Family Kolumne

LUXUSGUT ZEIT // WEISST DU EIGENTLICH, WIE LIEB ICH DICH HAB!

20. November 2016

 

Weißt du eigentlich wie lieb ich dich habe..

Der Alltag ist… Alltag. Zwischen all den Verpflichtungen, all dem Stress, zwischen Haushalt und Arbeit und den eigenen Ansprüchen, vergisst man manchmal inne zu halten. Einfach inne zu halten, sich bewusst Zeit zu nehmen, bewusst zuzuhören, das Töchterehen {oder Söhnchen} in den Arm zu nehmen und fest zu drücken. Zu sagen: Ich hab dich lieb!

Ich hab dich so lieb, und ich bin stolz auf dich, mein Kind. Du bist toll!

Muss noch dies, muss noch das, muss noch jenes und irgendwas. Muss noch hier, muss noch da, muss noch viel viel mehr… Bla bla bla. Ich muss noch einkaufen und noch alles hübsch verstauen. Ich muss die Dinge, wie sie müssen, überschauen. Und ich muss in jedem Fall noch die Winterreifen draufhauen..“ heißt es in der neuen Edeka-Werbung mit dem Titel „Zeit schenken„. Und auch Otto zieht mit seinem neuen Weihnachtswerbespot nach, das Thema: „Schenke das Wertvollste, das du hast. Zeit“.

„Unser Alltag ist ihre Kindheit!“ lese ich immer und immer wieder auf diversen Blogs und inflationär bei Instagram. „Ja“, dachte ich oft, und, „nicht so ganz“, manchmal.

In einer Zeit, in der ein Mensch fast ausschließlich an seiner Leistung und dem beruflichen Erfolg gemessen wird. In einer Zeit, in der Frauen den Spagat zwischen Job, Karriere und Familie wagen. Gut ausgebildete Frauen, die dreimal mehr leisten müssen, um die gleiche Anerkennung zu erhalten, die ein Mann genießen würde. In Zeiten, in denen Flexibilität nicht nur gewünscht, nein, gefordert wird. Schnell, schneller, noch schneller, unser Alltag. Luxusgut Zeit.

Noch ganz schnell Frühstück machen und die Kita-Tasche packen, das Kind abliefern, zur Arbeit huschen, Leistung erbringen, (Tages-, Umsatz-)Ziele erreichen, auf die Uhr schauen, spät dran, spät dran. Dazu das schlechte Gewissen und die Zerrissenheit. Zur Kita rasen, „verdammt nochmal, warum ist das hier eine 30er Zone, ich komm noch zu spät!“ denken, rein hasten, Kind abholen, einkaufen, Wäsche waschen, Abendbrot zubereiten, Kinder baden und ins Bett bringen, ein flüchtiges Küsschen, eine Gute-Nacht-Geschichte, Licht aus. 21 Uhr. Man fühlt sich müde, ist ausgelaugt. Eigentlich möchte man nur noch ins Bett fallen, versackt aber auf der Couch. Zu weit der Gang rüber ins Schlafzimmer. Tag, ein Tag aus.

„Weisst du eigentlich, wie lieb ich dich hab, mein Kind?!
Bis zur Sonne und zurück. Bis zum Nordpol über Südamerika und zurück zu uns nach Haus. Soooo sehr!“

Obwohl ich das Privileg habe, viel von zu Hause zu arbeiten, ertappe ich mich doch immer wieder dabei, wie ich durch den Tag haste. Hier noch eine Abgabe, da noch ein Telefonat, oh, nicht vergessen, die 15 E-Mails, Angebote schreiben, Texte fertigstellen, Bilder bearbeiten. „Mami, hast du kurz Zeit?“ fragt Anni. „Ja, aber ich muss kurz noch dieses und jenes und oooops, jetzt ist mir hier etwas dazwischen gekommen!“. Nicht selten fällt es schwer, sich aus dieser Spirale zu befreien. Sich bewusst Zeit zu nehmen, für sich selbst, für die Partnerschaft und natürlich für die lieben Kinder ganz voran. Zeit, die man niemals zurück bekommt. Zeit, die unwiderruflich verstrichen ist. Keine zweite Chance, kein nächstes Mal. Obwohl ich mir dem Stress oft bewusst bin, obwohl ich mir immer wieder vornehme, mich zurück zu nehmen, mir bewusst Zeit für meine zwei Mädchen frei zu schaufeln, gelingt es mir oft nicht. Weil ich allem gerecht werden möchte und dann aber nicht selten auf ganzer Linie versage. Weil ich es nicht schaffe, auf beiden „Hochzeiten“ gleichermaßen gut zu tanzen. Weil ich mir oft viel zu viel aufbürde. Etwas leidet immer. Und eigentlich weiß ich…

„Muss nicht dies, muss nicht das, muss nicht jedes und nicht irgendwas. Ich muss nur eines, wie ich find, für dich da sein, mein Kind!“ heißt es weiter in dem Spot von Edeka.

Man denkt immer, ich muss noch dies und muss noch das. Aber nein, eigentlich nicht. Natürlich muss man seinem Job nachkommen. Keine Frage. Aber werden einem die zig Überstunden gedankt? Und ist es wirklich so schlimm, wenn das Geschirr noch einen Tag warten, sich die Wäsche noch zwei Tage gedulden muss? Nein. Diese Zeit-fressenden Alltagsdinge laufen uns nicht weg. Keiner stört sich daran, wenn mal zwei Tage nicht gesaugt wurde. Den Kinder ist es egal, ob die Wäsche gebügelt ist oder nicht. Für sie zählt nur eines, dass wir da sind, für sie. Zeit haben, mit ihnen. Irgendwann sind diese Kinder erwachsen, ziehen in die Welt hinaus, gründen ihre eigene Familie. Möchten wir nicht, dass sie sich zurück erinnern, an ihre Kindheit, und dabei ein Lächeln auf dem Gesicht haben. Dass es ihnen wohlig warm wird, weil sie viele schöne und unvergessliche Momente mit uns, ihren Eltern, erlebt haben. Dass sie diese von uns erfahrene Liebe und die Werte an ihre eigenen Kinder, unsere Kindeskinder, weitergeben können. Luxusgut Zeit. Ja, Zeit ist in der heutigen Zeit ein Luxusgut. Aber eigentlich brauchen wir den Schnellzug, der durch unser Leben rast, nur anhalten. Die Notbremse ziehen, Prioritäten überdenken und anpassen, eine gute Mitte finden. Die gemeinsame Zeit einfach bewusster erleben, bewusster gestalten. Dankbar sein für die Vorlesezeit am Abend, für die schönen Spaziergänge durch die Herbstsonne.

Und das immer, das ganze Jahr über, nicht nur zu Weihnachten.

Meine liebe Anni, nicht nachher, nicht morgen, jetzt. Wir haben die Zeit, wir nehmen sie uns, nur für dich, nur für uns! 

 

 

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19 Kommentare

  • Antworten Christina 20. November 2016 at 13:20

    Wieder mal ein schöner Text!
    Was unseren Alltag sehr entspannt hat, ist dass wir eine Putzfrau haben, die 1 x die Woche kommt. Vielleicht wäre das auch eine Möglichkeit für dich/euch. Man hat dazwischen trotzdem noch genug zu tun. Aber um Wäsche (machen, nicht bügeln) und Großeinkauf kümmert sich z.b. fix mein Partner, das ist sein Job. Vielleicht kannst du da auch noch etwas abgeben.
    Und ein guter Tipp für Paarzeit, aber sicher auch für die Kids, damit diese nicht zu kurz kommen: sich fix verabreden und diese Zeit dann auch frei halten, als wäre es ein Termin mit einem Geschäftspartner, beim Friseur oder was auch immer. Z.B. jeden Donnerstag 14 Uhr Mutter/Tochter-Zeit mit Anni. Lg und einen schönen Sonntag noch.

    • Antworten Janina 21. November 2016 at 14:55

      Liebe Christina,

      darüber denke ich zeitweise auch nach. Aber irgendwie ist es auch seltsam, dass jemand Fremdes ins Heim kommt, oder?
      Ich muss mal schauen. Ich denke, das würde mich auch sehr entlasten. Hier schaut es zeitweise aus wie auf dem Schlachtfeld. Weil irgendwas halt warten muss. 🙂

      Ganz lieben Dank für deine Tipps. Da werde ich mal etwas übernehmen.

      Liebe Grüße an Dich
      Janina

  • Antworten Alexandra 20. November 2016 at 18:47

    Total schöner Text und ich bin wirklich beeindruckt wie du das alles machst. Ich hab noch keine Kinder und bin auch sonst noch am Anfang meiner Berufswelt, aber es macht doch auch immer ein wenig Angst, wie man das später alles gestemmt bekommt. Auf doch Kind verzichten für Freiheit und Karriere kommt einfach nicht infrage und ich habe ja auch bei dir so schön gesehen, dass sich Reisen und Kinder absolut nicht ausschließen 😊

    • Antworten Janina 20. November 2016 at 18:51

      Liebe Alexandra,

      eigentlich ist es ja schon traurig, dass man diese Gedanken „Kind oder Karriere“ überhaupt hat bzw. haben muss – oder?
      Ich glaube, gerade reisen lässt sich unheimlich gut mit Kindern vereinbaren. Man muss nur im Kopf gewisse Barrieren beiseite räumen.
      Viele haben Angst, was auch ok ist. Uns wird uns suggeriert, dass gewisse Dinge mit Kindern nicht mehr gehen. Dabei stimmt das einfach gar nicht.

      Sei mir lieb gegrüßt
      Janina

  • Antworten Sabine 20. November 2016 at 18:50

    Sehr schöne Worte. Ich kenne das von mir leider auch dass ich oft gestresst durchs Leben hetze und meine Kids auch mit hetze :/

    • Antworten Janina 21. November 2016 at 15:08

      Ja, leider ist es manchmal so schwer, sich dem zu entziehen. Ich kenne das auch zu gut.

  • Antworten Nadja 20. November 2016 at 19:18

    Ein toller Text. Und so wahr! Meine Tochter ist drei Jahre alt. Ich habe nach dem einen Jahr Elternzeit sehr schnell gemerkt, dass ich nicht alles kann. Nicht überall hundert Prozent geben kann. Perfekt im Job, und entspannt und glücklich für mein Kind. Ich arbeite Teilzeit, 25 Stunden in der Woche. Jetzt könnte ich wieder mehr arbeiten weil der Kindergarten längere Betreuungszeiten anbietet. Aber ich will es nicht. Klar, mehr Geld wäre super. Aber ich genieße diese Zeit so sehr. Karriere machen, zu welchem Preis? Ich würde so viel verpassen. Auch mit drei Jahren ist meine Tochter noch klein und braucht mich. Ich habe es geschafft jeden einzelnen Tag zu genießen. An manchen Nachmittagen vergesse ich sogar das ich Vormittags gearbeitet habe und wenn ich mit Amelie im Wald oder sonst wo unterwegs bin, habe ich oft das Gefühl das ich Urlaub habe. Ich kann mir zur Zeit überhaupt nicht vorstellen wieder Vollzeit zu arbeiten. Das Gefühl von Freiheit und einfach Zeit haben, ist für mich unbezahlbar. Und auch mit dem Haushalt bin ich entspannter geworden, denn Wäsche kann warten. Ich möchte nicht irgendwann an diese ersten Jahre zurück denken und das Gefühl haben etwas verpasst zu haben. Und ich war noch nie so glücklich wie ich es jetzt bin. Dieses Gefühl könnte mir kein Job geben. Jeder muss für sich seinen Weg finden, für mich ist dies der richtige Weg.

  • Antworten Anna 20. November 2016 at 19:54

    Liebe Janina,
    wirklich ein schöner Text. Auch wenn ich selber noch keine Kinder habe, werde ich es zum Anlass nehmen, morgen meine Mutter zu Weihnachten einzuladen.
    Liebe Grüße
    Anna

    • Antworten Janina 22. November 2016 at 8:00

      Liebe Anna,

      mach das unbedingt. Man weiß nie, wie viel Zeit man gemeinsam hat und gerade im Alltag kommt das ja oft viel zu kurz. Verständlich, neben Studium und / oder Job.

      Herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Johannaa 20. November 2016 at 22:28

    Total schön geschrieben!
    Es gab von der deutschen Bahn auch mal so ein tolles Video, in dem Kinder gefragt wurden was sie sich am meisten wünschen.. Am Ende war es bei allen die Zeit mit ihren Eltern.
    Müsste noch auf YouTube sein. Ist ganz interessant, da alle Eltern an materielle Dinge gedacht haben.
    Lieben Gruß

    • Antworten Janina 22. November 2016 at 8:01

      Liebe Johannaa,

      ganz lieben Dank! <3

      Kinder haben oft einen klareren Blick und vor allem äußern sie ihre Bedürfnisse noch so frei. Eigentlich müssten wir uns das beibehalten.

      Ich schaue gleich mal, ob ich das Video noch finde. Danke Dir!

      Herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Melia Beli 20. November 2016 at 22:49

    Eine Sache, die man aus so irrsinnig vielen Posts und Kommentaren bei dir rausliest, fällt mir immer wieder auf: Dass du immer wieder deine Liebe zu deinen beiden Herzensmädchen bekundest. Mir wird da jedes Mal so warm um’s Herz, weil ich finde, dass man so etwas nicht oft genug sagen kann und es von vielen Menschen als Art „Belohnung“ genutzt wird, diese Zuneigung seinen liebsten Menschen mitzuteilen. Das darf und sollte keine Rarität sein, nein, diese Aussage verliert dadurch nicht an Wert – es verdeutlicht das Gesagte nur!

    Einen guten Start in die neue Woche mit wenigen Momenten des Müssens, sondern viel mehr mit Momenten des Wollens!

    Melina

  • Antworten Sanny Z. 21. November 2016 at 7:42

    Liebe Janina, du hast einen ganz tollen Text geschrieben!
    Meine Tochter ist zwar erst sieben Monate alt und somit bin ich noch jeden Tag zu Hause wegen Elternzeit, aber ich merke jetzt schon wie manche Tage einfach so an mir vorbei fliegen. An solchen Tagen habe abends dann ein schlechtes Gewissen, weil das Kuscheln und Spielen vielleicht etwas zu kurz gekommen sind. Ich denke, dass es immer mal solche Tage geben wird, aber wie du schon schreibst, muss man wirklich mal inne halten und dem Kind all seine Liebe zeigen ❤

    Du bist eine ganz tolle Mutter und eine bemerkenswerte Frau. Ich lese sehr gerne von dir 😘

    Liebe Grüße

    • Antworten Janina 21. November 2016 at 14:44

      Liebe Sanny,

      ich habe am Abend ganz oft ein schlechtes Gefühl, weil ich dieses und noch schnell jenes gemacht habe, dann ist es 19 Uhr und die Kinder müssen so langsam ins Bett. Ich hab so oft das Gefühl, auf zwei oder gar drei Hochzeiten tanzen zu müssen. Dabei vergeht die Zeit so schnell, sie werden so schnell groß.

      Das ist aber lieb und deine Worte freuen mich sehr. Dankes schön!

      Herzliche Grüße an dich
      Janina

  • Antworten MoblakeineAbsicht 21. November 2016 at 14:00

    Das ist genau das Statement, das ich mir gewünscht habe. Hatte mir doch gewünscht, dass du etwas über „die Zeit“ schreibst 🙂 Toll <3 Das hast du wundervoll geschrieben. Danke! Ich werde mir das ausdrucken und aufhängen 🙂 Mache ich ja immer mit tollen Texten. Hach, es ist einfach schön von dir zu lesen <3

    • Antworten Janina 21. November 2016 at 14:42

      Es ist so schön, wenn ich von dir einen Kommentar entdecke. Da freu ich mich ehrlich immer sehr!

      Ich hatte den Text begonnen und dann den Spot von Edeka gesehen, hab ihn dann noch einmal etwas umgeschmissen und das kam dabei heraus. Irgendwie ist es doch so, dass die wirklich wichtigen Dinge, zB Zwischenmenschlichkeit, Zeit füreinander, einfach zu kurz kommen.

      Sei mir ganz ganz lieb gegrüßt
      Janina

  • Antworten Steffi 21. November 2016 at 16:52

    Du sprichst mir gerade sehr aus der Seele. Ich habe eine Bewerbung für eine gute Stelle, auf die ich gute Chancen gehabt hätte, wieder zurückgezogen, weil ich plötzlich Angst hatte, keine Zeit mehr für meinen Sohn zu haben. Ich denke, das war die richtige Entscheidung, ich hatte die ganze Zeit kein gutes Gefühl dabei. Was man auch nie vergessen sollte, sich selbst ein bisschen Freizeit zu gönnen. Wir Frauen sind auch nur Menschen und möchten mal ein gutes Buch lesen oder einen Film schauen. Sollte unbedingt drin sein.
    LG Steffi

  • Antworten Ramona 22. November 2016 at 17:31

    Liebe Janina,

    Viele tolle Worte! Ich persönlich erinnere mich gerne an meine Kindheit zurück. Meine Mama hat sich nicht so richtig Zeit z. B. von Hausarbeiten freigeschaufelt, aber sie hat mich und meine Schwester dann oft überzeugt, ihr zu helfen oder einfach mit zur Wäscheleine nach draußen zu kommen und dabei haben sich zwischen uns drei oft die besten Unterhaltungen ergeben. Jede hat erzählt, was bei ihr grad passiert oder was sie bewegt. Unser Verhältnis ist dadurch total eng.
    Liebe Grüße an dich und deine Mädels von Ramona

    • Antworten Janina 22. November 2016 at 18:05

      liebe Ramona,

      das ist aber schön. Ich kann es mir bildlich vorstellen.
      Und ich finde, das ist auch eine schöne Lösung, ein Ritual. <3

      Viele liebe Grüße
      Janina

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