Elisabeth Gastautoren Kolumne USA

DIE USA // OBERFLÄCHLICHKEIT? JA, GERNE DOCH!

1. September 2016
Mittwoch ist Gastkolumnen-Tag auf Oh Wunderbar. Elisabeth ist seit Beginn ein fester Bestandteil. Sie bereichert uns mit wunderbaren Gastkolumnen rund um das Thema Leben in den USA. Wenn ihr also mehr von Elisabeth lesen möchtet, dann schaut euch ihre Kategorie hier auf dem Blog an oder aber ihr folgt ihr auf Instagram {HIER}.

Die Amerikaner sind so herrlich oberflächlich!

‚Ich mag die Amerikaner nicht. Die sind so oberflächlich. Immer dieses „How are you“. Die interessiert es doch gar nicht wirklich wie es mir geht.‘

Solche oder ähnliche Aussagen höre ich sehr häufig von deutschen Bekannten und Mitmenschen, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in den USA lebe.

Den ersten Eindruck, den ich von Amerika bekam, war ein heißer Tag in einer kalten Mall vor ungefähr acht Jahren. Egal welchen Laden ich betrat – am Eingang stand eine lächelnde Verkäuferin, begrüßte mich und fragte, wie es mir gehe. Ich war irritiert und fand die Frage eher merkwürdig. Die kennt mich doch gar nicht? Was geht sie an, wie ich mich heute fühle?! Im fünften Laden antwortete ich zaghaft: „Good… and how are you?“ und war dann noch irritierter, als die lächelnde Verkäuferin sich schon längst weggedreht hatte und neue Kunden begrüßte. Tatsächlich, die Amerikaner sind oberflächlich, dachte ich.

Dieser erste Eindruck von damals hat sich bestätigt. Das „How are you?“ ist keine ernst gemeinte Frage. Doch, ob ihr es glaubt oder nicht, ich weiß diese Oberflächlichkeit mehr denn je zu schätzen. Denn mittlerweile empfinde ich diese Art als freundlich und höflich. Natürlich interessiert die Verkäuferin nicht wirklich, wie es mir geht – aber ich finde, dass diese Floskeln den Alltag vereinfachen und freundlicher machen. Der Taxifahrer, die Kassiererin, die Arzthelferin, der Verkäufer,… sie alle begrüßen einen nett und stellen eine freundliche Frage. Das sorgt für eine positive Grundstimmung und wirkt sich auf die Leute allgemein gut aus. Ja, die Leute sind in Amerika im Alltag oft viel besser drauf, als in Deutschland. Und manchmal passiert es sogar, dass sich daraus ein Gespräch entwickelt. Denn auch das ist hier anders: die Amerikaner sind ein sehr offenes Volk. Da wird der Sitznachbar im Flugzeug gerne zum Gesprächspartner, da antwortet der Taxifahrer auf die Floskel „I’m great, and you?“ plötzlich mit „Not so great“ und  erzählt, wie ihm am Morgen jemand hinten reingefahren sei und anschließen Fahrerflucht begangene habe.

Alles Smalltalk, alles oberflächlich. Meistens, ja. Manchmal nein. Doch sind wir mal ehrlich:  Unsere ureigenen Sorgen und Probleme teilen wir doch eh lieber mit Freunden oder Verwandten. Wieso dann nicht im Alltag mit den Menschen oberflächlich nett umgehen?

Vergangenen Monat war ich auf Heimatbesuch in Deutschland. An der Kasse, beim Rewe um die Ecke, sagte ich: „Hallo. Na, wie gehts?“ Die Kassiererin schaute kurz irritiert, bevor sich ein Lächeln in ihrem Gesicht breit machte und sie antwortete: „Oh, danke. Ich kann mich nicht beklagen“.

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21 Kommentare

  • Antworten Corinna 1. September 2016 at 7:48

    Hey
    Schöner Beitrag, jedoch empfinden wohl nur wir deutschen das als oberflächlich.
    „How Are you“ gehört einfach zur Begrüßung dazu und ist eine Floskel, so wie „guten Tag“ nunmal auch eine ist.

    Es ist einfach ein anderer Umgang, ich finde das Wort oberflächlich wirkt immer so wertend.

    Generell empfinde ich den Umfang miteinander in den USA als angenehmer als hier, weil es einfach freundlicher wirkt auf mich. Hier muss ich ja manchmal froh sein, ein „guten Tag“ zu hören 😉

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 15:55

      Liebe Corinna, da stimme ich Dir in Allem zu. 🙂 Liebe Gruesse, Elisabeth

  • Antworten Kathrin 1. September 2016 at 8:58

    Wie treffend geschrieben! 🙂 Also mir ist das 10x lieber, als die leider so oft unfreundlichen, scheinbar absolut unzufriedenen Deutschen. Gerade auch Mitarbeiter in so manch einem Laden.. Wie oft ist es mir schon passiert, dass ich bei Betreten eines Ladens erst mal von oben bis unten kritisch begutachtet wurde, nach dem Motto: Was willst du denn hier? Kannst dir wahrscheinlich eh nichts leisten! (und ohne eingebildet rüber kommen zu wollen: Ich denke, ich habe ein ganz passables Erscheinungsbild und erwecke keinen negativen Eindruck :-P) Mal davon abgesehen, sind es meistens – nicht falsch verstehen – „einfache Verkäufer“ die doch von mir als Kunde abhängig sind. Wie kann man da so ein Verhalten an den Tag legen?
    Kein „Hallo“ oder „Guten Tag“ – nichts! Da könnte ich echt zu viel bekommen… So etwas ist mir bei meinen bisherigen USA-Aufenthalt noch NIE passiert. Ich empfinde es eher als nett, als dass ich es als störend empfinden würde. Auch kleine Komplimente im Vorbei-Gehen, wie z.B. „Schöner Pullover“ oder „mir gefällt deine Frisur“ schaffen irgendwie eine positive Stimmung 🙂 So was ist in Deutschland so so selten und das finde ich echt schade…

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 15:59

      Liebe Kathrin, das kenne ich auch aus Deutschland. Manchmal hat man das Gefühl, man müsse sich entschuldigen, dass man in dem Laden eventuell etwas kaufen möchte…. Ich spüre auch, dass mich das verändert hat: habe ich früher eventuell gedacht: „Wow! XY hat aber ein tolles Kleid an“ oder „XY sieht heute super aus“, spreche ich das jetzt einfach aus! Mein Gegenüber freut sich – und ich mich auch! Liebe Grüße an Dich, Elisabeth

  • Antworten Christina 1. September 2016 at 9:53

    Liebe Elisabeth,
    zunächst einmal: Ich freue mich wirklich immer sehr über deine Beiträge und lese sie gern.
    Mich hat es anfangs auch immer sehr irritiert überall gefragt zu werden wie es mir geht. Allerdings nicht in den USA (dort war ich bisher noch nicht) sondern in Australien. Ich finde diese Angewohnheit aber auch eigentlich ganz nett und habe mich dadurch tatsächlich mit der ein oder anderen Person länger unterhalten.

  • Antworten Eva 1. September 2016 at 10:00

    Das sehe ich ganz genauso! Deine Kollumne lese ich im übrigen sehr gern =)

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 16:00

      Liebe Eva, vielen Dank! Das freut mich riesig! Liebe Grüße, Elisabeth

  • Antworten Nora 1. September 2016 at 10:45

    Ich sehe das genauso … Ich bin oft ziemlich frustriert, wenn ich von den USA nach D zurück komme und hier dann nicht mehr alle so warmherzig und freundlich sind.
    Ich nehme lieber ein (uU) oberflächliches „Hi, darling, how are you, sweetheart?!“ als eventuell garkeine Begrüßung …

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 16:01

      Hallo Nora, die Unterschiede werden mir bei jedem Deutschlandbesuch auch immer wieder bewusst! Viele Grüße, Elisabeth

  • Antworten inlovewithusfive 1. September 2016 at 11:05

    Schöne Kolumne! Ich finde, Du hast so recht! Bei jedem USA-Besuch stelle ich wieder aufs Neue fest, wie sich nach wenigen Tagen Aufenthalt meine Grundstimmung im Alltag verändert, wie ich mit einem Lächeln durch die Straßen laufe. Diese im positiven Sinne oberflächliche Freundlichkeit macht einfach selber freundlich! Wie´s in den Wald hineinruft.
    Und das Gegenargument, diese Freundlichkeit sei ja nicht ehrlich und nur oberflächlich gemeint (jetzt im negativen Sinne), lasse ich insofern nicht gelten, weil ich mich frage, was denn, bitteschön, an der Unfreundlichkeit und den missmutigen Mienen vieler Menschen, denen man hier im Alltag in Geschäften und auf der Straße begegnet, „tiefsinniger“, ehrlicher, reflektierter…sein soll?! (Anderes Thema: ich halte viele Amerikaner trotzdem für oberflächlich im negativen Sinne (Stichwort USA-zentrierte Weltsicht, wenige gedankliche Grautöne zwischen schwarz und weiß…), aber das mache ich sicher nicht an ihrer wohltuenden Freundlichkeit im Alltag fest.) Liebe Grüße!

  • Antworten Anna 1. September 2016 at 11:08

    Ich bin wegen meinem Job öfter mal in Dallas und gehe dann natürlich gerne bummeln- letztens hatte ich meine geliebten Glitzerpailletten Espadrilles an. So ging ich in ein schickes Taschengeschäft und die Verkäuferin scannte mich nach ihrem ‚Hey how are you‘ erstmal- und blieb bei den Schuhen hängen. Hellauf begeistert sagte sie ‚darling your shoes are SO cute, i love’em. Where did you get those?!‘ Daraus entwickelte sich ein Gespräch über ungemütliche Heels und generell Mode und Deutschland..verrückt aber interessant
    Später habe ich die nette Frau zufällig in einem Supermarkt getroffen und sie hat mich fast umarmt. Seltsam war das schon, aber diese Herzlichkeit hat mich den ganzen Abend noch lächeln lassen.

    Wäre mir sowas in einer Boutique in Frankfurt passiert? Ich wage es ganz ehrlich zu bezweifeln. Seitdem mache ich einfach öfter mal Komplimente, auch gerne in der langen Schlange an der Rewe- Kasse. Stimmungswechsel garantiert 🙂

    • Antworten Ramona 2. September 2016 at 11:06

      Liebe Anna,
      dann hat es bei dir genau in die richtige Richtung gewirkt, denke ich. Hier ein Kompliment zu bekommen, gibt einem ein richtig gutes Gefühl für den restlichen Tag 🙂 Denn es ist dann ziemlich sicher ernst gemeint!
      Herzliche Grüße von Ramona

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 16:04

      Liebe Anna, was für eine tolle Geschichte! Genau das ist es, was ich an den Amerikanern so liebe! Und ja: Wir sollten beflügelt von der herzlichen Art, genau das einfach in Deutschland auch so machen! Ich mache das jetzt auch häufiger in Deutschland! Die irritierten Blicke anfangs, dann die Freude, die man im Gesicht des Gegenübers sehen kann, sind unbezahlbar ! Beste Grüße, Elisabeth

  • Antworten Franziska Foit 1. September 2016 at 11:26

    Liebe Elisabeth!
    Vielen Dank für deine Kolumne. Sie spricht mir aus dem Herzen!

    Liebe Grüße,
    Franziska

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 16:05

      Das freut mich! Vielen Dank und beste Grüße, Elisabeth

  • Antworten Bini 1. September 2016 at 13:05

    Ich kann dir nur zustimmen! Wir sind seit einer Woche wieder in Washington DC und was uns sofort aufgefallen ist: die Leute sind hier so viel freundlicher! Selbst wenn ich morgens mal mit schlechter Laune wach werde, muss ich nur in die Mall fahren und die Amerikaner sorgen dafür, dass meine Laune sich bessert.
    Oberflächlichkeit hin oder her, die Deutschen könnten sich meiner Meinung nach gerne eine Scheibe von den Amis abschneiden, was das angeht. Denn in D. sind mir die Menschen zu „grumpy“.
    Danke für den Beitrag!

    P.S.: Vielleicht können wir uns ja auf einen Kaffee in der Stadt treffen!

    Liebste Grüße,
    Bini

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 16:06

      Liebe Bini! Es ist tatsächlich ein sooo bemerkbarer Unterschied! Genießt DC! Coffe Date machen wir auf alle Fälle!!!! LIebe Grüße an Dich und Deine lieben zwei, Elisabeth

  • Antworten Britta 1. September 2016 at 15:36

    Liebe Elisabeth,
    ganz begeistert habe ich eben deine ganze Kolumne durchgelesen. Ich selbst bin seit Anfang August in den USA und kann jetzt schon so einiges nachvollziehen, was du da schreibst. Wirklich toll wie du schreibst, bitte mehr davon!!

    Alles Liebe,
    Britta von milesawayfromsauerkraut.wordpress.com

    • Antworten Elisabeth 2. September 2016 at 16:07

      Liebe Britta, ich danke Dir für das Kompliment! Es tut gut Feedback zu bekommen – und wenn es dann auch noch so positiv ist! Genieß deinen USA-Aufenthalt weiterhin!! Liebste Grüße, Elisabeth

  • Antworten Susa 2. September 2016 at 20:06

    Ich weiß nicht…

    Ich bin etwas hin und her gerissen, was ich dazu schreiben soll. Ich sehe es schon auch so: Die Deutsche Mentalität ist ziemlich motzig, eigenbrötlerisch, „grantig“, wie wir Bayern sagen würden (und JA, ich empfinde die Bayern sogar als die extremsten, motzigen Deutschen).

    ABER: ICH will nicht motzig behandelt werden, also bin ICH nicht motzig. Lächle ich, bekomme ich meist! ein Lächeln zurück, wenn nicht, schade, aber mich macht auch MEIN Lächeln zufriedener. Ich bemühe mich außerdem Komplimente offen auszusprechen und mir selbst an die Nase zu packen, wenn ich über Andere urteile, obwohl mir sehr wichtig ist nach dem Motto „Leben und Leben lassen“ zu leben.

    Ich finde es auch schade, dass viele Dienstleister keine Freude mehr an ihrem Job haben, aber ICH habe Freude und vermittle die auch.

    Mich stört ein wenig dieser Fingerzeig, diese Vergleicherei. Man könnte ja auch sagen, die Amerikaner sind ein besonders freundliches Volk, ohne den Nachsatz „im Vergleich zu uns Deutschen“.

    Ich mein klar, das ergibt sich, denn jetzt klingt auch mein Post motzig, obwohl ich nur damit sagen wollte: Ich gehe lächelnd und zufrieden durchs Leben und das macht MICH sehr glücklich.

    PS: Ich bedenke dabei aber auch, dass auch ich mal einen schlechten Tag habe, gerade in Gedanken bin und deshalb grimmig schaue, dass auch ich mal gestresst bin oder private Probleme habe, die mich eben nicht immer nur lächeln lassen können und vielleicht auch nicht die Kassiererin, die heute mal nicht freundlich war.

    Ich wünsche euch allen einen schönen Abend und ein Lächeln in eurem Gesicht!

  • Antworten Yvette [engel + banditen] 3. September 2016 at 4:14

    Hach, da sehne ich mich wieder nach der Sekretärin in der Schule, die mir jeden Morgen: „Have a wonderful day, honey“ gewünscht hat, nach Abby in der Reinigung „Bye sweetheart“ oder nach all den anderen, denen mein T-Shirt gut gefiel oder die meinen Style liebten. Das kombiniert mit Palmen und blauem Himmel in Charleston, wo wir letzten Winter ein paar Monate gewohnt haben, war schon ein tolles Gefühl.
    Aber ich muss sagen, die Leute hier im Ruhrpott sind auch offen und freundlich, wenn man ihnen genauso begegnet. An der Kasse kommt man, wenn man möchte, auch hier ins Gespräch- wenn man selber auch was mehr lächelt 🙂
    LG von Yvette ausm Pott 😉

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