Gastautoren Kolumne Schwangerschaft

SCHWANGER IM AUSLAND – SCHWANGERSCHAFT UND GEBURT IN ÖSTERREICH

3. Oktober 2017
Schwanger in Österreich

 

Schwangerschaft & Geburt
in Österreich?
„Ja, passt scho‘!“

Meine liebe Leserin Britta hat es gewagt, das Abenteuer Österreich. Kurz nachdem sie mit ihrem Mann nach Wien gezogen ist, war sie schwanger. Ob es in Sachen Schwangerschaftsvorsorge und Geburt Unterschiede zu Deutschland gibt? Nein, möchte man meinen. Britta weiß aber, eine Schwangerschaftsvorsorge in Österreich ist sehr wohl anders. Lest aber selbst.

 

Schwanger im Ausland –
Schwangerschaftsvorsorge in Österreich

Im Jahr 2013 bot sich für meinem Mann beruflich die Chance ins Ausland zu gehen. Und tada! – Es wurde Österreich…

Nur kurze Zeit später sollte es mit unseren beiden Kindern (5 und 2 Jahre alt) losgehen. Ausland?? Zugegeben, ein bisschen verschnupft war ich schon, als unsere Familie und Freunde, die zwar traurig über unseren temporären Weggang waren, häufig betonten: „Naja, Österreich ist ja auch nicht richtig Ausland…“

Aber ein bisschen habe ich das natürlich auch gedacht. Dass wir aber sehr wohl im Ausland waren, haben wir spätestens gemerkt, als unser Auto in Österreich nicht zugelassen werden konnte und wir es wieder nach Deutschland bringen mussten; mein Beruf (Heilpädagogin) nicht auf einfachem Weg anerkannt wurde; und ich bei Palatschinken, Faschiertes und Paradeisern nur noch Bahnhof verstand.

Erst kurze Zeit in Wien, gab es schon die nächste Veränderung: Ich war Schwanger! Wir freuten uns sehr, jedoch kam auch schnell ein etwas mulmiges Gefühl dazu: Schwanger und weit weg von der Heimat, keine Familie zur Unterstützung in der Nähe, schon zwei kleine Kinder und einen Mann der viel arbeitet. Würde das alles zu schaffen sein?

Weit weg war leider auch mein sehr geschätzter und mich seit Jahren betreuender Gynäkologe, der mich auch in den ersten beiden Schwangerschaften begleitet hatte. In Wien fand ich zwar eine sehr nette und kompetente Ärztin, aber sie konnte den mir seit Jahren vertrauten Arzt irgendwie nie ganz ersetzen.

Für die großen Screenings wurde ich ins Spital überwiesen. Beim ersten Besuch dachte ich, ich ich wäre durch eine Zeitschleuse gelaufen und in der Vergangenheit gelandet. Medizinisch war das Spital sicher top ausstattet aber die Einrichtung… – Heiliger Bim Bam! Die Beschreibung des gynäkologische Stuhl erspare ich euch lieber… 🙂

Das erste Hebammengespräch fand in einem Raum mit anderen Schwangeren statt und für eine mögliche PDA wurden wir einfach direkt in einem Sammelgespräch aufgeklärt. Die Frage: “Gnädige Frau, das Gewicht, bitte?“, war da wohl noch die harmloseste Frage vor den anderen Schwangeren. Ich fühlte mich wie eine Nummer im System.

Es war so anders als bei meinen ersten Schwangerschaften, wo alles sehr gemütlich und privat war. Es wird sicher auch anders aussehende Spitäler in Wien geben, ich war aber eben dorthin überwiesen worden. Vielleicht war das auch der Unterschied Stadt/Land!? Ich weiß es nicht… Aber eines wusste ich: Ich hatte Bauchschmerzen. Ich wollte auf keinen Fall in dieses Spital.

In dieser Zeit vermisste ich meine Familie und unsere Freunde in der Heimat sehr. Mein Mann und unsere lieb gewonnenen Freunde in Wien waren ganz toll und versuchten mich so gut es ging aufzufangen, aber wir mussten trotzdem eine Lösung finden.
Diese kam, als ich mich mit einem Geburtshaus in Wien in Verbindung setzte. Auch unser Sohn war in einem Geburtshaus in Deutschland geboren worden, und so kam mir dieser Gedanke auch für die Geburt unseres dritten Kindes. Und ja, endlich waren wir angekommen! Im Geburtshaus wurden wir mit unseren Wünschen und Gedanken angenommen und ich fühlte mich – schwanger in der Ferne – nicht mehr so alleine und anonym.

Es wurde eine wunderbare Begleitung und Geburt.

Zusätzlich hatten wir Glück, da wir für unseren Auslandsaufenthalt in Deutschland privat krankenversichert waren und unsere Kosten von dort übernommen wurden. Denn leider werden in Österreich viele Hebammenleistungen nicht komplett von der Kasse übernommen und auch die Geburt im Geburtshaus musste zum größten Teil selbst finanziert werden.

Der Bauch wuchs und ich fieberte dem ersten CTG entgegen. „CTG? Wieso das denn? Habn’s Beschwerden?“. „Äh nein, aber es wird doch so ab der 28 Woche CTG geschrieben, oder nicht?“. Unsicherheit bei mir, belustigte Blicke seitens der Ärztin. „Geh‘ bitte…, erst wenn Sie über dem Termin sind oder Sie Beschwerden haben. Das macht hier sonst keiner vorher, völlig deppert.“ Aha… dann war ja alles geklärt.

Blieb ’nur‘ noch die Frage, was wir mit unseren großen Kindern machen würden, wenn es losgeht. Bei zwei schnellen vorherigen Geburten könnten 1.000 km Anreise für Großeltern oder Geschwister im Ernstfall evtl. etwas zu lange dauern.
Aber da zeigte meine Familie wie toll sie ist: Die Großeltern boten sich an, für drei Wochen um den Geburtstermin herum zu uns zu kommen und in einer Ferienwohnung zu übernachten.
Gesagt, getan! Die Großeltern reisten eine Woche vor ET an, damit sie auch ja zur Geburt da sein würden.

Aber ich drücke es mal so aus, ich kam noch zu meinem ersehnten CTG… und Oma und Opa bekamen langsam Angst, dass sie die Geburt vielleicht doch nicht mehr „live“ miterleben würden. Aber nein! Denn 10 Tage nach ET machte sich unsere kleine Maus dann doch noch auf den Weg zu uns.

Nach einer rasanten Fahrt mitten durch Wien und nach einer sehr schnellen Geburt wurde unsere Tochter in Wien im Geburtshaus geboren. Nach ein paar Stunden machten wir uns überglücklich wieder auf den Weg in unsere gemütliche Altbauwohnung und die ganze Familie durfte sich kennenlernen. Es war so unbegreiflich! Jetzt hatte sich tatsächlich unsere Familie weit weg von unsere Heimat vergrößert.

Mein Fazit:
Schwanger im Ausland? Für uns ja! „Passt scho‘!“, würden die Wiener sagen.

Ach ja…. Nein, durch die Geburt in Wien ist unsere Tochter keine Österreicherin, wir aber ein wenig mehr.

Bussi baba, Britta

schwanger im Ausland

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5 Kommentare

  • Antworten Sylvia 4. Oktober 2017 at 7:48

    Hihi da ich ja österreichische Leserin bin, ist das für mich grad etwas lustig. Ich würde aber sagen – ja es gibt hier in österreich grosse Unterschiede und zwar von Spital zu Spital. Hier bei mir im Bundesland Vorarlberg ist es üblich sich einige Krankenhäuser vorab anzuschauen und so zu entscheiden in welchem man entbinden möchte. Alle sind im Umkreis von 30min. und oft kommt es sich aufs gleiche ob man nach links oder rechts fährt. Die einen sind zB. sehr altmodisch eingerichtet, andere gerade frisch renoviert. Zum Glück darf man sich aussuchen wohin man geht. Meine Mama ist zB. damals extra 20min gefahren statt bei uns in der Stadt zu bleiben, weil zu dieser Zeit alle guten Ärzte eben dort vertreten waren und sie die hier unsympatisch fand. 😀

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at – Fotografie & Reiseblog

  • Antworten Kathi 4. Oktober 2017 at 13:41

    Hallo, ich hab in einem Spital entbunden. Es war mir so egal wie es dort aussieht und ob esyalt war usw . Ich war so bei mir und meinem Kind das ich es auch auf einer Wiese auf die Welt bringen hätte können. Für mich persönlich fand ich das tw. zuviele Untersuchungen gemacht wurden. Nicht alle empfinde ich Sinnvoll z.b 3 Mal Toxoplasmose Test.
    Ich hatte Glück das alles in Ordnung war und bin jetzt glückliche Mama eines Sohnes mit fast 2 Jahren.

    Habt es fein..

    • Antworten Britta 4. Oktober 2017 at 18:29

      Ja ich glaube auch, dass es von Spital zu Spital Unterschiede gibt. Aufgrund von festgestellten Antikörpern in meinem Blut haben mich allerdings nur zwei Spitäler angenommen. Von daher hatte ich keine Auswahl. Aber wenn es im Geburtshaus nicht geklappt hätte, wäre unsere Tochter sicher auch dort gut auf die Welt gekommen 😊

    • Antworten Britta 4. Oktober 2017 at 18:35

      Schön, dass du so ein schönes Geburtserlebnis hattest. So viel Gelassenheit hätte ich mir in manchen Situationen gewünscht.😊

  • Antworten Lili 5. Oktober 2017 at 6:42

    Hallo. Ich finde nicht dass bis auf die Sache mit dem altmodischen KH (allein in Wien gibt es etwa 20 Krankenhäuser und ich bin mir ziemlich sicher dass die Frauen in Wien wie auch in beispielsweise Niederösterreich selbst wählen können in welchen davon das Kind zur Welt kommen soll) und der Sache mit dem CTG auf Unterschiede eingegangen wurde…Schade. Denn ich bin aus Österreich, habe mir in dieser dritten Schwangerschaft ebenfalls eine private Hebamme „organisiert“ und hätte die Unterschiede zu Deutschland schon gerne erfahren. Was ich immer wieder in Blog-Beiträgen lese ist zB wie früh die Hebammen in der Schwangerschaft schon zu Hausbesuchen kommen. Ich bin jetzt in der 41 SSW und das erste Treffen stand erst in der 38. Woche beim ersten CTG an. (Ich kannte sie aber auch schon vorher daher war das kein Problem für mich ^^) Trotzdem ist es immer wieder lustig zu lesen wie „fremd“ Paradeiser, Faschiertes und CO für unsere Deutschen Nachbarn klingen. Liebe Grüße aus Niederösterreich 🙋🏼

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