Familienleben Kolumne

LIEBE LEBEN | EIN JAHR VOLLER EMOTIONEN | GEDANKENKARUSSELL

15. Oktober 2017
Familenleben

 

Liebe leben,
ein Jahr voller Emotionen

 

„Ich lasse immer mehr los und gebe dem Leben die Möglichkeit „zu passieren“. Ich plane weniger, ich mache mir weniger Gedanken, die mir Energie rauben, über Dinge, die ich eh nicht ändern kann. Ich lasse das Leben in mein, in unser Leben. Ich vertraue viel mehr auf meinen Bauch und auf mein Herz. Ganz intuitiv. Und intuitiv entscheide ich. Für mich, für uns.
Ich vertraue in mich, ich vertraue in meinen Körper und ich vertraue in meine Kinder. Ich beuge mich nicht mehr vor gesellschaftlichen Erwartungen und Zwängen. Ich schaue, wie es für uns als Familie gut ist. Wie es sich für uns richtig anfühlt.“ 

 

Vor einem Jahr saß ich in der Lounge am Flughafen in Mexiko-Stadt. Zwischen vielen männlichen Kollegen und während sie da so vor sich hin sprachen und witzelten, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

„Janina, du schwanger. Du hast nicht zu viel Mexican Food genascht, nein, du wirst schwanger sein!“, schoss es mir durch den Kopf. Ich packte meine Tasche und rannte die Treppe hinunter zur nächsten Apotheke. Ja, und kurz darauf fand ich mich auf der Flughafentoilette wieder. Mit einem Test in der Hand. Meinem dritten Test. Positiv. Ich halte ihn behutsam fest und starre auf das Ergebnis. Schwanger. Wow. Ich bin schwanger. Der Wahnsinn. Ich höre mein eigenes Herz klopfen. Das Rauschen in meinen Ohren. Ich bin so voller Gefühle, dass ich fast platze. Ausnahmezustand. Gefühlswirrwarr. Aber ich kann nicht, ich stehe nur da und starre auf den Test. Ungläubig. Kurz darauf steige ich in den Flieger Richtung Heimat und ich bekomme die ganzen elf, zwölf Stunden Nachtflug nicht die Augen zu. Ich bin viel zu aufgeregt. Ein Baby, noch ein kleines Menschenskind für uns – welch großes Glück. Wir haben es uns so gewünscht. Immer wieder krame ich einen der drei Tests aus meiner Handtasche, als würde ich mich versichern wollen, ob es auch wirklich wahr ist. Ja, es ist wahr. Ein Plus, ein Schwanger, ein ganz ganz zart leuchtender Streifen. Schwanger.

Die wirklich putzige Geschichte, wie ich die Schwangerschaft in Mexiko fest stellte, könnt ihr HIER lesen.

Fast ein Jahr ist seitdem vergangen.
Seit dem Tag, als mir das Herz vor Aufregung und Glück bis zum Hals schlug. Ich erinnere mich noch immer gern daran zurück, an diesen Moment, wie ich mit Henry bei herrlichem Sonnenschein am Stadtsee auf der Parkbank saß. Daran, wie ich ihm das kleine Täschchen mit den Tests überreichte, wortlos, weil ich einfach viel zu aufgeregt war, und daran, wie er mich in den Arm nahm. So ein inniger, so ein intimer Moment zwischen uns. Mimi verschlief das alles in ihrem Kinderwagen und wir zwei saßen da, still, schauten uns immer wieder an, Hand in Hand, ineinander gelehnt. Das Wasser glitzerte im Sonnenschein und das laute Stadtleben zog einfach an uns vorbei. Ich hörte es nicht, ich war in meiner kleinen Blase der Glückseligkeit.

Ein Jahr ist das her.

Fügung.

{ schicksalhaftes Geschehen, Verknüpfung von Ereignissen, hinter der eine göttliche, übernatürliche Macht steht }

Seitdem ist so viel passiert und irgendwie auch nicht. Also eigentlich doch, von außen betrachtet. Aber so fühlt es sich für uns nicht an. Eher, als wäre es der selbstverständlich Gang. Eine Entwicklung, die sich so gut und so richtig anfühlt. Fügung. Ja, als wäre all das Fügung.

Diese Schwangerschaft war es. Dieses Jahr mit all seinen Erlebnissen war es. Fügung.
So viele Dinge sind passiert, die wir nicht aktiv geplant haben. So viele Dinge sind passiert, die unerwartet kamen. Die aber auch immer eine große Chance mit sich brachten. Fügung.

Ich lasse immer mehr los und gebe dem Leben die Möglichkeit „zu passieren“. Ich plane weniger, ich mache mir weniger Gedanken, die mir Energie rauben, über Dinge, die ich eh nicht ändern kann. Ich lasse das Leben in mein, in unser Leben. Ich vertraue viel mehr auf meinen Bauch und auf mein Herz. Ganz intuitiv. Und intuitiv entscheide ich. Für mich, für uns.
Ich vertraue in mich, ich vertraue in meinen Körper und ich vertraue in meine Kinder. Ich beuge mich nicht mehr vor gesellschaftlichen Erwartungen und Zwängen. Ich schaue, wie es für uns als Familie gut ist. Wie es sich für uns richtig anfühlt. Denn nur so ist es richtig. Für uns alle.

Ich habe in diesem Jahr wundervolle Menschen kennengelernt. Ich habe Wundervolles erlebt.
So habe ich eine Fernreise mit mir bis dato nahezu fremden Frauen gemacht. Ein waschechtes Abenteuer, so spannend und toll. Ich habe gelernt, mehr auf mich zu achten. Ich habe gelernt, Arbeit einfach mal zur Seite zu schieben, zu reduzieren und zu genießen. Loslassen, Prioritäten neu ordnen. Qualitätszeiten für meine Kinder noch intensiver zu nutzen und vor allem auch noch mehr echte Freizeit mit ihnen zu schaffen. Alles Dinge, die so wunderbar sind. Die das Leben so lebenswert machen. So schön und bunt und herrlich.
Wir sind umgezogen, spontan und völlig außerplanmäßig. Pläne, die wir hatten, haben wir umgeworfen und unerwartete Veränderungen haben wir angenommen. Denn jede Veränderung ist auch eine Chance.

Frei sein, in Gedanken.
Leben, nicht verplanen.

Leben und nicht die Marionette Anderer sein.
Den Fokus legen. Für sich und die eigene kleine Familie.
Mit positiven Gedanken durch den Alltag gehen. Negativen Energien keine Chance geben.
Denn sie wirken wie eine Abwärtsspirale. 
Ich schaue nicht auf Andere, ich lebe mich, ich lebe mein ganz eigenes Leben.
Freundlichkeit. Nächstenliebe. Liebe.

Ein Jahr. Ein aufregendes Jahr, in dem ich eine Schwangerschaft erleben durfte, die wunderschön war. So erfüllend und gut und so voller Kraft und positiver Energie. Und vor allem so frei von Angst. Ja, vollkommen frei von jeglicher Angst. Sorgenfrei und leicht. Dafür voller Selbstvertrauen, Stärke und Ruhe. Ich habe gelernt, für mich und meinen Körper einzustehen. Ich habe den Sommerjungen gespürt, in jeder Phase. Wie er wuchs, größer und stärker wurde. Ich habe schon in der Schwangerschaft eine sehr innige Verbindung zu ihm aufbauen können und bin dankbar für das, was wir nun haben. Was wir nun haben.

Die Schwangerschaft mit unserem Jungen hat mich ausgesöhnt, sie hat mich stark geerdet.
Zehn Monate, die sich anfühlten wie ein Wimpernschlag.

Ich wusste mit Eintreten der Schwangerschaft, was ich für mich möchte. Ich wusste auch, dass ich dafür stark genug bin. Stark genug, um dem gesellschaftlichen Druck Stand zu halten. Stark genug, für mich einzustehen und unseren Weg zu gehen. Nicht nur meinen, unseren.

Ich wusste, für mich ist das genau der richtige Weg. Eine Schwangerschaftsvorsorge auf Augenhöhe, bestärkend und schön. Begleitet von einer tollen und kompetenten Frau, meiner Hebamme. Begleitet von einem wirklich wundervollem Gynäkologen, der mit seiner Kompetenz und seiner offenen und wirklich sehr herzlichen Art unterstützt hat.
Mein Wunsch nach einer Hausgeburt. Dann ein Plan {nein, mein Plan} – erst ganz zart und dann konkret.
Eine Geburt, an die ich gern zurück denke. Die schön war. Selbstbestimmt. Heimelig. Die uns einen guten Start ermöglicht hat. Auch wenn nicht alles so lief, wie ich es mir erträumt habe. So war es doch schön und gut und geborgen.

Zwei Monate ist der kleine Junge alt. Zwei Monate, die gefüllt sind mit Leben. Mit Tränen des Glücks, mit Tränen der Angst, mit Tränen der Müdigkeit, mit Tränen der Dankbarkeit. Mit ganz viel Liebe. Mit Babyduft. Mit einem schönen Wochenbett. Mit vielen Kuschelzeiten, Haut an Haut. Mit Auszeiten. Mit schlaflosen Nächten. Mit Geschwisterstreit und noch mehr Geschwisterliebe. Zwei Monate fühlen sich an wie ein ganzes Leben. Als wäre er schon immer da, der kleine Junge. Aber auch Momente, in denen wir vor Erschöpfung kaum noch reden konnten oder wollten.

Wir sind jetzt fünf. Drei Kinder. Drei. Drei Wunder. Und meine Liebe hat sich verdreifacht. Ich muss lachen, wenn ich an meine Ängste denke, die ich in der Schwangerschaft mit dem kleinen Mädchen hatte. Angst, meine Liebe würde nicht für zwei Kinder reichen. Da ist so viel Liebe und sie wächst mit jedem Kind. Jedes Kind liebe ich auf meine ganz eigene Weise. Jedes Kind ist perfekt – so wie es ist. Sie sind allesamt mein großes Glück. Wir gehen unseren Weg, unseren ganz eigenen Weg – Hand in Hand und mit viel Liebe.

 

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14 Kommentare

  • Antworten Monic Einhirn 15. Oktober 2017 at 17:30

    Soooo ein schöner Beitrag!!! 😍😍

    • Antworten Janina 15. Oktober 2017 at 18:13

      Danke schön, da freue ich mich! <3

  • Antworten Jenny 15. Oktober 2017 at 19:37

    Liebe Janina,

    das hast du so schön geschrieben!
    Ich lese deine Texte (seit knapp einem Jahr) sehr gerne. Sie sind so echt und so herzlich. Ich finde es so toll, dass du für dich angekommen bist. Das ist so wichtig. Ich hoffe diese innere Ruhe für mich irgendwann. Endlich entspannter werden, den Haushalt, die Zwänge, das schlechte Gewissen mal links liegen lassen und einfach mal lockerer werden. Und die Ansprüche an sich selbst mal runter schrauben. Ein bisschen chaotisch sein… Ob man sich das antrainieren kann? 😁

    Die allerliebsten Grüße,
    Jenny

  • Antworten Nichtnocheinmuttiblog 15. Oktober 2017 at 20:59

    Wunderschöner Beitrag! ❤️ Und jetzt muss ich erstmal den von Mexiko lesen! ☝️😊

    • Antworten Janina 15. Oktober 2017 at 21:02

      Das war irgendwie so verrückt. Gefühlt: Ohne Baby nach Mexiko und mit Baby im Gepäck zurück. <3

  • Antworten Malin 16. Oktober 2017 at 8:27

    Warum bezeichnest du deinen Beitrag selbst als „putzig“? Lass doch die Leser entscheiden, wie sie ihn finden.

    • Antworten Janina 18. Oktober 2017 at 16:09

      Weil ich ihn putzig finde und dies mein Blog und meine Texte sind.
      Und so darf ich auch meine Meinung äußern. 🙂

  • Antworten Finja 17. Oktober 2017 at 6:49

    Wieder mal die richtigen Worte gefunden ✌😙 bewahre dir das Gefühl, lasse dich nicht mehr von außen erschüttern. Den Weg, den du gehst und gehen wirst, ist der deine..und so wird er auf seine Weise auch immer der richtige für dich sein… ❤🌹

    • Antworten Janina 18. Oktober 2017 at 16:09

      Danke dir! <3

      So fühlt es sich auch an!

  • Antworten Karin 17. Oktober 2017 at 20:53

    Wow, ich kenne niemanden, der seine Gefühle so niederschreiben kann wie du. Absolut fesselnd! Toller Beitrag! <3 Karin

  • Antworten YoungProudMom 19. Oktober 2017 at 11:34

    Liebe Janina,

    dein Text ist so wunderschön. Du hast mit deinen Worten so unglaublich recht! Ich lese so gerne von dir, weil ich das Gefühl habe, daran zu wachsen.

    Ganz liebe Grüße
    Jenny

    • Antworten Janina 20. Oktober 2017 at 16:23

      Liebe Jenny,

      deine Worte sind für mich ganz ganz kostbar!
      Ich danke dir sehr.

      Herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Verena Harth 24. Oktober 2017 at 10:15

    Wow, da kommen mir die Tränen. So wundervoll geschrieben 😍
    Durch deine Offenheit und deine Erzählungen gehe ich selbst alles ruhiger an und genieße alles viel mehr!

  • Antworten Samira 24. Oktober 2017 at 23:53

    Einfach toll und so gut nachvollziehbar !
    Ich lese deine Gedanken und Beiträge so gerne <3
    Liebe Grüße
    Samira

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