Gastautoren Kolumne Schwangerschaft

KINDERWUNSCH // UND AUF EINMAL WURDE DIE HOCHZEIT ZUR NEBENSACHE!

1. März 2017

Antonia und ihr Mann haben sich nichts sehnlicher gewünscht, als ein Baby. Der Wunsch nach einem Kind war groß, die Hoffnung noch größer und dann, nach 1,5 Jahren „basteln“ und ein wenig Hilfe, war es soweit. Das wohl allerschönste Hochzeitsgeschenk, das dem Brautpaar gemacht werden konnte. Eine kleine Tochter. Aber lest selbst. Antonia hat ihre Geschichte für euch niedergeschrieben. Rührend und wunderschön.

Ihr findet Antonia auf ihrem Blog Fräulein Tandaradei oder HIER bei Instagram.

 

Kinderwunsch,
und auf einmal wurde die Hochzeit zur Nebensache!

Im Oktober 2014 verlobten wir uns. Das Gefühl war wundervoll und ich schwebte auf Wolken. Wir wollten sparen und noch ein, zwei Jahre mit der Hochzeit warten. Doch im Dezember beschlossen wir nach einigen Überlegungen früher zu heiraten. Da spielte jedoch nicht nur die Liebe, sondern auch drohendes Kalkül mit. Wieso? Weil wir schon länger versuchten ein Baby zu bekommen und ich die Diagnose PCO Syndrom erhalten hatte. Das war also der Grund, warum unser größter Wunsch, unsere unbeschreibliche Sehnsucht noch nicht geklappt hatte: Ich hatte keinen Zyklus. Und keinen Eisprung. Und ohne Eisprung gibt es keine Babys. Die Gedanken begannen zu kreisen und wir wussten, dass Kinderwunschbehandlungen sehr kostspielig werden können und Ehepaare werden dabei mehr unterstützt… Klingt so gar nicht romantisch, das bestreite ich auch nicht, aber solche Gedanken begleiteten uns zu dieser Zeit. Vor allem mein Leidensdruck war riesig, die Sehnsucht nach einem Baby, ja die Sehnsucht nach dem Leben selbst, machte mich fast verrückt und mein Körper funktionierte einfach nicht, wie er sollte. Ich fühlte mich minderwertig, nicht als Frau, nicht „genug“. Zusätzlich ging es einem Großelternteil auf einmal schlecht und wir hatten Sorge um ihn. Auch das bewog uns zu der Entscheidung, früher als geplant vor den Altar zu treten. Wir suchten einen Termin und die Planung begann.

Es lenkte ab, erfüllte mich mit Vorfreude und machte wirklich Spaß. Ich designte Einladungskarten, erstellte Sitzpläne, schrieb das Hochzeits-ABC, sprach mehrfach mit der Location und den Beteiligten alles ab. Meine Mama und Trauzeugin waren mir eine große Unterstützung und tingelten mit mir über Hochzeitsmessen und durch Brautmodenläden. Vor allem versuchten sie mich runter zu holen, wenn ich alles bis ins kleinste Detail kontrollieren wollte. Ich wollte eine perfekte Hochzeit für uns und unsere Gäste und alles im Griff haben. Ich war leidenschaftlicher Weddingplaner mit einem Hauch Diktator. Anfang 2015, nach über einem Jahr „hibbeln“ aufs Baby, fand ich schließlich das passende Kleid. Na gut, ganz passte es noch nicht und ich brachte es zur Schneiderin, da es etwas enger gemacht werden sollte. Was andere Frauen freut, stieß mir auf: Ich würde anstatt Platz für ein Babybäuchlein ein engeres Kleid brauchen. Aber gut, ich versuchte es positiv zu sehen: Die Fotos würden bestimmt richtig schön werden!

Die Hochzeit raste weiter heran, die Planung war fast abgeschlossen. Ich hatte alles fein säuberlich in meinem Ordner abgeheftet, aufgeschrieben und abgesprochen: Die Kutsche war organisiert, die Gastgeschenke gebastelt und verpackt, die Ablaufpläne für die Gäste mussten nur noch gedruckt werden und unsere Hunde durften an der Trauung im Standesamt teilnehmen. Denn unser „Großer“ würde die Ringe bringen. Auf vier Pfoten zum Traualtar, darauf freute ich mich riesig. Der Fotograf war endlich gefunden und gebucht und das Probefrisieren stand kurz bevor. Wir hatten einen DJ gefunden, der auch eine Stunde lang die kleinen Gäste unterhalten würde. Denn unsere Familien und Freunde würden einige ganz besondere Gäste dabei haben. Mir war wichtig, dass sie nicht nur eine Mal-Ecke bekommen, sondern ein unvergessliches Fest erleben würden. Parallel dazu stellten wir uns in der Kinderwunschklinik vor und starteten meine Behandlung, damit sich endlich Follikel bilden und vor allem springen konnten. Nun war ich hier regelmäßig zur Kontrolle und Ultraschall bestellt. Ich feuerte meine Eierstöcke an, hoffte still für mich und war mir fast schon sicher, dass wir unsere Hochzeitsgeschenke in die Klinik tragen würden. Irgendwann, bildete sich jedoch tatsächlich etwas, und war bereit sich auf den Weg zu machen: Das war ein paar Wochen vor dem großen Tag. Wir nutzten die Chance und träumten von der Möglichkeit, dass es endlich geklappt haben könnte. Gleichzeitig hatte ich Angst, dass ich wieder enttäuscht würde. Wieso könnte es nicht einfach endlich klappen? Ich wollte nicht wieder einen weißen Test anstarren, ein „nicht schwanger“ lesen. Die Zeit bis dahin verflog jedoch: Wir mussten noch einiges mit dem Hotel und den Gästen klären. Die aufwallende Übelkeit erklärte ich mit der nahenden Hochzeit: Wenn ich Stress habe, legt sich das bei mir sofort auf den Magen. Mein Jungesellinnenabschied rückte ebenfalls näher und ich hatte sogar zugesagt etwas zu trinken, was ich sonst nie (!) tue. Aber jetzt dachte ich „Wieso auch nicht? Danach werde ich hoffentlich bald schwanger sein.“ Manche begießen ihren Frust und ihre Trauer doch mit Alkohol. Das konnte ich ja auch versuchen. Vielleicht wollte ich auch einfach mal richtig abschalten und das Babythema endlich vergessen.

Kinderwunsch – ein Baby zur Hochzeit!

Dann kam der Tag, an dem wir einen erneuten Schwangerschaftstest wagten. Ich wollte ihn unbedingt vor der Arbeit machen. Es war genau eine Woche vor unserem großen Tag. Ich wollte es wissen, mich damit abfinden und bis zur Hochzeit verarbeitet haben. Da starrte der Test mich weiß und gehässig an und in mir brach alles zusammen. Auch wenn ich es geahnt hatte, war die Hoffnung stets an meiner Seite gewesen. Mein Mann kam dazu, und sagte: „Da ist etwas!“. Ich erschrak: „Was?“ „Ja! Da ist eine Linie!“ Und tatsächlich, da war etwas. Die Welt stand still. Auf einmal bildete sich da eine hauchdünne, zweite Linie. Am nächsten Tag wiederholte ich das Prozedere: „Schwanger 1-2“ hieß es auf dem Display. Wir weinten vor Glück, Erleichterung und Liebe. Ab diesem Moment vertraute ich meinem Körper schlagartig. Ich wusste, dass er jetzt endlich wusste, was zu tun war. So nötigte ich meinen Mann einzukaufen: Wir erstanden einen weißen, winzigen Body. Diesen beschriftete ich mit folgendem Satz: „10. Juni 2015 – Ich war mittendrin, statt nur dabei!“. Wir wollten ihn nach der Trauung den Gästen zeigen. Alle sollten es erfahren. Sie sollten die Möglichkeit bekommen, sich mit und für uns zu freuen, diesen kleinen neuen Menschen sofort so sehr zu lieben, wie wir es vom ersten Moment an taten. Es war geplant, dass wir nach dem Kaffee ein paar Worte an unsere Gäste richten und dies mit „Wir DREI gehen jetzt zum Fotoshooting!“ und einem in die Höhe gereckten Body abschließen würden. Was könnte es schöneres geben, als diese Liebe so zu feiern? Denn wir würden lebenslang verbunden sein: Nicht nur auf dem Papier, sondern vor allem durch unser Kind. Nur unsere Eltern weihten wir bereits davor ein.

Dann kam mein JGA und eigentlich hatte ich ja diesen wundervollen Überraschungsplan zu Recht gelegt. Aber es kommt manchmal anders, als man denkt. Die Tür ging auf, meine Freundinnen begrüßten mich und ich sagte: „Ich kann doch nichts trinken! Ich bin schwanger!“. BUMM. Nunja, da war mein fein säuberlich vorbereiteter Plan selbst durchkreuzt, aber die Freude war riesig. Die anderen Gäste konnte ich so ja noch überraschen.

Der Tag der Hochzeit kam. Meine Mama und Trauzeugin waren bei mir, wir machten uns fertig, stiegen in die traumhafte weiße Kutsche ein und fuhren zum Standesamt. Mit der wertvollsten aller Frachten unter dem Herzen. Unsere Trauung war magisch und wunderschön. Unser Kusko brachte die Ringe, meine Nichten versprühten zuckersüßen Charme, es flossen Tränen ohne Ende und mir wurde, aufgrund fehlenden Frühstücks, immer flauer. Nach dem Ja Wort fuhren wir noch mit der Kutsche durch die Stadt und machten Fotos, bevor wir den Gästen zur Location folgten. Alles war so schön geplant – aber an einen Müsliriegel für die nun schwangere Braut oder auch nur einen Schnongs hatte niemand gedacht. Mir wurde immer flauer und fast schwarz vor Augen. Die Fotografin reagierte und kaum vor Ort angekommen, bekam ich sofort ein Käsebrötchen gereicht. Nun saß ich da vor der Location und den jubelnden Gästen im Auto fest und verschlang es. Und irgendwoher hörte ich meine Oma grummeln, wie ältere Herrschaften es bei solch unhöflichen Verhalten tun. Ich stieg aus und rief: „Es tut mir leid, aber das Baby hatte riesen Hunger!“ und unsere ca. fünfzig Gäste starrten uns an. Dazu sei erwähnt: Die meisten wussten dass wir seit anderthalb Jahren an einem Baby bastelten. Meine Schwester rief dann nochmal: „Die Braut ist schwanger!“ und wir jubelten. Bejubelten nicht nur unsere Eheschließung, sondern vor allem diesen kleinen Menschen, der sich auf den Weg zu uns gemacht hatte, das Wunder dass sich nicht passender auf den Weg hätte machen können. Denn was gibt es schöneres, als zu einer Hochzeit eine lang ersehnte Schwangerschaft zu verkünden? Wir hatten Tränen in den Augen und die Feier begann. Es war ein wundervoller Tag voller Liebe, Freude, Tanz, Fotos (so eine Hochzeit besteht ja zu einem Großteil aus einem Fotoshooting) und alles rauschte bunt und wild an uns vorbei. Von dem fabelhaften Essen konnte ich kaum etwas runter bringen und ich war am Ende der Feier einfach nur fix und fertig. Trotz kleiner Pannen, von denen wir kaum etwas mit bekamen (und die einfach dazu gehören!), amüsierten wir alle uns großartig und noch heute sprechen wir gern über das wundervolle Fest. Das Kleid musste übrigens sehr eng geschnürt werden, da unser Baby schon ordentlich für Übelkeit gesorgt hatte. So gab es also schöne, schlanke Fotos inklusive Babybauch. Doch schöner hätte es nicht sein können, als mit dem Wissen, dass wir nun bald eine „richtige“ Familie sein würden. Ich habe also den Mann, den ich nicht nur sehr liebe, sondern der auch der Vater meines, unseres Kindes geheiratet. Es war anstrengend und doch berauschend und über allem schwebte dieses unsägliche Glück, dass wir uns selbst das schönste Geschenk gemacht hatten.

Unseren ersten Hochzeitstag konnten wir mit unserem Baby in den Armen feiern. Sie trug den Body, den wir damals gekauft und beschriftet hatten. Es ist noch immer unbegreiflich, das auf einmal ein kleines Menschlein in ihm steckte. Wir schwelgten in Erinnerungen an diesen schönen Tag und diesmal konnte ich auch herzlich beim festlichen Essen zulangen.

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2 Kommentare

  • Antworten Alina 1. März 2017 at 19:50

    Wow… es ist als würde ich unsere Geschichte lesen. Ich habe Gänsehaut und es berührt mich sehr. Mich hat die Diagnose PCO Syndrom ebenfalls sehr aus der Bahn geworfen und dank einer Hormonbehandlung wurde ich auch schwanger und wir haben am 10.06.2016 auch mit Baby unterm Herz geheiratet, jedoch haben wir das Geheimnis an diesem Tag für uns behalten da ich erst in der 6. SSW war.

    Ganz liebe Grüße

    Alina

  • Antworten Julia 2. März 2017 at 8:17

    oh mein Gott, was für eine wunderschöne Geschichte, ich hab Rotz und Wasser geheult, vielen Dank 🙂

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