Babys Kolumne Schwangerschaft

STILLEN IST LIEBE, FLÄSCHCHEN GEBEN EBENSO

22. Oktober 2017
Fläschchen geben oder stillen

 

Stillen ist Liebe, Fläschchen geben ebenso!

Stillen ist Liebe. 

Stillen ist so viel mehr als reine Nahrungsaufnahme. 

Stillen ist Nähe, Körperkontakt und ganz viel Mutterliebe. 

Jede Mutter möchte das beste für ihr Kind. Immer. 

Was aber das Beste ist, das ist ganz individuell. 

Denn auch Fläschchen geben kann Liebe sein

 

Ich stille nun mein drittes Kind. Voller Zuneigung und Hingabe. Weil ich es liebe. Weil es gut für uns ist. Für mich und mein Baby. Für mich persönlich ist es das ganz große Glück, mein Kind mit meiner Milch nähren zu können.

Ich habe bereits zwei Mädchen genährt, hatte zwei wundervolle Stillbeziehungen und genieße nun das dritte Mal diese ganz besonders innige Zeit. Jedes meiner Kinder ist so ganz eigen. Ein fertiger Mensch, der zu uns in unsere Arme kam. Verschiedene Charaktere, ganz tolle und starke Persönlichkeiten – jedes Kind für sich. Und so waren auch die Stillbeziehungen unterschiedlich. Bei einer musste ich mehr kämpfen als bei der anderen. Ein Kind wollte sich nicht abstillen und das Ende unserer damaligen Stillbeziehung war nicht schön, es macht mich sogar bis heute noch traurig. Ich hatte nicht die Geduld. Ich wollte nicht mehr stillen. Ich war nicht mehr bereit dafür. Und so traf ich damals eine radikale Entscheidung für uns beide. Eine Entscheidung, die ich heute nicht noch einmal so treffen würde. Niemals. Das war ein Weg, den ich heute gern anders gegangen wäre. Aber so ist es, das Leben. Man wächst, man reift, man verändert sich. Die Sichtweise verändert sich, Fortschritt und das ist gut.

Mein zweites Kind entschied für sich und stillte sich selbst ab. Mein kleines Mädchen wusste für sich, dass es bereit war. Es wusste, dass es diese Innigkeit in dieser Form nicht mehr braucht. Und das fühlt sich bis heute gut und richtig an. Ich empfinde Frieden und Stolz, wenn ich an diese Zeit denke. Und ich erinnere mich gern an diese wundervolle Zeit unserer Stillbeziehung zurück. Auch an das Ende. Denn das war von einer Tochter selbst bestimmt und damit vom Zeitpunkt und vom Gefühl perfekt.

Der kleine Junge, mein drittes Kind, war groß und schwer und kräftig, als es geboren wurde. Ich hatte gar keine Bedenken, dass auch er eifrig trinken würde. Dass auch er sich direkt nach der Geburt selbst zur Brust hochschieben, andocken und sich stillen würde. Aber das tat er nicht. Er war müde und er brauchte Zeit. Ich legte ihn immer wieder an. Wir lagen stundenlang, nackte Haut an nackte Haut, ganz eng zusammengenuschelt auf der Couch und kamen an. Leider musste der kleine Junge am späten Abend in die Klinik und bekam dort erst einmal Nahrung aus der Flasche. Ich pumpte ab und pumpte ab. Viele Tränen flossen und ich bestand immer wieder darauf, ihn stillen zu dürfen. Ich gab nicht auf und zeigte mich unbequem. Denn, ich wollte dieses Kind stillen. Ich wollte es UNS nicht nehmen lassen. Diese Nähe, und diese Geborgenheit. Mir war klar, das schaffen wir. Ich darf mich nur nicht abwimmeln lassen. Und so pumpte ich weiter ab, alle zwei Stunden. Die Milch schoss ein und ich konnte den kleinen Menschenjungen fortan stillen. Anfangs fiel es ihm schwer, war er doch die Flasche gewöhnt. Aber es brauchte nur zwei Tage und er trank wie ein kleiner Weltmeister – sowohl von der Brust, als auch aus dem Fläschchen.

Zurück zu Hause. Ich stille ihn liebend gern. Ich genieße diese Nähe, wie auch schon bei den beiden Mädchen so sehr. Und doch trinkt er ab und zu, nicht häufig, aber eben doch manchmal, ein Fläschchen vom Papa. Damit ich ein wenig ruhen kann. Schlaf finde. Damit ich ein wenig Luft habe und mir kleine Freiraum einräumen kann, um z. B. zur Maniküre zu gehen.

Immer wieder spreche ich mit Frauen. Anderen Müttern. Sie erzählen mir von ihren Erfahrungen. Manche berichten, sie hätten nicht oder nur kurz gestillt. Aus welchen Gründen auch immer. Sie sagen mir, sie würden bei dem Gedanken daran Traurigkeit verspüren. Sie sagen, sie hätten vielleicht versagt. Aber das stimmt nicht. Sie haben nicht versagt. Du hast nicht versagt. Du brauchst nicht traurig sein. Denn manchmal ist der Start in eine schöne Stillbeziehung nicht leicht. Und manchmal findet man nie hinein. Vielleicht sind da Schmerzen, vielleicht baut sich viel Stress und Angst auf. Das ist möglich, das ist nicht unnatürlich und erst recht nicht selten. Ja, manchmal ist der Start einfach schwierig und nicht schön. In diesem Falle sollte sich jede Mama bewusst machen: Das ist ok. Egal wie du dich entscheidest, egal ob du dein Kind stillen wirst oder dich dagegen entscheidest, es ist wirklich ok. Und so sehr das Stillen für mich persönlich auch Liebe ist, so kann auch das Füttern mit einem Fläschchen Liebe sein. Mit viel Körper- und Augenkontakt. Mit ganz viel inniger Qualitätszeit. Mit Zeit, die man sich zu zweit bewusst nimmt. Das Nähren mit dem Fläschchen kann also auch so viel mehr als Nahrungsaufnahme sein. Es kann auch Liebe und Nähe und Intimität bedeuten.

Wie so häufig im Leben gibt es nicht nur diesen einen richtigen Weg. Es gibt so viele Wege, und keiner ist die einzig wahre Lösung für alle Eltern, für jede Frau, für jedes Kind. 

Mamablog stillen

 

 

 

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16 Kommentare

  • Antworten Bini 22. Oktober 2017 at 18:36

    Wie recht du hast, liebe Janina! Ich liebe deine Kolumnen immer wieder so sehr, da du Emotionen und Zustände so wunderbar herrlich beschreiben kannst. Auch hier hast du wieder sehr passende Worte gefunden.

    Liebste Grüße,
    Bini

    • Antworten Janina 22. Oktober 2017 at 20:16

      Liebe Bini,

      das ist so lieb. Ich danke dir sehr für deine lieben Worte. <3

      Hab einen schönen Abend,
      Janina

  • Antworten Sandra 22. Oktober 2017 at 19:11

    Janina, mal wieder ein ganz toller Text von Dir. Ich bin ehrlich, ich wollte meine beiden Kinder nicht stillen, weil auch ich meine Freiräume brauche, nur so kann ich eine gute Mutter sein. Auch wenn ich das jetzt mit etwas Abstand so ehrlich sagen kann, fiel es mir damals doch sehr schwer mir das einzugestehen und das schlechte Gewissen zu verdrängen. Danke für Dein Verständnis für Mütter die nicht stillen und Deine ehrlichen Worte, dass es beim #ohboy in ganz wenigen Ausnahmefällen auch mal Fläschchen sein darf.

    • Antworten Janina 22. Oktober 2017 at 20:16

      Liebe Sandra,

      und ich finde, so eine Entscheidung für sich zu treffen ist vollkommen legitim und ja eigentlich auch nur fair. Für dich und dein Kind. Denn wenn es dir gut geht, geht es deinem Kind gut. <3

      Hier ist es wirklich noch sehr selten, aber manchmal gibt es das Fläschchen eben doch. Ich kann es bisher an zwei Händen abzählen, aber ich finde, das gibt mir auch ein wenig mehr Freiraum gefühlt.

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten janey77 22. Oktober 2017 at 19:18

    Danke für diesen Text. Denke, dass sich da einige wieder finden.

  • Antworten Sophia 22. Oktober 2017 at 19:26

    Danke für diesen Text, der Frauen wie mir Zuspruch gibt. Ich habe es bei zwei Kindern versucht, aber es hat aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Jetzt kommt der dritte Versuch und ich werde alles geben. Aber die Beziehung zu meinen Kindern ist trotzdem so innig, auch mit Fläschchen. Und natürlich dadurch auch zum Papi. 🙂
    Liebe Grüße,
    Sophia

    • Antworten Janina 22. Oktober 2017 at 20:13

      Liebe Sophia,

      so lieben Dank dir für deine Worte.
      Ich muss ja gestehen, mir ist ein wenig das herz aufgegangen, als ich gesehen habe, wie stolz Henry damals die Flasche gegeben hat.
      <3

      Ganz liebe Grüße an Dich
      Janina

      • Antworten Sophia 23. Oktober 2017 at 11:42

        Liebe Janina,
        das stimmt. Ich werde auch nicht vergessen, wie seelig mein Mann den kleinen die Flasche gegeben und dabei alles um sich herum vergessen hat.
        Und ein bisschen Freiheit für die Mami – wenn auch manchmal nur gefühlt – schadet sicher nicht.
        Liebe Grüße zurück,
        Sophia

  • Antworten Christiane 22. Oktober 2017 at 21:01

    Danke für deine Worte. Ich wollte meine Kinder immer stillen und es ging jedes Mal nicht. Die Jungs beide zu früh geboren, keine Kraft und ich ich beide Male keine (ausreichende) Mich. Ich habe das immer als persönliches Versagen angesehen. Das Gefühl ist zwangsläufig da und ich habe dafür sicher Kritik einstecken müssen. Es sind trotzdem tolle Jungs geworden.

    • Antworten Janina 22. Oktober 2017 at 21:32

      Liebe Christiane,

      ich finde, das hat niemals nie etwas mit versagen zu tun. Nie.
      Und Kinder, die nicht gestillt werden, erfahren genau so viel Liebe. Ihnen fehlt es an nichts.
      Ich denke, es braucht generell so viel mehr Verständnis, Akzeptanz und gegenseitiges Unterstützen.
      Familienbett oder nicht, Stillen oder Flasche, Tragen oder Kinderwagen – alles ist gut, alles ist richtig. Das ist alles so individuell, da gibt es einfach keinen perfekten Weg.

      Ganz ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Finja 23. Oktober 2017 at 0:59

    Du hast so recht, Liebe Janina..

    Und ich kann das Ganze so nur unterschreiben… dein Artikel ist wunderbar bejahend, für alle Formen der liebevollen Nahrungsaufnahme. Denn wie du schon sagst, Liebe und Geborgenheit kann mit Brust und Flasche gegeben werden. Ich persönlich habe das Privileg, Mein Kind so nähren zu können, wie ich es mir von Herzen gewünscht habe: ich stille. Und das, wie du, von Herzen gern. Aber auch bei uns war der Start bei weitem kein leichter. Vielleicht nehme ich deinen Artikel zum Anreiz, meine kleine Geschichte niederzuschreiben… mal sehen.

    Dir und dem Kleinen Jungen aber wünsche ich jetzt erst einmal weiterhin eine ganz wunderbare Stillbeziehung und dass sie weiter so verläuft, wie ihr beide sie euch wünscht 😙

    Ganz Liebe Grüße,
    Finja

  • Antworten Julia 23. Oktober 2017 at 8:10

    Hallo Janina,
    so wundervolle Worte! Ich sehe das auch so. Ich bin vor 8 Wochen das zweite mal Mama geworden und ich liebe es zu stillen, ich genieße diese Nähe, diese Liebe. Ich musste bei meiner anderen Tochter Stillhütchen benutzten, es klappte nicht anders und es war etwas komplizierter aber auch ganz toll. Man sollte sich nicht stressen lassen und kein druck machen.

  • Antworten Jenny 23. Oktober 2017 at 9:30

    Liebe Janina,

    Dankeschön für diesen wundervollen Beitrag. Ich bin gerade so gerührt von deinen Worten, weil ich finde, dass das Thema Stillen oder nicht stillen, so oft verschwiegen wird. Ganz viele Frauen schämen sich zu äußern das sie nicht stillen möchten und werden von anderen auch wirklich verurteilt. Das finde ich so schade. Ich selbst bin mir diesbezüglich noch so unsicher. Ich höre so viele verschiedene Meinungen und hoffe das ich nächstes Jahr im März einfach auf mein Herz und Bauchgefühl hören kann.

    Ganz liebe Grüße
    Jenny

    http://www.staedtebummlerin.com

  • Antworten Nela 23. Oktober 2017 at 9:40

    Liebe Janina,

    danke für den tollen Text!
    Bei mit war das Stillen so schwierig und schmerzhaft. Ich musste sogar meine Brustwarzen Lasern lassen aber auch das half nicht. Keine Hebamme konnte mir helfen. Es gab nur Druck und Stress von allen Seiten. So viel Druck, dass ich letztlich knapp 6 Monate unter Schmerzen gestillt habe. Die Beziehung zu meiner Tochter hatte daher einen schweren Start, weshalb ich wirklich unheimlich traurig bin.
    Es würde mich freuen, wenn es vielleicht bei dir Gastbeiträge zu unterschiedlichen Stillerfahrungen geben würde. Ich habe das Gefühl, dass es bei jedem so einfach ist bzw. war. Das wäre ein toller Austausch.

    Ganz lieben Gruß
    Nela

  • Antworten Kristina Dinges 23. Oktober 2017 at 20:23

    So ein wudervoller Beitrag. Ich wusste zwar nicht was mich erwartet und ob ich stillen „wollte“ aber ich habe mich durchgekämpft. Vorbei an der vielen Milch, vorbei an den Milchstaus und Schmerzen. Mittlerweile ist mein kleiner Mann schon 3 Monate alt und wir genießen unsere Stillbeziehung. Ich hätte niemals gedacht das es so schön sein kann und das es so etwas schönes gibt.

    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

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