Kolumne Kooperation Schwangerschaft

FAKTOR-V-LEIDEN IN DER SCHWANGERSCHAFT, MEINE GESCHICHTE

14. April 2017
Schwangerschaft Faktor-V-Leiden, Gerinnungsstörung

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Faktor-V-Leiden in der Schwangerschaft:
Meine Geschichte und wem ich danken möchte!

Damals, ich war etwa 11 oder 12 Jahre alt, war ich von einem auf den anderen Tag auf dem rechten Auge blind. Am Abend zuvor schon fühlte ich mich unwohl und war der Meinung, ich könne nicht mehr recht sehen. Mein Gleichgewichtssinn war gestört und irgendwie erschien mir alles farblos, unscharf, düster. Wie in einer dumpfen Blase. Ich fühlte mich matt. Aber ich konnte das nicht fassen, nicht zuordnen oder gar in Worte fassen. Ich dachte sogar, ich würde es mir vielleicht einbilden.

Am nächsten Morgen dann stand ich auf und nichts war mehr so, wie es war. Meine Welt war nahezu zappenduster. Ich bekam Panik. Meine Eltern ebenso. Ich weiß noch, wie ich aufstand und irgendwie so halb Richtung Wohnküche getorkelt bin. Ich saß auf der Bank und weinte. Ab zum Kinderarzt nebenan. Der Kinderarzt  wiederum überwies uns umgehend in die Universitätsklinik, als Notfall. Was dann kam, war eine wochenlange stationäre Behandlung – Kortison über Kortison, Tests, viele Wochen in der Klinik. Und doch wurde der Auslöser für all das nicht so recht klar. Es gab viele Vermutungen, aber nichts Handfestes. Knapp zwei Jahre später dann bekam ich starke Schmerzen in meinem rechten Bein. Es war schlimm. So schlimm, dass ich die Treppen in unserem Haus schmerzfrei nicht laufen konnte. Tiefliegende Venenentzündungen, dokumentierte der zuständige Facharzt. Ungewöhnlich für ein junges Mädchen. Bluttests wurden gemacht, eine Überweisung in die Gerinnungsambulanz erfolgte. Der Tag, an dem ich erfuhr, dass ich ein Problem habe. Das Faktover-V-Leiden. Dazu habe ich chronisch erhöhte Bluttfettwerte. Und seitdem weiß ich auch, dass alles zusammenhängt. Mein Leiden ist vererbt, mütterlicher- wie väterlicherseits. Das bedeutet für mich, dass mein Risiko für Thrombosen um das 50- bis 100-fache gesteigert ist.

Faktor-V-Leiden und chronische erhöhte Blutfettwerte,
Kinderwunsch?

Meine Krankheit ist nicht schlimm – wenn man weiß, dass man sie hat und dementsprechend danach lebt. Achtsamkeit. Blutverdünner und eine diätische Ernährung wurden mir auferlegt. Keine hormonelle Verhütung. Bewegung, nicht lange stehen oder sitzen, im besten Fall eine Stützstrumpfhose. Bin ich ehrlich, das fand ich als junges Mädchen natürlich ziemlich blöd {und bis zu meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich leider auch oft nicht an alles gehalten}. Heute bin ich froh, dass man meinen Defekt so früh erkannt hat. Thrombosen und Schlaganfälle sind gerade väterlicherseits leider eher häufig, als selten. Wirklich wichtig wurde das Wissen um meine Krankheit aber erst mit meiner ersten Schwangerschaft.

Betreuung in der Schwangerschaft durch die Gerinnungsambulanz,
unverzichtbar!

Denn speziell in der Schwangerschaft laufe ich Gefahr in eine Unterversorgung zu geraten. Also nicht ich, das Baby. Auch erhöht sich durch die Schwangerschaftshormone das Risiko für eine Thrombose. Abgesehen davon ist mein Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, deutlich größer. Und genau aus diesen Gründen werde ich in jeder Schwangerschaft und darüber hinaus engmaschig von meiner Gerinnungsspezialistin betreut. In engen, regelmäßigen Abständen von etwa zwei bis vier Wochen werde ich durchgecheckt, meine Werte werden ermittelt und es wird überprüft, wie sich meine Gerinnung verhält bzw. ob ich gut eingestellt bin. Ich habe mich in allen drei Schwangerschaften sicher gefühlt, dank meiner Ärztin. Sie ist sehr offen und menschlich, fachlich dabei ein absolutes Ass. Sprich, ich bin in wirklich verdammt guten Händen. Eigentlich sogar in doppelt oder {in den zwei Schwangerschaften zuvor} dreifach guten Händen – wenn man das Team aus Gerinnungsambulanz, Hebamme und Gynäkologe bedenkt.

Bereits durch meine dritte Schwangerschaft begleitet mich meine Spezialistin. Zwei gesunde Kinder habe ich zur Welt gebracht. Mir geht es gut, den Mädchen geht es gut. Wir sind gesund und munter. Und ich bin zuversichtlich, ja, sogar sicher, dass ich auch dieses dritte Kind gesund in den Armen halten werde.

Ich bin dankbar. Dankbar für jedes gesunde Kind, das ich austragen durfte. Dankbar, eine Expertin an meiner Seite zu haben, die ihr Fach versteht und mir Sicherheit gibt. Ich bin schlichtweg unglaublich glücklich, dass es sie (und auch ihre Kolleginnen und Kollegen) gibt. Die Wand mit den vielen Fotos neugeborener Kinder in der Praxis beweist, ich bin mit meiner Dankbarkeit nicht allein. Viele Frauen empfinden wie ich. Vielen werdenden Müttern wird geholfen. Und genau deshalb ist es mir auch so wichtig, immer wieder zu betonen, wie dankbar wir sein können, all diese Sicherheiten zu haben. Es ist ein großes Glück, die Wahl zu haben. Spezialisten ihres Fachs, die uns allen zur Seite stehen, wenn wir diese Hilfe brauchen. Sei es im Ernstfall oder präventiv.

Danke sagen – die Aktion!

Wisst ihr, generell gerät oft in Vergessenheit, welch Glück wir in Sachen Gesundheitssystem haben. Ärzte, Schwestern und Pfleger, Arzthelferinnen und Arzthelfer, Hebammen – all diese Menschen stehen uns Tag für Tag zur Seite, wenn wir es brauchen. Oftmals selbst völlig überlastet, geben sie dennoch immer ihr bestmögliches.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung e. V. ruft deshalb dazu auf, an der Aktion „Danke sagen“ teilzunehmen. Einfach mal die Arbeit all dieser Menschen wertzuschätzen und bewusst DANKE sagen. Denn das gibt Mut, das bestärkt.

Und genau das möchte ich heute tun.

Ich danke meiner Ärztin der Gerinnungsambulanz in Hannover für ihre tolle Arbeit. Für das offene Ohr, die Ruhe und Zeit, die sie sich nimmt. Für ihre fachliche Kompetenzen und ihre Menschlichkeit. Sie sind eine großartige Ärztin und ich bin froh, dass sie mich bereits so sicher durch zwei Schwangerschaften {und nun dritte} begleitet haben. Danke!
An dieser Stelle möchte ich auch noch kurz meiner Hebamme danken, die diesen Weg Hand in Hand mit mir geht.

Sagt ihr doch auch Danke, macht mit und teilt eure Geschichte mit uns, HIER!
Wir haben alle eine Stimme, lasst sie hören. Ich würde mich wirklich sehr sehr freuen , wenn auch ihr Danke sagt.

 

Eure
Janina

 

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18 Kommentare

  • Antworten ekulele 14. April 2017 at 11:14

    Ein packender Artikel! Wirklich Gold wert, dass wir solch gut ausgebildeten Ärzte haben!
    Wie schön, dass du auch bei der Aktion mitmachst, ich habe dem Kinderwunschzentrum DANKE gesagt 🙂
    http://www.ekulele.de/danke-kinderwunschzentrum-heidelberg/

    Liebste Grüße an dich!

  • Antworten Stina 14. April 2017 at 13:39

    Ich bin ebenfalls betroffen, das ist aber leider erst herausgekommen, als man sich auf die Suche für die Gründe meiner Fehlgeburten machte.
    Erst dann konnte ich zwei gesunde Kinder bekommen. Musst Du auch Heparin spritzen, in der SS und bei Flügen?

    • Antworten Janina 14. April 2017 at 19:40

      Liebe Stina,

      das freut mich aber zu lesen. Wie schön. Das freut mich sehr!

      Ich habe das große Glück, dass der Defekt seit meiner Teeniezeit bekannt ist und so war ich in allen drei Schwangerschaften von Anfang an engmaschig durch die Gerinnungsambulanz betreut. Gott sei Dank.

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Kristin 14. April 2017 at 14:10

    Es heißt nicht DAS Faktor-V-Leiden. sondern die Faktor-5-Leiden-Mutation. In dem Fall ist Leiden kein Leiden, aber eine Stadt in den Niederlanden.

    • Antworten Janina 14. April 2017 at 19:38

      Ich weiß, dass es von Leiden der Stadt kommt. Danke Dir dennoch für das aufmerksam machen! 🙂

  • Antworten Vanessa 14. April 2017 at 18:21

    Ich selber habe Faktor-V-Leiden und auch erhöhte Blutfettwerte. Aber mir wurde in meinen Schwangerschaften nie ein Risiko für das Kind berichtet. Ich musste mir die letzten Wochen/im Wochenbett Bluttverdünner spritzen, aber das war’s.
    Ich fände es toll und sehr hilfreich, wenn du mir erzählen könntest wie zum einen der Zusammenhang mit deiner Erblindung besteht und zum anderen welche speziellen Risiken es für das Kind und auch für dich gibt.
    Vielen Dank und viele Grüße unbekannterweise!

    • Antworten Janina 14. April 2017 at 19:37

      Liebe Vanessa,

      ich bin natürlich kein Mediziner und habe auch keine Fachkenntnisse.
      Man hat mir nur gesagt, dass das Kind bei Nichtbehandlung in eine Unterversorgung geraten kann. Weil es über die Nabelschnur und Plazenta nicht ausreichend versorgt werden kann? Aber wie gesagt, da spielen generell ganz viele Faktoren mit rein. Den schlichten Faktor-V-Mangel haben ja etwa sieben Prozent der Menschen. Also gar nicht so wenige.

      Ganz ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Nina 14. April 2017 at 18:58

    Bin jetzt verwirrt, wie geht es dann mit der Hausgeburt??
    Wenn du ärztliche Betreuung brauchst darfst du ja nicht oder?

    • Antworten Janina 14. April 2017 at 19:35

      Doch, ist alles auch mit der Gerinnungsambulanz abgestimmt. 🙂

  • Antworten Mina 14. April 2017 at 20:44

    Aber dein Auge hatte sich wieder erholt?

    Liebe Grüße
    Mina

  • Antworten Sonja 14. April 2017 at 21:55

    Ich bin auch betroffen und musste am Anfang der Schwangerschaft (wegen des Risikos einer Fehlgeburt) und gegen Ende Hepatitis spritzen, da das Baby eine Zeit lang zu klein war. Die Faktor-5-Mutation war auch ein Grund, weshalb sich meine Plazenta nicht gelöst hat und operativ entfernt werden musste. Mutig, dass du dennoch eine Hausgeburt machen willst.

  • Antworten Simone 14. April 2017 at 21:59

    Liebe Janina

    Ich bin selbst auch bezroffen davon. Leider ging bei mir nach der Geburt meiner gesunden Tochter nicht alles so wie geplant. Habe trotz Blutverdünner eine Trombose gehabt und die beschäftigt mich nun schon über 2 Jahre. Und nach einer „Ärztesafari“ und zig Untersuchungen habe ich nun endlich Hilfe und eine Lösung gefunden um
    endlich wieder ohne Schmerzen und Einschränkungen den Tag zu bewältigen. Werde operiert und dann wird’s hoffentlich endlich besser. Bei mir ging leider nicht alles so reibungslos. Aber es tut gut zu wissen, dass mein Fall nicht die Norm ist. Und es macht mir Hoffnung auf eine allfällige weitere Schwangerschaft.

  • Antworten Julia 15. April 2017 at 7:05

    Hallo Janina,
    ich lese auch regelmäßig deine Beiträge aber geäußert habe ich mich noch nie.

    Mit 17 hatte ich eine tiefe Armvenenthrombose. Nach einigen Monaten wurde dann das Antishospholipidsyndrom festgestellt. Das ist mittlerweile 8 Jahre her, seitdem nehme ich Marcumar, teste wöchentlich selber meine Werte und gehe jährlich zum Arzt zur Kontrolle. Ich fühle mich bei meinem Arzt sehr gut aufgehoben, was natürlich sehr wichtig ist. Jedes Jahr fragt er nach dem Kinderwunsch. Wenn es soweit sein sollte, soll ich mich vorher melden. Unter Marcumar soll man nicht schwanger werden.
    Vor einigen Jahren habe ich mir da nie wirklich Gedanken gemacht.
    Jetzt, wo man älter wird, im Freundes und Familienkreis viele schwanger werden und man selber überlegt wann es bei uns passen würde, mache ich mir selber Gedanken darum.

    Ich finde es beruhigend, dass es leider recht viele mit dieser oder einer ähnlichen Krankheit gibt, die aber gesunde Kinder zur Welt bringen. Das gibt einem Zuversicht.

    Danke für deinen Beitrag!

    LG Julia

  • Antworten Gerda 15. April 2017 at 9:56

    Hallo Janina,
    ich fand diesen Beitrag sehr interessant. Wie hast du das mit der Überwachung denn in deinem Urlaub gemacht?

    • Antworten Janina 16. April 2017 at 9:49

      Liebe Gerda,

      danke dir.
      Ich war zwei Tage vor Abreise das letzet Mal in der Ambulanz, habe meine Medikamente mitgenommen sowie meinen Ausweis, den ich von der Gesinnungsambulanz habe. Darauf steht alles Wichtige, für den Notfall. Also alles in Absprache. Ich bin dann am Mittwoch wieder gekommen und musste allerdings auch direkt am Donnerstagmorgen wieder in die Praxis. Es war aber alles fein. Ich hab nichts anderes erwartet, lebe damit ja nun doch schon sehr lange (eigentlich immer).

      Ich wünsche dir frohe Ostern,
      Janina

  • Antworten Gerda 15. April 2017 at 15:57

    Hmm irgendwie scheint mein Beitrag verschwunden zu sein. Deshalb stelle ich einfach nochmal meine Frage: Wie hast du denn die Überwachung während deines Bali-Urlaubs organisiert?

  • Antworten Jasmin 16. April 2017 at 21:36

    Liebe Janina,
    das war mal wieder ein ganz toller und wichtiger Artikel!! Seit dem meine Schwester ihre Ausbildung als Krankenschwester angefangen hat , wurde mir noch bewusster wie wichtig es ist Danke zu sagen und Dankbar zu sein. Krankenschwestern, Hebammen, Ärzte und und und leisten eine wunderbare und enorm wichtige Arbeit. Tolle Aktion. Und dir liebe Janina weiterhin alles gute und ich wünsche dir ein gesundes Baby 🙂
    Liebe Grüße aus Dortmund

  • Antworten Silvia 17. April 2017 at 15:37

    Liebe Janina,
    Danke zu sagen gerät leider wirklich viel zu oft in Vergessenheit…
    Bei mir wurden nach zwei Fehlgeburten Faktor-V-Leiden- und Prothrombinmutation festgestellt. Deshalb hieß es nun ab Bekanntwerden der Schwangerschaft bis inklusive Wochenbett Heparin spritzen. Und Stützstrümpfe in der Schwangerschaft. Aber was tut man nicht alles für sein kleines Wunder. Und nun erfreuen wir uns schon fast 3 Monate an unserer Tochter. 🙂
    Danke für deine interessanten und ehrlichen Beiträge.
    Alles Liebe

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