Gastautoren Kolumne Schwangerschaft

ZWILLINGSGEBURT // EIN GEBURTSBERICHT

23. November 2016

Geburtsbericht
Zwillingsgeburt in der 33. SSW

Keine Geburt ist gleich, sagte meine Mama mal zu mir. Und genau das höre ich auch immer wieder. Egal wie viele Kinder man bekommt, irgendwie unterscheiden sich die Schwangerschaften und Geburten voneinander.

Meine liebe Stefanie von Knotenherz (HIER bei Instagram) hat drei Jungs. Die letzten Beiden sind Zwillinge. Eine riesengroße Überraschung, doch in der Schwangerschaft wird FFTS festgestellt und alles kommt anders als gedacht. Aber lest selbst.

 

Keine Geburt ist gleich,
Fetofetales Transfusionssyndrom bei Zwillingen

„Moment mal!“. Dies war der Moment, in dem klar wurde, dass hier etwas anders war. Es war in der 10. Schwangerschaftswoche, der Ultraschall beim Frauenarzt war so gut wie beendet. Doch plötzlich huschte da etwas zweites über den Bildschirm, selbst ich habe es entdeckt. Nun schaute auch der Frauenarzt genauer hin und fand das gut versteckte 2. Baby.

Es war erstmal ein kleiner Schock. So geht es wohl jeder Zwillingsmama. Umdenken war angesagt. Ich freute mich aber doch sehr, es war soweit auch alles völlig in Ordnung.

Die ersten Zweifel kamen mit dem immer schneller immer größer werdenden Bauch. Klar, es waren Zwillinge, aber trotzdem war es auffällig. Dies bestätigte sich dann auch um die 20. Schwangerschaftswoche. Die Fruchtwassermengen der beiden Kinder waren recht unterschiedlich und vorallem war es im Gesamten zuviel. So wurde ich in die Gießener Uniklinik zum Organscreening geschickt. Der Termin fand relativ bald statt und auch die Diagnose stand sofort fest: Fetofetales Transfusionssyndrom, kurz FFTS. Dabei gibt es inkorrekte Gefäßverbindungen innerhalb der Plazenta, die dafür sorgen, dass ein Kind besser, eins wiederum schlechter versorgt wird. Direkt wurde ein Spezialist dazu gerufen, der Eingriffe während der Schwangerschaft vornimmt (übrigens ein toller Arzt, er operiert zum Beispiel auch sehr erfolgreich offenen Rücken beim Baby noch in der Schwangerschaft). Wir wurden vor die Wahl gestellt: entweder eine Laserbehandlung der Plazenta, die die Gefäßverbindungen korrigiert, hierbei bestand aber eine 30%ige Wahrscheinlichkeit, dass eines der Kinder das Ganze nicht überlebt. Oder wir würden abwarten, bei Bedarf Fruchtwasser entnehmen und uns damit so weit wie möglich durch die Schwangerschaft retten. Wir entschieden uns für Möglichkeit 2, das Risiko war uns einfach zu groß, da das FFTS bei mir nicht allzu stark ausgeprägt und das Hauptproblem eben die Fruchtwassermenge lag. Die Kinder waren größenmäßig recht gleich entwickelt.

So ging es erstmal nach Hause, es fanden dann regelmäßig Untersuchungen statt. Ende November, in der 25. Schwangerschaftswoche war es dann soweit. Die Fruchtwassermenge beim besser versorgten Kind war einfach zu hoch, es wurde die erste Entnahme beschlossen. Wir durften noch nach Hause, um ein paar Sachen zu packen, wenige Stunden später ging es dann los. Ich wurde ähnlich wie beim Kaiserschnitt vorbereitet, bekam ein Beruhigungsmittel und der Arzt entnahm mit einer Nadel ganze 2 Liter Fruchtwasser. Der Eingriff verlief problemlos, der Arzt wirkte mit seiner Art sehr beruhigend auf uns und nach ein paar Tagen im Krankenhaus mit Antibiotikum und Wehenhemmer ging es erstmal wieder nach Hause.

Nur 2 Wochen später ging es mir nicht gut. Ich hatte den ganzen Tag leichte Schmerzen und entschied gegen Abend, mit ordentlich Gepäck, in die Klinik zu fahren, denn ich ahnte, dass ich nicht wieder Heim fahren dürfte. Wieder war zuviel Fruchtwasser da, es wurde diesmal 1 Liter entnommen, und wieder hing ich am Wehenhemmer. Es waren nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Der Versuch, mich vom Wehenhemmer zu nehmen, scheiterte kläglich, trotz dem Absetzen über mehrere Tage hatte ich nach wenigen Stunden ohne Medikamente Wehen im Abstand von 3 Minuten. Ich konnte die Feiertage also abhaken. Ich wurde wieder an den Wehenhemmer gehängt und weinte, unter anderem auch durch die Nebenwirkungen, Rotz und Wasser, als mein Mann mich mit unserem damals 2,5 Jahre altem Sohn in Richtung zuhause verließ. Weihnachten im Krankenhaus – Horror. Ich fügte mich meinem Schicksal und richtete mich häuslich ein. Weihnachten ging irgendwie vorbei und an Silvester kam mein Mann um den Abend mit mir zu verbringen. Um Mitternacht gingen wir in die höchste Etage und schauten das Feuerwerk durchs Fenster an.

Es folgte eine dritte Entnahme, auch wieder 1 Liter. Da der alte Wehenhemmer, der schon in Höchstdosis lief, nicht mehr ausreichte, bekam ich zusätzlich einen zweiten dazu.

Am 11.01. kam mein Mann mit Louis in die Klinik, er hatte Magen-Darm und war völlig platt. Da die Kinderklinik nur wenige Meter von meinem Zimmer entfernt war, gingen wir zusammen dorthin um nach ihm schauen zu lassen. Es war nichts schlimmes, wir bekamen ein Rezept und gingen zur Klinikapotheke. Da es mir nun auch nicht mehr so gut ging und ich Magenkrämpfe hatte (das dachte ich zumindest), schickte ich meinen Mann mit Louis nach Hause, ich wollte mich zum Schlafen hinlegen, es war da etwa 16 Uhr.

Ich hatte an diesem Tag morgens auch eine Ultraschalluntersuchung, dort muss dem Arzt irgendetwas nicht gefallen haben. Etwa eine Stunden nachdem ich mich hingelegt hatte, kam eine Hebammenschülerin mit dem CTG, eigentlich zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit, die CTGs fanden abends eigentlich erst später statt. Dort zeigte sich dann die Erklärung für die Magenkrämpfte, es waren nämlich Wehen. Ich kam in den Kreissaal und dort wurde mit den Ärzten besprochen, wie es weiter geht. Eine Erhöhung des Wehenhemmers kam nicht infrage. Also bliebt die Entscheidung – natürliche Geburt oder Kaiserschnitt. Ich sollte entscheiden und trotz meiner Vorbehalte einem Kaiserschnitt gegenüber entschied ich mich für diesen. Louis’ Geburt war super schnell und problemlos, aber hier ging es um gleich 2 Frühchen in der 33. Schwangerschaftswoche, da ging mir die Gesundheit der Kinder vor.

Ich wurde also langsam auf den Kaiserschnitt vorbereitet. Ich war, wie immer eigentlich, ziemlich entspannt, ich konnte an der Situation ja eh nichts ändern. Der Kaiserschnitt lief gut, die Jungs wurden aber direkt nebenan auf die Frühchenstation gebracht. Da es mittlerweile etwa 22 Uhr war, wurde ich aufs Zimmer gebracht, mein Mann konnte aber schon zu den Kleinen und schickte mir Fotos.

Auch wenn es wahnsinnig schmerzhaft war, stand ich am nächsten Morgen auf um meine Sachen zu packen (nach 5 Wochen Klinik hatte sich einiges angesammelt 🙂 ) und konnte nach dem Umzug auf die Wochenbettstation die Babys besuchen. Es ging ihnen soweit gut, beide hatten fast genau 1950g, was sehr viel war. Ben lag noch auf der Intensiv, da er Probleme beim Atmen hatte, Henri lag schon auf der normalen Station. Ich schaute von nun an mehrmals täglich bei den beiden vorbei. Nach 5 Tagen wurde ich entlassen und fuhr zweimal täglich in die Klinik.

Wir hatten wahnsinniges Glück, denn außer der Gelbsucht, die beide hatten, gab es keine Komplikationen. Schon nach 3,5 Wochen Aufenthalt durften die beiden nach Hause. Das lief super, sie hatten einen Rhytmus von 4 Stunden, den wir ein paar Tage aufrechterhalten konnten. Sie waren sehr zufrieden und pflegeleicht, sie hatten zwar eine Trinkschwäche, nahmen aber trotzdem gut zu.

Die Schwangerschaften und auch die Geburten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Da im Endeffekt bei Ben und Henri aber alles gut lief, konnten wir damit gut umgehen. Die Zeit in der Klinik war nicht leicht, das lag aber eher mit der Tatsache an sich, in der Klinik zu sein und vorallem an der Trennung von Louis, mein Mann konnte nicht täglich mit ihm vorbei kommen und dann waren da ja auch noch die Feiertage. Dafür, dass wir nun aber 2 so gesunde Jungs haben, war es das absolut wert. Nun sind die 2 schon fast 5 Jahre alt und strotzen vor Energie. Sie sind größer als viele andere in ihrem Alter. Wir sind einfach nur dankbar, dass 2 so wundervolle Buben aus ihnen geworden sind <3

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2 Kommentare

  • Antworten Einer schreit immer 23. November 2016 at 21:25

    Oh ja – so eine Zwillingsschwangerschaft ist kein Honiglecken. Und eine Frühgeburt erst recht nicht! Die Fotos von den Zwergen mit der Nasensonde kommen mir bekannt vor. Und jedes Mal am Geburtstag der Kleinen muss ich daran zurück denken. Gut, dass diese Zeit vorbei ist…

  • Antworten jenny 23. November 2016 at 22:41

    Sehr berührend.
    ich arbeite auf einer neo und bin immer wieder dankbar über so offene Berichte von Müttern.
    sie öffnen mir die Augen im Berufsalltag.
    Alles Gute euch

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