Elisabeth Kolumne USA

BYE BYE PARIS // TRUMP TRITT AUS DEM KLIMAABKOMMEN AUS// KOLUMNE AUS WASHINGTON

2. Juni 2017
USA, Auswandern USA, Expat Life, Trump

Trump und seine Entscheidung zum Klimaabkommen,
live aus Washington!

Ich bin fassungslos. Ich kann es einfach nicht glauben, was da gerade passiert. Dass so ein Mann ein so großes Land mit so vielen Menschen regiert. Ein Mann, der nicht bei Sinnen scheint.

Elisabeth berichtet live über die neuesten Entwicklung in Washington. Trump hat bekannt gegeben, aus dem internationalen Klimaabkommen auszutreten. Aber lest selbst.

Alle Beiträge von Elisabeth findet ihr HIER.
Und bei Instagram ist sie unter lottalove_usa zu finden.

Bye-bye Paris!
Trumps Entscheidung aus dem Klimaabkommen auszutreten erschüttert die Welt – und lässt einmal mehr sein Land beben

Trump liebt den großen Auftritt.

Der 45. Präsident hat gestern Nachmittag im Rosengarten des Weißen Hauses zu einer Pressekonferenz geladen. US-Präsidenten wählen diesen Ort gerne, um historisches zu verkünden. Um 15 Uhr wollte er seine Entscheidung bekannt geben, ob die USA das Pariser Klimaabkommen nun aufkündigen oder nicht. Dies hatte er in alter Manier auf Twitter bekanntgegeben

Er lässt die Presse 35 Minuten warten. Neben den Medienvertretern sind auch ein paar Zuschauer anwesend. Sie werden bei der Erklärung an den passenden Stellen applaudieren.

Und dann folgt um 15:35 Uhr seine Erklärung zum Austritt aus dem Abkommen und zerstört somit das letzte Fünkchen Hoffnung, dass dieser Mann Argumente und Belege von Wissenschaftlern, gar Wirtschaftsbossen in Betracht zieht. Dass er engsten Vertrauten wie seinem Außenminister Tillerson und seiner Tochter Ivanka Trump samt Schwiegersohn Jared Kushner vertraut.

Sie alle rieten ihm stark dazu in dem Abkommen zu bleiben. 195 Staaten unterzeichneten 2015 diesen historischen Vertrag zur Bekämpfung des weltweiten Klimaschutzes. Nur zwei Staaten dieser Welt machten nicht mit: Syrien und Nicaragua. Seit gestern ist eine der größten Industrienationen der Welt, die USA, Staat Nummer Drei.

Donald Trumps Rede gestern erinnerte stark an die seiner Amtseinführung vor dem Kapitol, die am 20. Januar ein kleines Beben und eine schockierte Weltöffentlichkeit hinterließ. Sie ist eine traurige Bestätigung für all diejenigen, die bis zuletzt immer wieder hofften, Trump würde irgendwie doch noch das zerrissene Land einen. Denn Fakt ist, dass 3/4 der Amerikaner sich für den Verbleib im Pariser Klimavertrag ausgesprochen haben, die Mehrheit der eigenen Partei ebenfalls.  Darüber hinaus haben schon im Vorhinein Wirtschaftsbosse und einzelne Bundesstaaten, darunter Kalifornien angekündigt, ihre Umweltstandards trotzdem einhalten zu wollen. Egal wie der Präsident entscheidet. Somit also die Frage: wieso hat Trump es trotzdem getan?

Donald Trumps Umfragewerte sind im Keller, doch dies scheint ihn nicht zu interessieren. Er möchte gar nicht Präsident aller Amerikaner sein. Mit dieser Entscheidung löst er ein Wahlversprechen ein, um nur eine Gruppe zufrieden zu machen: Seine Wähler. „Ich bin gewählt, um die Menschen von Pittsburgh zu vertreten, nicht die von Paris“.

Trump scheint im Gefühl zu haben, dass Amerika vom Rest der Welt ausgenutzt wird. Bei der Unterzeichnung des Pariser Vertrages 2015 habe die Welt applaudiert, weil es das Land zugunsten anderer schwäche. Deshalb lachte die Welt über die USA, aber „das wird sie nicht mehr machen“.

Trump machte gestern klar, dass seine Entscheidung vor allem darauf basiert, gutes für sein Land zu tun („America first“). Sie würde neue Jobs schaffen (zum Beispiel möchte er die Kohleindustrie wieder fördern) und Geld sparen. So müsse Amerika in Zukunft nicht mehr hohe Beiträge für Klimafonds zahlen, die vor allem armen Ländern helfen sollen, den Klimaschutz voran zu treiben.

Doch mit dieser krassen Entscheidung katapultiert sich die USA in die Isolation und verabschiedet sich einmal mehr von ihrer Führungsrolle. Andere Großmächte werden diese Freistelle gerne füllen. Momentan ist Chinas Regierungschef Li in Brüssel und betonte heute bei einem Treffen mit EU-Ratspräsident Tusk, China wolle die Zusammenarbeit von Handel und Klima mit Europa vertiefen.

Der Rückzug Amerikas aus diesem globalen Abkommen ist ein Sieg aller nationalistischen Hartliner des Landes, darunter auch Trumps ultrakonservative Chefstratege Steve Bannon, der die globale Erwärmung leugnete. Auch Trump selbst hatte in der Vergangenheit behauptet, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen.

Dass diese Entscheidung dramatisch und drastisch ist, zeigen auch die weltweiten Reaktionen heute: „Beim Klima gibt es keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt“, sagte beispielsweise Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Doch, ein paar Fakten können wenigstens ein bisschen beruhigen: Das Pariser Klimaabkommen trat im November 2016 in Kraft. Dort wurde auch festgehalten, dass alle 195 Staaten mindestens drei Jahre in dem Vertrag bleiben müssen. Somit können die USA offiziell erst zum November 2020 austreten, was kurz nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl ist. Allerdings bleibt fraglich, ob Trump sich an die Kündigungsfrist halten wird oder nicht doch ab sofort  Zahlungen und Abmachungen nicht mehr nachkommen wird.

Wie oben schon erwähnt sind die Mehrheit der Amerikaner, einzelne Bundesstaaten und US-Unternehmen weiterhin für den Klimaschutz und werden sich in Zukunft freiwillig an die Standards halten. Insofern war diese große, historische Entscheidung gestern viel mehr eine große symbolische. Eine, die die zerrissene Nation noch weiter auseinander driften lässt, politischen Streit im Land vergrössert und zur Umorientierung mancher Machtgefüge in der Weltpolitik führen kann.

Und sie ist einmal mehr der Beweis, dass ein Donald Trump macht was er will und weder auf wissenschaftlich Belegtes Rücksicht nimmt, noch auf das, was gut für eine Nation und die gesamte Staatengemeinschaft zu sein scheint. Er ist und bleibt sich selbst am nächsten. Das mag als knallharter Geschäftsmann legitim sein. Als Präsident der Vereinigten Staaten ist dies mehr als bedenklich.

Das gefällt Dir vielleicht auch

5 Kommentare

  • Antworten Sarah 3. Juni 2017 at 5:34

    Super Beitrag! Habe die Rede von Trump in der live Übertragung gesehen und ich wusste echt nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Doch gut zu wissen und von dir zu hören das viele Bundesstaaten da freiwillig dabei bleiben.

    • Antworten Elisabeth 19. Juni 2017 at 15:04

      Dankeschön und ja, ich finde auch beruhigend, wie viele hier in Amerika FÜR den Klimaschutz sind! Liebe Grüße, Elisabeth

  • Antworten Mareike 4. Juni 2017 at 12:54

    Fürchterlich. Umso mehr sollten wir alle unseren (vermeintlich) kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

  • Antworten Gisi 12. Juni 2017 at 13:58

    Sage mal liebe Elisabeth, wurde das Foto zufällig in Brooklyn aufgenommen?

    • Antworten Elisabeth 19. Juni 2017 at 15:03

      Nein, in Washington. 🙂 LG, Elisabeth

    Schreibe eine Nachricht