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GESCHWISTERLIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK? JEIN!

9. September 2017
Geschwisterkinder

 

Geschwisterliebe auf den allerersten Blick? Jein!
Die Sache mit der Eifersucht

Der Tag, an dem unsere kleinste Tochter ihren frisch geborenen Bruder kennenlernte. Was waren wir aufgeregt, und so voller Vorfreude. Schon Monate vor der Geburt haben wir immer wieder darüber gesprochen, wie es wohl mit drei Kindern sein würde. Und wir fragten uns, wie wohl die kleine Mimi, bisher das Nesthäkchen der Familie, auf ihr Brüderchen reagieren würde.

Noch in der Schwangerschaft sprachen wir immer wieder mit ihr über das Baby im Bauch und bezogen sie ein. Wir schufen Routinen {wie bereite ich Geschwisterkinder auf das neue Kind vor, HIER mein Artikel dazu!} – ölten mit ihr meinen wachsenden Babybauch ein, holten jeden Abend die Spieluhr hervor und schauten uns Bilderbücher zu diesem Thema an. Wir taten, was man tun konnte. Aber letztendlich wussten wir nicht, wie es kommen oder sein würde. Natürlich hatten wir da dieses rührende und wunderschöne Bild von zwei strahlenden großen Schwestern, die ihren neu geborenen Bruder ganz stolz und voller Freude im Arm halten, im Hinterkopf. So haben wir es uns gewünscht. Aber ob es so kommen würde, das konnten wir schlichtweg einfach nicht wissen. Immerhin war das gerade für Mimi mit ihren zweieinhalb Jahren noch sehr abstrakt.

Dann war er da, der Tag, an dem unser bisheriges Nesthäkchen auf ihren kleinen Bruder traf. Ich saß mit dem Babyjungen im Arm auf unserer Couch, als Mimi zur Wohnzimmertüre hinein kam. Und tatsächlich, sie erblickte ihren kleinen Bruder sofort und strahlte über das ganze Gesicht. „Baby?!“ fragte sie mit leuchtenden Augen und kam auf mich zu. „Baby, oh ei Baby!“ sagte sie immer wieder und zog die Decke ein wenig zur Seite, in die ich den Jungen gepuckt hatte. Sie streichelte ihm das Gesicht und schaute ihn an, kramte seine Hand hervor und begutachtete alles an dem Winzling ganz genau. Ganz friedlich und interessiert. Letztendlich saß Mimi unheimlich stolz zwischen Anni und mir auf dem Sofa und hielt das kleine Bündel Mensch. Ihre Augen strahlten und sie war sichtlich voller Freude. Wir waren ganz gerührt und ich spürte, wie meine Anspannung sich löste.

Haben wir uns doch vergeblich gesorgt?
Keine Eifersucht, keine Rivalität? Nichts dergleichen? 

Knapp zehn Minuten später tobte Mimi aber auch schon in alter Manier durch das Wohnzimmer, spielte und kletterte. Den restlichen Abend über schenkt sie ihrem Bruder nicht mehr viel Aufmerksamkeit. Der kleine „Buda“ war halt jetzt da. Als wäre das ganz selbstverständlich für sie.

Und dann, am nächsten Morgen ging es los. Mimi war unheimlich liebebedürftig und anhänglich, suchte Nähe, klammerte und zeigte klare Anzeichen von Eifersucht. Sie war ein wenig wie ausgewechselt. Sie forderte ihr Bedürfnis nach noch mehr Nähe rigoros ein. Ihr gutes Recht und meiner Meinung nach vollkommen verständlich. Gleichzeitig zeigte sie sich auch als sehr eifersüchtig. Sie wollte nicht, dass der kleine Junge auf dem Arm von Henry oder mir ist. Sie wollte nicht, dass er bei uns schläft. Sie wollte in die Nonomo, wenn er in der Nonomo war. Als ich das Baby stillte, wollte sie auch wieder Milch aus der Flasche {dabei haben wir ihr das gerade, vor nicht all zu langer Zeit, abgewöhnt}. Und einmal versuchte sie sogar, ihren kleinen Bruder ein wenig vom Arm ihres Papas zu drängen. Dann brauchte sie die ersten Tage Abends unheimlich lange, bis sie einschlief. Zum Teil dauerte es Stunden und brauchte viel Geduld, um sie in den Schlaf zu bekommen. Die Einschlafbegleitung war in diesen Tagen sehr langwierig. Immer wieder krabbelte sie aus ihrem Bettchen, um noch einmal von jedem ein Küsschen abzuholen oder gekrault zu werden. Bücher über Bücher wurden gelesen und im Anschluss hielt sie sich lange an der begleitenden Person (sprich an Henry oder mir) fest.

Generell versicherte sie sich immer wieder, dass sich nichts für sie verändert hat – an der Liebe zu ihr. Dass sie noch immer genau so wichtig ist, noch immer ihren Platz hat. Und das, finde ich, ist für so ein kleines Kind, welches seine Gefühle noch gar nicht artikulieren kann, ein gesundes Verhalten. Es ist gut, dass sie sich so mitteilt und einfordert. Nach wenigen Tagen schon haben wir dann bemerkt, wie die Eifersucht wich. Tag für Tag wurde es weniger, Tag für Tag wurde es besser. Alles entspannte sich und seitdem ordnet sich hier alles. Wir sind dabei, uns ganz langsam neu zu finden, uns neu zu sortieren. Und das ist schön. Es rührt mich sehr, meine Kinder so zusammen zu sehen.

Anni hingegen war die letzten Wochen vor der Geburt schon ganz aufgeregt. Häufig kraulte sie den Bauch und wünschte sich, dass der Junge ganz bald zu uns kommen würde. Und als sie ihn das erste Mal im Arm hielt, strahlten ihre Augen vor Glück. Manchmal kommt sie rüber und fragt mich bzw. uns, ob sie sich ihren Bruder einmal ausleihen dürfte. Und wenn man dann nach einer Weile unruhig wird und mal nachschaut, findet man die Beiden meist zusammen gekuschelt auf dem Bett oder auf der Couch. Ganz selig. Aber zu Anni und dem Baby, dazu erzähle ich einfach beim nächsten Mal etwas. <3

 

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5 Kommentare

  • Antworten Yasemin 9. September 2017 at 18:47

    Ich freue mich weiter lesen zu dürfen ❤️!! Das macht ihr ganz toll.

  • Antworten Julia K 9. September 2017 at 19:32

    Ich glaube, dass es von Kind zu Kind unterschiedlich ist. Egal wieviel man vorab versucht. Natürlich sollte man die Kinder darauf vorbereiten… aber ich glaube es ist auch ein wenig Glückssache. Wir haben damals mit Mia auch drei Bücher gehabt, wir waren eine Stunde im Krankenhaus bei einem Geschwisterkurs… was ich für sie total klasse fand. Zum Schluss gab es sogar eine Urkunde. Mia war aber auch schon kurz über drei, als Marlene kam und hat vieles verstanden, was wir ihr erklärt haben. Ich glaube bei kleineren Kindern ist es sehr viel schwieriger. Da Mia ja auch den Namen ausgesucht hat, war die Bindung immer relativ eng… und sie war auch entspannt! Wir hatten zum einen Glück und zum anderen Oma&Opa, die in den ersten zwei Wochen viel mit ihr gemacht haben, sie durfte vieles bei denen und sie wurde trotzdem immer zuerst begrüßt etc ( Marlenchen hat das ja damals noch nicht mitbekommen). Es dauert einfach alles seine Zeit, bis sich alles eingespielt hat!

  • Antworten Andrea 9. September 2017 at 19:56

    Was ein schöner Artikel! Du hast wieder einmal tolle Worte gefunden diese (eure) magische erste Zeit mit neuen Geschwisterkindern zu beschreiben. Ich wünsche Euch alles Gute und freue mich schon auf den Artikel zu Anni und dem #ohboy 🙂

  • Antworten Frauschroeder 10. September 2017 at 5:42

    Über (mögliche) Eifersucht habe ich mir bei meinem Bonuskind auch Gedanken gemacht. Er ist zwar schon acht und versteht natürlich vieles besser als so eine kleine Maus wie Mimi, aber trotzdem ändert sich ja doch was. Er wollte unsere Kleine sofort im Krankenhaus besuchen und war auch hin und weg von ihr. Aber man merkte (und merkt) auch, dass er unsere Aufmerksamkeit mehr fordert. So fängt er oft an irgendwas zu erzählen – und zwar wirklich IRGENDwas – damit wir ihm zuhören. Mein Mann hat das lange nicht so wahrgenommen, aber inzwischen hat er es auch erkannt. Aber ich denke, irgendwie gehört es auch dazu.

  • Antworten Sabrina 10. September 2017 at 8:38

    Liebe Janina,

    Ich denke die Vorstellung vom Geschwisterchen ist doch eine abstrakte Sache für ein Kind. Sie können sich noch nicht vorstellen wie es wird&dass ein kleines Baby viel Aufmerksamkeit braucht. Wir haben auch versucht unsern Sohn (5Jahre) vorzubereiten& er hat sich im Vorfeld sehr gefreut. Als seine Schwester (7Wochen) dann da war, freute er sich die nächsten 1.5 Wochen sehr. Die Kleine schlief viel&für ihn änderte sich somit im ersten Moment nicht viel. Als sich das ein wenig änderte&sie mehr mit ihrem Bäuchlein zu kämpfen hatte&wie sie mehr bei uns haben mussten,änderte sich das.
    Er würde wütend auf uns&gleichzeitig unsicher&fragte immer wieder ob wir ihn noch lieb hätten&wollte sich teilweise nicht von mir trennen.
    Als der KiGa startete nahmen wir ihn kurzerhand die erste Woche zu uns ins Bett, um ihm zu zeigen,du gehörst zu uns. Es hat funktioniert.
    Ich habe es auch unterschätzt,dass sich die ganze Familie neu finden muss,nicht nur die Kinder.

    Euch weiterhin viel Freude&alkes Liebe

    Sabrina

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