Gastautoren Schwangerschaft

SCHWANGER IN CHINA | GEBURT IN SHANGHAI & WARUM EINE SCHWANGERE KEINE SCHOKOLADE ESSEN SOLLTE

7. Juni 2017
Geburt in China, Expat Life

Schwangerschaft und Geburt in Shanghai, China!
„Kaffee in der Schwangerschaft
könnte die Hautfarbe des Babys beeinflussen…“

Kaffee, schwarzer Tee oder gar Schokolade in der Schwangerschaft könnte die Hautfarbe des ungeborenes Babys beeinflussen? Eine Art Kettenhemd, um den schwangeren Körper gegen Strahlungen jeglicher Art zu schützen?

Herzlich Willkommen in Shanghai, China. Hier hat meine liebe Leserin Stephy ihr erstes Kind zur Welt gebracht. Ein ziemlich spannender Erfahrungsbericht rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt in China. Aber lest selbst!

Stephy findet ihr HIER bei Instagram.

 

Alle anderen „schwanger in…“ könnt ihr HIER lesen!

 

Stillen? Sie können sich doch Milchpulver leisten!
Expat in Shanghai,
schwanger in China!

Als ich schwanger wurde, waren wir gerade zwei Jahre als Expats in Shanghai.

Ich fand es immer verwunderlich, dass Frauen ihre Männer nur ins Ausland begleiten, um dort ein Kind zu bekommen {zwinker}. Es gibt dort doch so viel mehr Möglichkeiten, sich sinnvoll zu beschäftigen. Reisen, das Land und die Leute kennenlernen, sich weiterbilden oder ehrenamtlich arbeiten, wenn man keine Arbeitserlaubnis, wie der Partner, im Ausland hat. Letzteres hab ich getan und dadurch ganz andere Seiten Chinas kennengelernt, die außerhalb des schicken Expatlebens liegen und die man sonst gar nicht sehen würde.

Im Nachhinein war allerdings das Schwanger werden im Ausland, das Beste was mir (uns) passieren konnte.

In China gibt es keine Arztpraxen, wie bei uns in Deutschland, sondern man geht zur Vorsorge auch schon in die Kliniken, in denen man dann entbindet. Was super ist, da man die Ärzte und Hebammen vor Ort schon einmal kennenlernen kann.

Die Vorsorge war sonst wie bei uns, nur dass wir die Spritze wegen des negativen Rhesusfaktors aus England importieren mussten, da es das in China nicht gibt und es auch nur selten für Ausländer benötigt wird.

Die Chinesinnen tragen die gesamte Schwangerschaft über eine Art Strahlenschutzkleid. Eine bessere Kittelschürze mit Drähten durchzogen, die vor möglicher Strahlung schützen soll.

Davor blieb ich verschont. Allerdings wurde ich sehr schräg angesehen, als ich im Büro meines Mannes eine Tasse Kaffee trank. Seine Mitarbeiterin meinte, das würde mein Kind im Mutterleib schwarz färben. Waaas?! Sie erklärte mir, dass schwangere Chinesinnen auch keinen schwarzen Tee oder Schokolade zu sich nehmen dürfen, auch das sei gefährlich und könnte die Hautfarbe verändern.

Mein größtes Glück war, dass es in Shanghai eine deutsche Hebamme gab. Ich hatte schon große Angst vor den Verständigungsschwierigkeiten mit den Chinesen im Kreissaal. Gerade wenn das alles absolutes Neuland für einen ist, hat man doch Sorge, nicht verstanden zu werden. Die Chinesen sprechen meist allgemein schlechtes oder kein Englisch. Also wurde mir durch die Hebamme diese Sorge genommen. Sie kam während der Schwangerschaft zu mir nach Hause, war während der Entbindung als Doula dabei und kam dann auch zur Nachsorge zu uns nach Hause.

Die deutsche Frauenärztin hat Shanghai leider einen Monat vor meinem Entbindungstermin verlassen. Also habe ich mich für eine junge chinesische Ärztin entschieden. Sie machte sowohl die Vorsorge und hatte auch im Kreissaal Dienst, als es bei mir los ging. In China gebären die Frauen normalerweise nur im Bett liegend. Ich wollte aber gern die Möglichkeit haben, für mich selbst zu wählen (z.B. eine Wassergeburt). Auch das war bei meiner chinesischen Ärztin zum Glück möglich. Sie hatte zwar etwas Angst davor, da es für sie vollkommenes Neuland war, unterstützte mich aber.

Die Versorgung in der Klinik war sehr gut. Ergebnisse vom Bluttest bekam man nach gerade einmal 10 Minuten. Es gab sehr viele Schwestern, jede hatte ihre genau zugeteilte Aufgabe. Eine fürs Wiegen, eine fürs Aufrufen und zum Sprechzimmer bringen, mehrere fürs Kassieren und…und…und. Bezahlen musste man immer direkt nach jeder Behandlung. Auch die Entbindung. Das übernehmen dann meist irgendwelche Agenturen, da es schon eine sehr große Summe ist. Eine Entbindung in einem normalen, nicht privaten Krankenhaus kostet weniger als ein Viertel davon. Wahnsinn.

Hausgeburten sind in China strengstens untersagt.

Die verschiedensten Expat-Frauen machen sich im Ausland mit allem möglichen selbstständig. So fand ich eine Engländerin, die uns zu Hause einen Hypnobirthing Kurs gab. Das half mir sehr, mir die Anspannung während der Schwangerschaft zu nehmen und positiv an die Entbindung heran zu gehen. Während der Entbindung selbst hat es mir leider kaum geholfen. Schlussendlich hatte ich keine Wassergeburt wie geplant und habe meine Wehenschmerzen auch nicht weg geatmet, sondern ich hatte eine PDA und entbunden habe ich auf dem Rücken liegend.

Das Privatkrankenhaus, in dem ich entbunden habe, lag bei guter Verkehrslage 30 Minuten von uns entfernt. Wenn es schlecht lief, dauerte die Fahrt dort hin auch mal zwei Stunden. Zum Glück ist meine Fruchtblase nachts geplatzt und wir hatten freie Fahrt.

Wenn es einem Krankenhaus in Shanghai passiert, dass insgesamt zehn Schwangere es nicht bis in den Kreissaal schaffen, wird dem Krankenhaus die Lizenz entzogen, weiter Entbindungen durchführen zu dürfen.

Als wir im Krankenhaus ankamen, gingen wir direkt auf die Entbindungsstation, die nur aus Kreissälen besteht. Dort bleibt man dann, in seiner eigenen Geburtssuite, bis das Wunder vollbracht ist. Ausgestattet sind die Suiten mit einem Krankenhausbett, Geburtswanne, Badezimmer, Geräte zur Untersuchung des Neugeborenen und einer Couch für den Partner.

Zum Glück hatte ich meine deutsche Hebamme mit im Kreissaal. Sie hat zwischen uns und den chinesischen Schwestern vermittelt, die mich sonst oft einfach übergangen und als nicht zurechnungsfähig eingestuft hätten. Es ist in China einfach so üblich. Die meisten Chinesinnen lassen unter der Geburt wahrscheinlich alles über sich ergehen und sind wenig selbstbestimmt.

Ich konnte im Vorfeld einen Geburtsplan nach meinen Wünschen im Krankenhaus ausfüllen, den meine Hebamme mit mir gemeinsam entwickelt hatte. Dieser wurde dann mehrfach kopiert und an alle Schwestern verteilt. Ich weiß nicht, ob sie ihn wirklich gelesen haben, da aber darin festgehalten war, dass ich eine Hypnobirthing Entbindung wünsche, hing ein Zettel an der Tür und keiner durfte mich stören. So waren wir meist nur zu Dritt, was eine private Atmosphäre vermittelte.

Meine größte Sorge war ein Kaiserschnitt. Nicht der Kaiserschnitt an sich, sondern das sedieren der Mutter im Nachhinein. Da es früher nicht genug Schmerzmittel gab, hat man die Mütter nach dem Kaiserschnitt dadurch einfach für einige Stunden ruhig gestellt und das bis heute so beibehalten.

Im Kreissaal neben mir hat zeitgleich eine Chinesin entbunden, welche von drei Damen gleichzeitig angefeuert, wie bei einem Fußballspiel, wurde. Ich weiß bis heute nicht, was sie andauernd alles lautstark gerufen haben?!

Alles in allem hatte ich eine gute Entbindung. Sie dauerte zwar 16 Stunden und war schon eine Art traumatisches Ereignis, aber durch die PDA gut auszuhalten und ich wurde gut versorgt. Die drei anschließenden Tage im Krankenhaus waren auch wunderbar. Wir hatten eher ein Hotelzimmer, als ein Krankenhauszimmer. Mein Mann durfte bei mir im Zimmer auf einer Couch schlafen, wir waren fast immer allein und ungestört und konnten uns alle Drei in Ruhe beschnuppern. Wenn Hilfe erwünscht war, war Hilfe da.

Ganz im Gegensatz zu uns war meine Kreissaalnachbarin in ihrem Zimmer immer allein und der Fernseher lief nahezu durchgehend. Ihr Mann war zu Hause und das Baby bei den Schwestern. Ich wurde auch gefragt, weshalb ich stille? Ich könnte mir doch Pulvermilch leisten. Schock! In China bleiben die Mütter nach der Entbindung vier Wochen im Schlafzimmer. Sie dürfen das Haus nicht verlassen, werden von Mutter und Schwiegermutter umsorgt, dürfen nicht duschen und das Baby hat seine eigene Betreuerin. Wer keine Verwandten hat, die alles übernehmen, geht vier Wochen in eine spezielle Einrichtung.

Impfungen fürs Baby mussten wir dann wieder „illegal“ aus England einführen, da es sie in China entweder nicht gab oder sie gepanscht sein könnten. Das Risiko war uns einfach zu groß.

Mittlerweile sind wir glücklich zurück in Deutschland, da China, mit der Luftverschmutzung und der Reizüberflutung für uns nicht der richtige Ort war, um ein Baby großzuziehen.

Ein weiterer zukünftiger Auslandsaufenthalt in einem anderen Land, ist für uns aber nicht ausgeschlossen.

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7 Kommentare

  • Antworten Sylvia 7. Juni 2017 at 10:26

    Wow ein super spannender Bericht! Amerika ist ja das eine, aber China! Das ist nochmal eine ganz andere Hausnummer. Wahnsinn. Ich bin echt überrascht das deine Erfahrungen so gut waren, ich denke das hätte in Deutschland teilweise auch schlechter sein können.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at – Fotografieblog

    • Antworten Stephy 8. Juni 2017 at 8:28

      Danke Sylvia! Ich war selbst positiv überrascht und gerade, weil ich es in Deutschland hätte schlechter treffen können, froh, dass ich in China entbunden habe.
      Liebe Grüße,
      Stephy

  • Antworten Lilia 7. Juni 2017 at 18:43

    Wow 😊

  • Antworten Georg 8. Juni 2017 at 11:45

    Kein Kaffe, Tee oder Schokolade XD, da haben wir ja echt Glück, dass Charly vom Teint her doch zu uns passt! Und das mit den Spritzen aus England ist ja echt interessant. Danke für den tollen Bericht!

  • Antworten Janine 10. Juni 2017 at 12:33

    Immer wieder interessant, die Geburtsgeschichten aus dem Ausland! Vor allem wie unterschiedlich jeder die örtlichen Besonderheiten wahrnimmt. Von Kaffee und schwarzem Tee-Verbot habe ich in Peking damals nichts mitbekommen. Jedoch schleppt jeder Gemüse-Mann einem freundlich jeden Einkauf ins noch so weit entfernt parkende Auto und in jedem Restaurant bekam ich plötzlich ein Kissen in den Rücken geschoben.
    Verrückter fand ich jedoch, dass die Frauen nach den Geburten erst mal „brachliegen“ für 6-8 Wochen, um sich von der Geburt zu erholen – im wahrsten Sinne des Wortes (ich denke noch daran, wie mich die Schwester in D gleich hochgescheucht hat, ich solle mich doch um mein Kind kümmern! Hatte zwar spontan Vollnarkose zur Entfernung der Plazenta bekommen und war mal eben abgeklappt bei dem Versuch aufzustehen, aber egal…) In China kommt eine Art Schwester nach Hause und kümmert sich um das Baby und dann noch mal eine, die sich um die Mütter kümmert!! Letztere bewegt sich gar nicht und darf sich eigentlich auch nicht waschen!! Weil die Poren geöffnet sind durch die Geburt und im Alter Probleme mit den Knochen auftreten können, wenn man nun in dieser Zeit duscht und damit Kälte in den Körper eindringt… (Ich bekam damals eine Wochenbett-Binde mit kaltem Wasser über dem Kopf ausgewrungen, als ich in D abgeklappt bin! Unglaublich!!) Außerdem dürfen die Babys in China mindestens 3 Monate nicht vor die Tür! Aus selbigen Grund! – Also nach meinen Geburten in Germanski, China und Mexiko… fand ich die Geburt in Peking am besten!😄 Und mal so nebenbei… ich hatte anfangs eine deutsche Ärztin bei der Feststellung der SS dort. Die hat tatsächlich zu mir gesagt, ich könne in der ersten Wochen ruhig mal n Glas Wein trinken, wenn ich eingeladen bin und noch nicht sagen möchte, dass ich schwanger bin! Hallooooo? Die hat mich kein 2. Mal wiedergesehen! – Deutsche Ärzte im Ausland, sind evtl im Ausland, weil sie in D jetzt nicht so erfolgreich waren… 😆 – Übrigens verkünden die Mexikanerinnen sofort wenn sie ihren positiven Test in der Hand halten, über sämtliche Kanäle ihre SS. Wenn sie dann leider vorzeitig endet… auch! Und die Namen der ungeborenen Babys werden auch schon überall erzählt…
    – Wirklich witzig, wie unterschiedlich damit umgegangen wird. Dennoch… ich bin durch! Noch ein weiteres Kind in einem weiteren Land wird es für mich nicht geben!😄❤️

  • Antworten Madiha 16. Juli 2017 at 11:41

    Hi, toller Berucht! Interessant und beruhigend zu wissen, dass schwanger und Geburt in anderen Ländern so gut möglich ist 😃 ich bin auch schwanger und wegen der Arbeit meines Mannes wollen wir für zwei Monate nach Shanghai. Das wäre bei mir von der 24. SSW bis zur 34. SSW. Ich bin auf dein Profil gestoßen und wollte dich fragen, ob du mir eine Klinik oder einen Arzt empfehlen könntest, der 2 Routineuntersuchungen bei mir machen könnte inkl Diabetes Test. Uuunnnddd hast du mit Leitungswasser Zähne geputzt oder mit Flaschenwasser? Über eine Antwort wäre ich sehr dankbar!! Liebe Grüße, Madiha

  • Antworten Judith 19. September 2017 at 11:03

    Hallo! Spannender Bericht und vor allem sehr aufbauend! Nur der Teil mit dem Kaiserschnitt… :-/ Ich lebe auch in Shanghai und bin schwanger mit Zwillingen. Wahrscheinlich wird es ein Kaiserschnitt, da es meine ersten Kinder sind. Anscheinend muss ich da aber noch das ein oder andere vorab klären. 🙂 Total interessiert wäre ich auch an dem Kontakt der dt. Hebamme, den ich aber leider nicht finde – da wäre ich über einen Hinweis sehr dankbar!

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