Elisabeth Gastautoren Kolumne USA

TOLLER TRUMP, AUSFLUG NACH ABSURDISTAN // EIN BESUCH BEI DEN KONSERVATIVEN DER USA

24. Mai 2017
USA, Auswandern USA, Expat Life, Trump

Expat Life in den USA,
The Trump Show!

Es ist Mittwochabend und ich habe noch ein kleines Schmankerl für euch. Eine neue Kolumne direkt aus Washington DC von meiner wunderbaren Autorin Elisabeth. Wieder einmal herrlich geschrieben, wieder einmal ein Text, der zum nachdenken anregt. Näher kann man der Trump Show eigentlich nicht sein. Aber lest selbst…

Alle Beiträge von Elisabeth lest ihr HIER, bei Instagram ist sie unter lottalove_usa zu finden.

Toller Trump!
Ausflug nach Absurdistan.
Ein Besuch bei den Konservativen des Landes

Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten. Eigentlich könnte er sich auf seine neue Aufgabe konzentrieren, doch stattdessen macht er einfach weiter Wahlkampf. Für 2020. Für seine Wiederwahl.

So wird in regelmässigen Abständen eine Halle gefüllt, mit seinen Leuten, den Trump-Wählern. Dann halten sie Wahlplakate in die Luft, wehen mit Amerika-Flaggen und tragen rote Baseballmützen auf denen seine Wahlkampfparole „Make America Great Again“ steht. Für den ein oder anderen mag das absurd klingen – doch Trump scheint diese regelmäßige Egodusche zu brauchen.

Ein etwas anderer Kontext ist die CPAC, die Jahresversammlung vieler konservativer Aktivisten. Dort war der Höhepunkt dieses Jahr ein Auftritt von ihrem neuen Präsidenten, Donald Trump. Im Saal warteten zirka 3000 Menschen, unter ihnen überraschend viele Trump-Fans – und ich als Journalistin mitten drin. Eine merkwürdig beklemmende Erfahrung.

Sie sind stolz auf ihr Land und ihren Präsidenten, Donald Trump. Noch vor einem Jahr, im Wahljahr, wurde Trump nicht eingeladen, er war ihnen nicht moderat genug. Jetzt jubeln sie ihm zu. Wir, die Medien werden komisch angeschaut. „German Media? National German TV? That is all paid by the government. You don’t have private broadcasters.“

Solche Sätze fordern mich heraus. In ein paar Worten erkläre ich das deutsche Mediensystem. Großes Staunen: „Oh, ah. Well, but this is not like the rest of Europe.“ Ich sage nichts mehr. Wenn man bei Null anfangen muss, reicht Smalltalk nicht mehr aus.

Manche haben ihre Kinder mitgebracht, es sind viele junge Menschen da. Sie haben sich herausgeputzt, die 17-,18-jährigen Mädchen tragen überdimensionale Perlenohrringe, Blazer und Etuikleid. Sie sitzen auf ihren Plätzen, kleben an ihren Smartphones und setzen beim Selfie machen für ein paar Sekunden ihr bestes Kameralächeln auf. Ihre perlweißen Zähne blinken über das ganze Gesicht. Schwupp, sofort landet der Schnappschuss auf Facebook.

Um 10:20 Uhr ist Trump angekündigt und er ist pünktlich. Die jubelnden Menschen stehen von ihren Plätzen auf, während Trump mit seinem breiten Grinsen auf die Bühne läuft. Daumen in die Höhe! Er klatscht der Menge zu. „Wow, it is so great to be here“.

„USA! USA! USA“ grölt der gesamte Saal. Sie winken mit ihren Mützen in der Luft herum. Und dann legt er auch schon los. Als erstes redet er über die Medien. „Fake News“ „Fake Media“ nennt er sie. Seine Anhänger lachen laut. Buhen uns aus, machen Fotos von mir. Ich schaue starr auf die Bühne, versuche keine Miene zu verziehen. Fühle mich wie im Zoo, würde am liebsten mein Gesicht verdecken.

Trump erzählt, dass der Raum voll ist: „This place is packed“ und behauptet, die Menschen würden 5 Straßen weiter noch Schlange stehen, um an dieser Veranstaltung Teil zu nehmen (was schlicht nicht stimmt) und sagt dann: „I am telling you this, because you won’t read about it“. Ja, will ich schreien! WEIL ES NICHT STIMMT. Doch diese Menschen hier, in dieser Welt, in der Trump-Welt glauben dies. Sie schauen uns verachtend an. Ich bemühe mich, keine Regung zu zeigen.

Plötzlich ruft ein einzelner Demonstrant Trump zu: „You are a fascist“. Sofort rennt Security auf dem Mann zu um ihn schnellst möglichst aus dem Saal zu schaffen. Die Trump-Anhänger stehen auf und drehen sich in Richtung des Demonstranten: „USA! USA!“ rufen sie ihm hinterher.

Und dann spricht er, Trump, über die üblichen Themen. Amerika werde die Mauer zu Mexiko bauen, Obamacare funktioniert nicht und wird abgeschafft. Dazwischen immer wieder: Jubel! Applaus! „USA! USA!“-Sprechchöre. Er wollte den IS besiegen. (Mr. Trump, das wollen wir alle) Und dann spricht er von Europa. Man solle schauen was in Schweden (was hat er denn immer mit Schweden?), Deutschland und Frankreich passiert. Das wird er in seinem Land verhindern. Hier werden keine Leute reingelassen, die einen Anschlag ausüben wollen. „Take a look at the world (…) I will never apologize for keeping our country safe.“ Der Saal applaudiert.

Und ich fühle mich als hätte ich nicht nur eine andere Welt bereist, sondern gleichzeitig eine Zeitreise gemacht. Zurück in den Wahlkampf 2016.

 

Da vorne steht der Trump, der die gleichen Sätze sagt, wie vor dem 9. November. Doch seine Anhänger wollen scheinbar genau das hören. Sie jubeln ihm zu wie ein Rockstar, sie buhen, wenn er flucht, ist er wütend, sind sie es auch. Er saugt die Jubelschreie auf, verhält sich weder präsidial noch schaut er inhaltlich nach vorne. Er scheucht die Menge auf und erntet seinen Applaus, den er zu Atmen braucht, der sein Motor ist. Ein Raum voller Hass und Wut und es scheint, als sei dies das einzige, was sie alle verbindet.

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1 Kommentar

  • Antworten Christina 26. Mai 2017 at 8:44

    Es ist schrecklich, diese Zeilen zu lesen. Und es ist so wichtig. Das alles klingt wie ausgedacht, wie in einem Roman und ich wünsche mir so sehr, dass das nicht die Realität ist. Dieser Mensch ist wie ein trotziges kleines Kind, nur leider ist seine Waffe nicht nur ein „dann lade ich dich nicht mehr zu meinem Geburtstag ein“. Danke für deine Berichte. Es ist so, so wichtig! Viel Kraft für dich.

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