Kolumne

GEDANKENWELT // MANCHMAL GIBT ES KEIN NÄCHSTES MAL!

11. November 2016

 

Kein nächstes Mal!

Seit meiner späten Jugend habe ich so eine {neumodisch} Bucket List. Ein kleines Büchlein, in das ich meine Wünsche hinein notiere. Einmal eine Israel-Rundreise machen, steht da zum Beispiel drin. Oder, auf ein Konzert von Leonard Cohen, Rod Stewart und Paul McCartney gehen, einmal in einem anderen Land leben, Jura studieren – sowas eben.

In all den vielen Jahren sind Lebenswünsche hinzukommen, andere konnte ich abhaken, dann gab es welche, die sind einfach so verpufft, plötzlich nicht mehr da, manche stehen schon seit Ewigkeiten, seit Jahrzehnten, auf dieser besagten Bucket List. Ich habe sie geschoben. Kannst du irgendwann später machen… Ist gerade zu teuer, zu unpassend, was auch immer. Läuft nicht weg, hab ich mir dann gedacht. Doch, läuft weg.

Heute ist Leonard Cohen gestorben. Ein grandioser Künstler, ja, ein einzigartiger Sänger, der mich mit seiner unvergesslichen Stimme und seinen Songs fast 20 Jahre begleitet hat. Mit seinen Stücken hat er mich beglückt, er hat es geschafft, mich damit zutiefst zu berühren. Begleitet hat er mich, durch viele Momente meines Lebens. Die Nächte, die ich traurig und mit schwerem Herzen im Auto saß, mit Blick auf den Maschsee, allein. Die Momente, die ich für mich brauchte, zum nachdenken. Er hat sie oft begleitet. Genau so wie die Momente des Glücks und der Verliebtheit. 

Mein sehnlichster Wunsch war es immer, auf ein Konzert von ihm zu gehen. Leonard Cohen einmal live sehen. Was hab ich mir das gewünscht. Ich hatte einmal die Chance, und habe sie nicht ergriffen. Aus Gründen, die mir nun völlig unverständlich erscheinen. Nun ist er tot. Ein legendärer Künstler, ein Künstler, wie es sie heute kaum noch gibt, tot. Ich werde kein Konzert mehr von ihm besuchen.

Ich sitze hier, es ist sehr früh am morgen. Und ich verspreche mir eines, ab sofort schiebe ich nichts mehr auf. Nicht aus Gründen, die eigentlich keine sind. Wenn nicht jetzt, wann dann. Und dabei geht es nicht nur um ein Konzert, es geht um so viel mehr. Es geht um mein Leben. Verpflichtung an Verpflichtung, das ist der Alltag. Ich möchte mich ein wenig davon lösen. Wieder fokussierter sein, auf mich und meine Kinder. Ich möchte ihnen vorleben, dass es sich lohnt, an seinen Träumen zu arbeiten, sie anzugehen, sie umzusetzen. Denn manche Gelegenheiten ergeben sich einfach nicht zweimal. Manchmal muss man einfach tun und nicht warten. Auf was auch warten. Dann doch viel lieber selbst in die Hand nehmen, das eigene Leben {und damit verbundene Glück}. Nicht warten, machen.

Wisst ihr, meine Reise im Sommer hat viel mit mir gemacht. Ich würde sagen, ich bin noch der gleiche Mensch, klar. Aber meine Prioritäten haben sich verschoben, mein Blick auf die Dinge hat sich verändert. Ich habe mich verändert, und doch bin ich die Alte. Als ich aus Asien zurück kam, kam ich mit neuen Wünschen und Vorstellungen zurück. Mit Ideen, mit viel Energie. Eigentlich wollte ich im Februar wieder weg sein, für länger. Und doch hat mich hier der altbekannte Alltagstrott wieder eingeholt. Schneller als ich dachte. Wieder hatte ich meinen Fokus verloren. Nicht ganz, aber doch soweit, dass ich meine Träume wieder schob. Ein Muster, das wir alle kennen. „Ach, mach dir keinen Stress, das läuft nicht weg…“, dazu Zweifel. Fakt ist aber: Doch, für manche Dinge gibt es keine zweite und dritte Chance. Manche Dinge, Gelegenheiten laufen eben doch weg. Deshalb mach es, tu es, zieh es durch, arbeite daran – wenn du es wirklich willst. Träum nicht nur, lebe deinen Traum {soweit es möglich ist}.

 

 

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13 Kommentare

  • Antworten Anna 11. November 2016 at 7:56

    So ein super Beitrag mit einer wichtigen Nachricht! Ich hab ähnliche Erfahrungen gemacht und versuche auch jedem den Tipp zu geben, seine Träume auch wirklich zu leben. Ansonsten hechtet man den Träumen hinterher, verschiebt sie immer wieder und belügt sich damit selbst. Es ist einfach nur traurig zu sehen, dass viele nur auf den Freitag/den Urlaub oder was auch immer warten, aber nicht jeden Tag feiern und so leben, wie sie es möchten. Das macht mich traurig! Du hast es super auf den Punkt gebracht und kannst damit hoffentlich einige aus ihrem „Trott“ befreien und die Augen öffnen.

    Danke für deinen Beitrag! Ach und bezüglich Leonard Cohen – er war wirklich ein wunderbarer Musiker und ich habe seine Musik auch sehr gemocht. Das Gute daran ist, dass seine Musik weiterlebt und wir uns daran weiterhin erfreuen können!

    Liebe Grüße
    Anna

    • Antworten Janina 11. November 2016 at 8:03

      Liebe Anna,

      danke dir für deinen Kommentar. Danke dir für diese tollen und so wahren Worte.
      Tatsächlich, du hast ganz Recht. Ich beobachte es ganz ähnlich. Ich kann mich noch zu gut an meine Großeltern erinnern, die ihr Leben lang geschuftet haben. Immer mit dem Blick auf die Rente. „Wenn wir in Rente sind, dann machen wir dieses und jenes…“. Es sollte nicht soweit kommen. All die Pläne, die sie für später geschmiedet haben. Mein Opa starb, da war meine Oma gerade einmal in Rente gegangen. Davor die Jahre war er sehr krank. Sie hatten dann nich mehr die Zeit, nur als Beispiel.

      Ja, er war ein grandioser Künstler. Um ehrlich zu sein, habe ich heute ein paar Tränen verloren. Aber es ist ein Trost, dass er in seiner Musik weiter lebt.

      Danke Dir, liebe Anna. Danke.
      Janina

  • Antworten Janina 11. November 2016 at 8:50

    Ich sage mir immer: Ich möchte später nicht auf meinem Sterbebett liegen und mir denken „Ach hättest du mal…“ Nein, ich möchte denken „Du hast gelebt, es war schön!“ Das heißt nicht, dass ich keine private Rentenvorsorge oder ähnliches habe und nur noch in den Tag hinein lebe. Aber mein Beruf steht nicht mehr an erster Stelle. Und das ist gut so!

    • Antworten Janina 11. November 2016 at 8:53

      Liebe Janina,

      genau darüber denke ich auch oft nach. Ich will glücklich sein, ich will mein Leben leben. Ich will später nicht bereuen, etwas nicht versucht zu haben. 🙂

      Der Beruf sollte nie an erster Stelle stehen, finde ich. Natürlich, er ist wichtig und man verbringt die meiste Zeit mit Arbeit, aber dann sollte man entweder im Großen und Ganzen glücklich mit dem sein, was man macht. Und doch sollte der Job niemals die Nummer 1 sein.

      Danke Dir für deine Gedanken, darüber freue ich mich!

      Herzliche Grüße
      Janina

    • Antworten Jessica 11. November 2016 at 9:00

      Mein Rat Süße 😉 ich bin froh das du dein Leben so lebst und leben kannst. Wenn man dann nebenbei noch Menschen helfen kann denen Träume nicht einfach in Erfüllung gehen können, kann man doch wirklich sagen, dass man ein ehrerbietungs würdiges Leben gelebt hat! #thumbsup *kussi*

      • Antworten Janina 11. November 2016 at 9:07

        Ach du Herz <3

        Ich hab schon wieder so viel zu berichten. Ich hoffe, wir sehen uns nächste Woche?

  • Antworten Meike 11. November 2016 at 10:31

    Ach, Janina! Dass ich das von dir erfahre (sicher ruft mein Papa mich heute noch an)! Ich hab ihn noch gesehen, in HH, muss ca. 2008 gewesen sein (??? ich hatte das meinem Papa zum Geburtstag geschenkt). Ein wundervoller Musiker, eine außerordentliche Stimme. Ich habe 2 CDs im Auto, die ich so gern höre (wenn nicht gerade Pumuckl o.ä. läuft). Dein Text ist toll, du hast so Recht damit.
    Viele liebe Grüße!
    Meike

    • Antworten Janina 11. November 2016 at 18:31

      Liebe Meike,

      ich habe heute morgen in der Früh geweint, so sehr hat es mich getroffen. Natürlich, er war schon alt und es war absehbar. Aber dennoch war es ein Schock für mich. Er hat mich fast zwei Jahrzehnte begleitet. Seine Lieder haben mir viel Trost gespendet, haben wichtige Momente unvergesslich gemacht.

      Ich sende dir herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Patricia 11. November 2016 at 10:44

    Liebe Janina,
    vielen Dank für diesen Beitrag – du sprichst mir aus der Seele !! Ich habe vor ca. 1 Jahr damit angefangen, nichts mehr aufzuschieben. Der richtige Moment ist nämlich IMMER und NIE. Seitdem hat sich in meinem Leben sehr viel verändert. Ich habe mich weiterentwickelt, mehr zu mir selbst gefunden und durch das „Loslassen“ haben sich viele neue Möglichkeiten ergeben, mit denen ich nie gerechnet hätte. Ich habe inspirierende Menschen kennengelernt (dich zum Beispiel) und unbezahlbare Momente mit meinen Kindern erlebt. Das Leben ist wirklich zu wertvoll, um es im Alltagsstress zu verpassen!

    Ganz liebe Grüße,
    Patricia

    • Antworten Janina 11. November 2016 at 18:33

      Liebe Patricia,

      es freut mich ehrlich, deine Worte zu lesen. Es ist so wichtig, seinen Weg zu gehen. Offen zu sein, sein Leben zu leben. Oft ist man so blockiert und merkt es kaum. Oft schiebt man Dinge auf, und noch weiter auf. Aber irgendwann ist es zu spät.

      Ich freu mich sehr, dass es euch so gut geht. Das ist schön!

      Sei mir herzlich gegrüßt
      Janina

  • Antworten Sarah Lovell 11. November 2016 at 17:18

    Alles was ich zu deinem Beitrag sagen kann ist – its so true – man muss das Leben leben 🙂
    Toller Beitrag!

    • Antworten Janina 11. November 2016 at 18:28

      Liebe Sarah,

      danke schön. Und ich kann dir auch nur zustimmen, man sollte es leben. Jeden Tag. Natürlich kann nicht immer alles Glück und Sonnenschein sein. Aber man sollte doch immer auch was wagen, offen sein, das Leben genießen. 🙂

      Sei mir lieb gegrüßt
      Janina

  • Antworten fromhearttoheel 13. November 2016 at 13:38

    Mir geht es gerade ähnlich. Wie du mitbekommen hast ist meine Freundin bei der Geburt ihres Babys gestorben. Einfach so. Sie kommt nicht wieder. Es ist endgültig.Noch nie hat mich etwas derartig aus der Bahn geworfen. Es ist so schrecklich traurig. Ich sehe mir den Nachrichtenverlauf auf meinem Handy an und sehe, wie viele Treffen wir in den letztenJahren abgesagt haben, irgendetwas anderes ist oft dazwischen gekommen. Irgendwas war immer wichtiger.
    Jetzt gibt es kein Verschieben mehr, kein nächstes Mal. Sie wird mir nie wieder schreiben und mich fragen ob ich Zeit habe.

    Ich hätte mir mehr Zeit nehmen müssen, für Sie. Für die wichtigen Dinge.

    Lara

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