Epidemie des schnellen, billigen Essens. Dem Zeug, das kurz glücklich und satt macht – und anschließend träge und hungrig.

Das Schicksal dieser Kinder ist vorgezeichnet und leider mittlerweile auch mit Zahlen zu messen. Denn diese Epidemie der Fettleibigkeit befällt inzwischen auch die Jüngsten. Jedes dritte Kind im Alter von sechs bis 19 Jahren ist übergewichtig. Jedes fünfte Kind sogar fettleibig. Diabetes Typ 2, die Diabetesart, die durch ungesunde Ernährung entsteht, betraf im Jahr 1980 lediglich Erwachsene. Zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2010 waren fast 58,000 Kinder an dieser Krankheit erkrankt. Die Übergewichtigkeit der Amerikaner ist in vielerlei Hinsicht ein schwerwiegendes Problem. Dieser Sucht sind so viele Menschen erlegen, dass sie in ein paar Jahrzehnten das Land lähmen wird. Wissen tun das die meisten, die etwas zu sagen haben.  Doch politisch bewegt sich wenig, da die Lebensmittellobby in Washington die Politiker im Griff hat – und in meinen Augen nicht minder skrupellos ist, als die allmächtige Waffenlobby der USA.

Das Thema „Fettleibigkeit in den USA“ ist so vielschichtig und natürlich spielen da noch ganz andere Faktoren eine große Rolle. Wenn ihr Euch ausführlicher darüber informieren möchtet, empfehle ich Euch den Film „Fed Up„, der sich nicht nur kritisch mit der Lebensmittelindustrie und Ernährung in den USA auseinandersetzt, sondern auch mit der so gnadenlos einflussreichen Foodlobby befasst. Erhellend, dabei unterhaltsam und deshalb absolut sehenswert!

 

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14 Kommentare

  • Antworten Eva 10. August 2016 at 11:05

    Ich wundere mich immer wieder, wie teuer Lebensmittel in Amerika sind. Da wundert es mich auch ehrlich gesagt nicht, dass so viele Menschen dort außer Haus essen. Nur schade, dass die wenigsten dann etwas gesundes bestellen.

    • Antworten Janina 10. August 2016 at 12:17

      Gute Lebensmittel sind leider wirklich gar nicht so günstig. Ich erinnere mich noch, wie ich eine Sommersuppe kochen wollte – hauptsächlich bestehend aus Gemüse und letztendlich hat mich diese Suppe knapp 70 Dollar gekostet. Das war vor sechs Jahren. Erschreckend. Sicherlich ist es in den Großstädten noch leichter, sich ausgewogen und gesund zu ernähren. Aber auf dem Land, wo ich war, gab es einen Wal Mart und zig Fast Food Ketten. Kurz zu DQ fahren war da fast das allabendliche Ritual.

  • Antworten Johanna 10. August 2016 at 11:46

    Ich muss gestehen, dass ich deine Art zu schreiben nicht besonders mag und hier deshalb immer seltener vorbeigeschaut habe, aber seitdem Elisabeth hier ihre Beiträge veröffentlicht, komme ich gerne hin und wieder mal vorbei und schau, ob es etwas Neues von ihr gibt. Einen tollen Fang hast du da gemacht 😃

    • Antworten Janina 10. August 2016 at 12:14

      Liebe Johanna, das ist doch schön. 🙂

  • Antworten Meri 10. August 2016 at 14:41

    Ich finde dieser Beitrag ist bisschen einseitig. Ich war schon des öfteren in den USA und muss sagen, dass im Verhälnis zur Einwohnerzahl und Landesgröße die Menschen in den USA sportlicher sind, als in Deutschland. Menschen die bisschen mehr verdienen legen dort wahnsinnig viel wert auf gutes und ausgewogenes Essen und regelmäßigen Sport. Ich habe noch nie so viele Menschen in öffentlichen Parks Sport machen sehen, als in den USA. In sämtlichen Parks werden Kurs für Jedermann angeboten. Mütter sind in Gruppen mit Sportbuggys schon um 6:00 Uhr morgens unterewgs und Businessleute gehen vor der Arbeit sehr oft joggen.

    Aber ja, leider sind „etwas“ bessere Lebensmittel in USA sehr teuer. Habe ich selbst oft erlebt und mich ganz arg gewundert. Natürlich hat man als Geringverdiener keine Chance auszuweichen, den irgendetwas zu essen braucht man ja. Da bleibt dann nur der Griff zu Fertigprodukten und Industriezucker. Leider!

    In NYC (speziell Manhattan > Hell’s Kitchen) kann man dem Fastfood schon aus dem Weg gehen. Es gibt dort so viele Organic Bars oder Restaurants und Bistor, die wirklich ein gute Auswahl an frischem und „unprocessed“ Essen anbieten.

    -Meri

    • Antworten jeannie 11. August 2016 at 21:05

      Wo warst du? In NYC, Kalifornien…? Da stimme ich dir zu. In ländlichen Regionen gaaaar nicht!

      Es ist einfach ein Fakt dass das ein großes Problem der USA ist. Wenn ich auch finde dass es auch in Deutschland immer mehr auftritt. Aber nicht diese ganz ganz extremen dicken/fetten. Aber Übergewicht halt…

      • Antworten Meri 12. August 2016 at 13:44

        Ich war mehrere Wochen mit dem Auto von Key West nach Manhattan unterwegs. Wir sind auch viel ländliches abgefahren. Dort ist mir vieles über den Weg gelaufen. Ich war auch lange Zeit in Atlanta. Natürlich gibt es Übergewichtige, aber genau so viel sportliche Leute, finde ich. Da habe ich halt auch gesehen, dass sehr viel Einkommensabhängig ist, wie und wo man sich ernährt. In Deutschland kannst du dir auch als Normal- oder Geringverdiener qualitative Lebensmittel leisten. In den USA halt nicht so einfach (vorallem nicht mehreren Kindern).

  • Antworten Kayla 11. August 2016 at 5:23

    Das mag für einen Teil der Amerikaner/der USA sicherlich zutreffen, doch generell ist mir der Artikel viel zu klischeebelatstet und einseitig. Sorry!

    • Antworten Janina 11. August 2016 at 6:27

      Leider entspricht es so aber der Wahrheit.

  • Antworten Julia 11. August 2016 at 8:57

    So unterschiedlich sind die Geschmäcker – ich für meinen Teil lese deine Kolumnen lieber als die von Elisabeth, aber das liegt daran, dass mich das Amerika Thema nicht so reizt 🙂 aber davon abgesehen finde ich die Vielseitigkeit des Bloggs toll – auf den neuen Backteil von Anni freu ich mich sehr 🙂

    • Antworten Janina 11. August 2016 at 9:37

      Liebe Julia,

      erst einmal ganz lieben Dank, das ist ein wirklich tolles Kompliment. Das freut mich riesig, auch weil ich wirklich immer darauf bedacht bin, euch, meinen tollen Leserinnen, Abwechslung zu bieten. Den Blog spannend zu gestalten, lesenswert. Deshalb, ganz großen Dank an dich für die lieben Worte.

      Und zu den Kolumnen an sich: Es ist doch auch toll, dass wir alle ganz unterschiedliche Geschmäcker haben – sonst wäre es auf Dauer ganz schön langweilig. 🙂

      Hab einen tollen Tag, liebe Julia!

  • Antworten Claudia 11. August 2016 at 10:11

    Ein toller Artikel. Leider entspricht er genau meinen Erfahrungen.

    • Antworten Janina 11. August 2016 at 10:21

      Meinen Erfahrungen leider auch.

    • Antworten jeannie 11. August 2016 at 21:05

      Meinen auch.

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