Gastautoren Kolumne Schwangerschaft

OH LIFE | EIN GEBURTSBERICHT – EINE GEBURT IN MEXIKO

14. Juni 2017
Schwangerschaft im Ausland, Mamablog, Schwangerschaft, Geburt

Eine Geburt in Mexiko

Die liebe Tanja wohnt mit ihrem Mann und ihren nun schon zwei Kindern in Mexiko. Erst vor kurzem hat sie hier auch ihren Sohn zur Welt gebracht. Auch wenn alles ein wenig anders lief als gedacht und die kleine, wachsende Familie nach der Geburt voller Sorge um ihren neugeborenen Sohn war, sagt Tanja: Gute, engagierte und mitfühlende Ärzte gibt es auch in Mexiko.

HIER hat Tanja schon von ihrer Schwangerschaft in Mexiko berichtet.
Bei Instagram findet ihr sie unter @positive_mama

 

Ein Geburtsbericht aus Mexiko:
Notkaiserschnitt &
gute und engagierte Ärzte gibt es auch in Mexiko!

Ich könnte schreiben wie unterschiedlich, manchmal für mich unverständlich und aufregend die Behandlung, die Patientenaufnahme und alles drum herum in Mexiko ist. Heute möchte ich aber schreiben, wie glücklich wir sind, dass in dieser gar nicht so einfachen Zeit die mexikanischen Ärzte und Schwestern ihr Bestes für die Geburt unseres Sohnes gegeben haben!

Nach ca. 3 Wochen Wüstenhitze in Mexiko/Puebla, wurde Regen und Sturm angesagt. Meine Freundin meinte, dass die Hebammen-Regel wohl besagt, dass bei Wetterwechsel, wie Gewitterbeginn der Blasensprung verursacht werden kann. Die Vorstellung nicht mehr diese Hitze und damit das Wasser in den Beinen und Händen ertragen zu müssen, war schon ganz nett. Aber es ist doch noch viel zu früh und das Baby braucht noch mindestens 2 Wochen und ca. 500 Gramm mehr Gewicht.

Und doch, tatsächlich ist es in dieser für uns unvergesslichen Nacht passiert – ich hatte einen Blasensprung und das in der 36 SSW. Hysterisch und voller Panik haben wir versucht alle unsere Freunde zu erreichen, um unsere Tochter Lilly unterzubringen. Doch nichts… Kein: „alles wird gut, ich kümmere mich um dein Kind“, haben wir in der Nacht gehört. Niemanden haben wir erreichen können. So musste meine noch so kleine Große mit ins Krankenhaus fahren. Zwischenzeitlich habe ich meinen behandelten Frauenarzt erreicht, der auch sehr schnell zur Stelle war.

Im Krankenhaus ging alles so schnell. Eingecheckt, auf die Station gebracht, Untersuchungen, Wehenbeschleuniger, Wehen, Muttermund ca. 5 cm. geöffnet, das Köpfchen rutschte immer tiefer ins Becken. Alles schien perfekt zu laufen. Bis auf zwei Sachen! Während ich schon Geburtswehen hatte, saß meine Tochter irgendwo in einem Nebenzimmer, mitten in der Nacht und alleine und dann hat es angefangen. Nach jeder Wehe wurden die Herztöne unseres Sohnes immer schwächer, bis der Arzt nur noch gesagt hat, dass wir sofort operieren müssen. Wenn nicht, würden wir das Kind verlieren.

Ein Notkaiserschnitt, der unserem Sohn das Leben rettete!

Diese Wörter werden wir nie vergessen!

Diese Angst war so unbeschreiblich stark. Angst um mein ungeborenes Kind und Angst um meine Große. Mein vierjähriges Mädchen sitzt hellwach um fünf Uhr nachts alleine in einem mexikanischen Krankenhaus und musste diese Hektik, Ärzte, OP-Kleidung etc. mitbekommen. Im OP-Saal habe ich geweint und gezittert und konnte nur an meine beiden Kinder denken. Der Saal füllte sich mit verschiedenen Ärzten, Chirurgen, Narkoseärzten, Kinderärzten, OP-Schwestern, Assistenzärzten. Unter Hektik wurde mein Unterkörper betäubt.  Alles ging so schnell. Aufgeschnitten, gezogen, gemacht und getan, noch mehr geschnitten und nochmal gedrückt. Und endlich war das Kind da!

Nun kannten wir den Grund, warum unser Sohn unbedingt heraus wollte – seine Nabelschnur war ganz eng um den Hals gewickelt. Es war die beste Entscheidung des Arztes mich zu operieren. Während ich das Meckern meines Sohnes hörte, bin ich in Tränen ausgebrochen – vor Glück, vor lauter Glück, dass mein Sohn da ist, dass er atmet, dass er lebt und dass er weint. Was eigentlich so normal bei der Geburt eines Kindes ist.

Das waren Tränen des Glücks, der Dankbarkeit und der Zufriedenheit. Nachdem mein Sohn untersucht wurde, wurde er von den Kinderärzten weggefahren und mein Mann musste mit. Nun lag ich da alleine in diesem kalten OP-Saal: „Aber warum, wo sind sie alle hin“. Es war so kalt und leer, ganz allein mitten in Mexiko, ohne zu wissen wie es meinen Kindern geht. Ich kann mich nur an diese warme und freundliche Hand erinnern. Das war der Narkosearzt, die ganze Zeit war er da, wie ein Vater, wie ein Freund, wie ein Helfer.

Im Aufwachraum konnte mir keiner sagen, wie es meinem Kind geht. Jede Minute in diesem Raum erschien mir wie eine Ewigkeit. Nun wurde ich endlich auf das Zimmer gebracht und dort waren meine große Tochter und mein Mann nur nicht mein Junge. Wo ist er? Was hat er? Warum ist er nicht hier? Und erst da ging der Albtraum aller Eltern los. Der Kinderarzt hat uns erzählt, dass mit seiner Atmung was nicht stimmt und er unbedingt beatmet werden muss. Sie wissen den Grund nicht, aber es scheint sehr ernst zu sein.

Da war ich… Aufgelöst und bin in ein Loch gefallen. Frisch operiert, unter starken Schmerzen erfuhr ich, dass irgendetwas Schlimmes mit meinem Neugeborenen ist. Die nächsten 10 Stunden waren so grausam und traurig für alle. Um 20 Uhr abends hat uns eine ganze Ärzte-Delegation einen Besuch abgestattet. Kardiologen, Kinderarzt, Assistenzarzt und mein Frauenarzt. Sie wussten nun, was mit unserem Kind nicht stimmt – auf englisch und mit 100 medizinischen Begriffen erklärten sie uns, dass sein Herz, bzw. die Arterie im Herzen (Ductus arteriosus), sich aufgrund seiner Reife (mit 36 SSW gilt das Baby als Frühchen) nicht geschlossen hat. Wie, was, ein Loch im Herzen!? Was und wer kann uns helfen!? „Mit Medikamenten“ hieß es dann. Es gibt Medikamente, die den Ductus innerhalb der nächsten drei Tage schließen lassen sollen. Doch das Medikament hat die ersten zwei Tage nicht angeschlagen und das Beatmungsgerät musste gegen ein stärkeres ausgetauscht werden. Der Kinderarzt hatte diese positive Einstellung, die er zu Beginn hatte, nicht mehr und hat uns vorsichtshalber über eine Operation am Herzen informiert.

Wir waren so allein, irgendwo im Ausland und wir konnten unserem Kind nicht helfen. Eins wussten wir aber, nämlich wie groß unsere Liebe zu ihm schon war. Wir würden alles tun und geben, um ihn gesund werden zu lassen.

Am nächsten Tag um 21 Uhr war es dann soweit. Die Kardiologen haben uns mitgeteilt, dass die Medikamente gewirkt haben und dieser sogenannte Ductus sich geschlossen hat. Das heißt, in spätestens einer Woche werden wir ein kerngesundes Kind mit nach Hause nehmen können. Diese Nachricht war das Beste, was uns passieren könnte!

3 Tage und 2 Nächte sind wir durch die Hölle gegangen. Wir hatten nur uns hier – nur mein Mann und ich und all diese Sorgen, diese Ungewissheit und die Angst, so weit weg von Zuhause, so weit weg von unseren Familien. Aber die Ärzte haben wirklich alles gegeben, schnell reagiert und alles richtig gemacht. Diese Ärzte und Schwestern haben uns immer ernst genommen, sie haben uns so viel Trost gespendet und bei jeder Gelegenheit umarmt. Für diese Wärme, dieses Verständnis und ihre Freundlichkeit werden wir immer dankbar sein. Dieses Team war unsere Familie für die ersten sieben Tage im Leben von unserem Sohn.

Auch am anderen Ende der Welt in Mexiko gibt es Menschen, die mit Herz und Seele ihren Beruf ausüben. Ärzte, die Kinder retten und den aufgelösten Eltern Kraft geben!

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5 Kommentare

  • Antworten Julia 14. Juni 2017 at 11:26

    Wahnsinn, ich sitze hier mit Tränen in den Augen… Schön, dass ihr nun gesund und glücklich zu Viert seid!

  • Antworten Sylvia 14. Juni 2017 at 15:07

    Wow, mir treibt es auch die Tränen in die Augen! So eine emotionale Story! Ich finde auswandern ja immer ganz toll bzw. woanders leben, in so einer Situation weiss ich nicht was ich ohne meine Familie tun würde, Puh! Hut ab euch beiden wie ihr das gemeistert habt!

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at – Fotografieblog

  • Antworten Sarah 14. Juni 2017 at 18:07

    Unglaublich. Mir fehlen die Worte, zwischen Luft anhalten beim Lesen bishin zum großen Durchatmen und dieser Freude einen gesunden kleinen Jungen zu haben! Herzlichen Glückwunsch (:

  • Antworten Josi 17. Juni 2017 at 14:14

    Ich freue mich so Tanja, dass es euch jetzt besser geht und ihr alles überstanden habt. <3

  • Antworten Semoschki 17. Juni 2017 at 23:37

    Oh man freut mich das am Ende doch alles gut gegangen ist ❤️

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