Gastautoren Schwangerschaft

TREND: HAUSGEBURT? WARUM ICH WIEDER IN DER KLINIK ENTBINDE

8. November 2017
Klinikggeburt

Ihr lieben Frauen, heute ist Mittwoch und somit ist es wieder Zeit für einen Gastbeitrag. Heute erzählt Alina von wanderlustbaby.de, eine tolle Person, ich durfte die Drei auf Bali kennenlernen, warum sie sich gegen eine Hausgeburt und damit wieder für eine Geburt in der Klinik entschieden hat. Es ist so schön zu lesen, dass sie die Geburt in der Klinik als so schön und positiv wahrgenommen hat. So geht es mir mit meiner ersten Geburt, die ich hebammengeleitet in der Klinik bekommen habe. Auch diese Geburt war wunderschön und selbstbestimmt.

Alina findet ihr auch auf Instagram, HIER.

 

Trend Hausgeburt?
Warum ich mich wieder fürs Krankenhaus entscheide

Ich finde sie wunderschön. Fotos von Frauen in einem Geburtspool, mitten im heimischen Wohnzimmer. Fotos von frischgebackenen Mamas, die ihr Wunder an sich nehmen, sich auf die Brust legen und gemeinsam mit Papa und vielleicht sogar kleineren Geschwistern bewundern. Zuhause. Kein Kreißsaal, kein kaltes Krankenhauszimmer, keine fremden Menschen. Nur bekannte Gesichter, eine (oder zwei) lieb gewonnene Hebamme und dein Baby. Die Vorstellung einer Hausgeburt finde ich wahnsinnig schön. Und so richtig. Ich bin ein Mensch, der viel und gern auf die Natur und unsere eigenen Kräfte vertraut. Und dennoch – ich könnte es nicht. Eine Barriere, die für mich unüberwindbar scheint. Ich fühle mich, wenn ich mein Baby zur Welt bringe, im Krankenhaus sicherer. 

Und ich frage mich – muss ich diese Unsicherheit im Hinblick auf eine Hausgeburt denn wirklich überwinden und ablegen? Ist bei mir im Kopf irgendwo ein Schalter, den man umklappen kann und vor allem soll? Ist eine Hausgeburt für jede Frau das einzig Wahre? Kann man sich mit gutem Gewissen eingestehen: Ich wünsche mir eine Geburt im Krankenhaus, weil ich mich so wohler fühle? Fragen über Fragen, die mich nun schon eine Zeit lang beschäftigten. Meine Gedanken möchte ich mit euch teilen.

Rückblick. Demian kommt 2015 an einem sonnigen Sonntag in dem sonst so oft grauen November zur Welt. Im Krankenhaus. Für mich stellte sich damals nie die Frage, ob es eine Hausgeburt werden sollte. Was für eine Erstgebärende sicherlich auch nicht ungewöhnlich ist, schließlich weiss man nur von Hörensagen, was auf einen zukommt. Medizinische „Vollbetreuung“ war für mich absolut normal und ich hätte es mir auch nicht anders gewünscht. Es sollen bitte Ärzte in der Nähe sein, die im Zweifelsfall eingreifen. Es sollen Medikamente verfügbar sein – vor allem Schmerzmittel (was man alles so über eine Geburt hört, ist nun nicht gerade was für die Schmerzempfindlichsten unter uns…).

Die Wehen dauerten insgesamt 12 Stunden und kamen von Beginn an in 3 Minuten-Takt. Und dann direkt im Minutentakt (mein Mann hat gemessen, weil er es selbst nicht glauben konnte, dass die SO schnell hintereinander kommen sollten und wir noch ganz am Anfang standen). Ende der Geschichte: Eine PDA, die mir zumindest einige Stunden lang wieder halbwegs ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte. Ich war so glücklich, diese Option gehabt zu haben. Demian hat sich Zeit gelassen. Erst als das Köpfchen draussen war, kam der Grund dafür zum Vorschein: Er hatte die Nabelschnur zwei Mal um den Hals gewickelt. Wir sind knapp an einer Saugglocke vorbeigekommen. Er hat die ersten Sekunden wohl keinen Schrei von sich gegeben – ich weiss es absolut nicht mehr, aber mein Mann hat es mir im Nachhinein erzählt. Puh, zum Glück war ich noch so in Trance,  dass ich da gar nicht erst Panik entwickeln konnte.

Aber es war eine wunderbare Geburt. Es hört sich irgendwie dramatisch an, wenn ich all die Details niederschreibe. Aber für mich war es eine schöne Geburt. Das Personal war durch und durch top. Junge Ärztinnen und Hebammen, ein Anästhesie-Team, mit dem ich trotz heftiger Wehen noch Witze gerissen habe. Eine ganz tolle Schülerin, die uns durch die gesamte Geburt liebevoll begleitet hat. Ich fühlte mich so gut aufgehoben. Und sicher. Ich war mir sicher, dass sie wissen, was sie tun. Dass sie eingreifen, wenn es sein MUSS, nicht weil sie es endlich hinter sich bringen wollen (leider liest man ja auch solche grausamen Berichte).

Es kam nichts, was ich hätte bemängeln können. Naja, doch. Die ständige Überwachung (CTG, Abtasten) und die vielen Schläuche (dazu kommt, dass ich Nadeln furchtbar hasse). Vielleicht war ich einfach so unerfahren und habe nicht auf alles geachtet? Ich weiss es nicht. Aber für mich war schon damals klar: Ich möchte mein nächstes Kind wieder in diesem Krankenhaus entbinden.

Eine Hausgeburt kommt für mich nach wie vor nicht in Frage. Obwohl ich so viele wunderbare Geburtsberichte gelesen habe, obwohl ich nicht mehr ganz so unerfahren bin und eigentlich auch weiss, dass es der Körper auch ohne Schmerzmittel, andauerndes CTG schreiben, Infusionen etc. schafft. Aber ich möchte die Möglichkeit haben, direkt Hilfe zu bekommen – sei es eine PDA oder ein Kinderarzt, der das Kind nach der Geburt direkt versorgen könnte, wenn es denn notwendig sein würde. Diese Sicherheit benötigt wohl mehr mein Kopf als mein Körper. Und dessen bin ich mir bewusst. Aber was würde es bringen, mich hier auf Teufel komm raus zu verbiegen? In eine Geburt sollte man voller Zuversicht und Selbstbewusstsein gehen, ohne jegliche Zweifel, dass es eine wunderbare, wenn auch kraftraubende Erfahrung sein wird. Ganz egal, ob es nun ein Krankenhaus, ein Geburtshaus oder das eigene Wohnzimmer ist. Der Kopf gehört dazu. Auf ihn muss man ebenfalls hören, genau wie aufs Herz.

Ich werde mein Baby wieder im Krankenhaus zur Welt bringen. Und ich hoffe wieder auf so ein tolles Team aus Ärzten und Hebammen, wie ich es damals hatte. Natürlich liest man auch nicht so schöne Dinge übers Krankenhaus: voreiliger Kaiserschnitt, Personalmangel, unfreundliche Mitarbeiter und noch ganz viel mehr. Aber davon lasse ich mich nicht beeindrucken, weil ich es einfach anders erlebt habe.

Nach wie vor lese ich wahnsinnig gerne Berichte über Hausgeburten. Es macht mich glücklich zu sehen, wie viele Frauen so eine große Portion Vertrauen in ihren Körper haben. Wirklich! Es ist großartig! Ich freue mich jedes Mal, wenn ich Fotos von glücklichen Familien sehe, die das Abenteuer Hausgeburt erfolgreich gemeistert haben. Ihr könnt stolz auf euch sein! Genau wie all die Mamas, die ihre Babys im Krankenhaus bekommen haben.

Nicht für jeden ist eine Hausgeburt die beste Lösung. Aber das ist auch vollkommen in Ordnung so. Hier gibt es kein „so ist es richtig“ oder „so ist es besser“. Eine Geburt ist einzigartig, jede Mama ist einzigartig, jedes Baby und jede Geburt. An alle werdenden Mamas, die gerade kugeln: Ich wünsche euch allen eine wunderbare Erfahrung, wenn eure Kinder das Licht der Welt erblicken! Richtet alles so ein, dass IHR euch wohl fühlt!

Alina von wanderlustbaby.de

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7 Kommentare

  • Antworten Steffi 8. November 2017 at 20:00

    Liebe Alina,
    ich sehe das ganz genau so wie du. Auch ich finde es toll, wenn Frauen sich für eine Hausgeburt entscheiden. Für mich war das aber nichts. Beim ersten Kind ging alles so schnell, dass die Herztöne runter gingen und er mit der Zange geholt werden musste. Und der zweite lag in Beckenendlage. Das hätte ich niemals zu Hause gemacht. Man weiß vorher ja schon, dass es zu Komplikationen kommen kann und dann schnell gehandelt werden muss. Es hat alles prima geklappt, aber das weiß man einfach vorher nicht.
    LG Steffi

  • Antworten Kerstin 9. November 2017 at 6:44

    Liebe Alina,
    vielen Dank für deinen wunderbaren Artikel. Du hast Recht, jede Frau soll selbst entscheiden dürfen, wo und mit wem sie ihr Baby auf die Welt bringen wird. Die eine Frau braucht die Sicherheit einer Klinik im Rücken, um ihr Kind zu gebären, eine andere eher die Intimität und Ruhe von zu Hause. Und deshalb müssen wir Frauen uns nicht rechtfertigen oder gegenseitig messen, wer die tollste oder schlimmste Geburt hatte, sondern dafür kämpfen, das Frauen die Wahlmöglichkeit haben in die Wunschklinik mit einer 1:1Betreuung zu gehen, oder aber eine Hausgeburtshebamme zu finden. Beide Optionen sind leider im Moment kaum vorhanden!
    Liebe Grüße Kerstin

  • Antworten Nika 9. November 2017 at 14:30

    Liebe Alina,

    vielen Dank für den tollen und ehrlichen Beitrag. Genau so ist es!:-) Ich hatte bei meinem ersten Kind eine Hausgeburt, mir war einfach bei dem Gedanken an ein Krankenhaus und die ganzen fremden Menschen dort total unwohl- ich hätte mich glaube ich nie so „öffnen“ können wie zuhause 😉 Aber ich kann deine Gedankengänge sehr gut nachvollziehen und finde es richtig,dass du deinen eigenen Weg gehst. Alles Gute für dich!

    Viele Grüße,
    Nika

  • Antworten Laura 10. November 2017 at 1:56

    Ich bin total begeistert, dass das mal jemand geschrieben hat. Ein ganz toller Beitrag, wirklich! Diesen verbuche ich unteranderem auch unter dem Stichwort „Mut“! Dazu zustehen und einfach mal bewusst den „alten“ Weg einzuschlagen 🙂 Klasse! Und ganz richtig, ja: Man muss nicht jede Angst überwinden. Ängste sind schließlich nicht immer etwas negatives. Sie bewahren uns vor Bösem und geben uns Schutz. Nichts wäre fataler, als sich während der Geburt nicht wohlfühlen zu können.
    Ich finde es auch richtig klasse, dass gerade auf oh-wunderbar.de dieser Beitrag veröffentlich wurde. Janina hatte ja, wie wir wissen, eine Hausgeburt. Zwei Frauen – eine große Gemeinsamkeit – unterschiedliche Wege.
    TOLL 🙂 <3
    Danke Janina. Du bist einfach so ein toleranter, offener Mensch. Das zeigt, dass es in deiner Welt nicht nur deine eigene Meinung zählt – du auch andere Meinungen zulässt. Das ist so viel wert und das macht dich aus! <3

    • Antworten Janina 10. November 2017 at 17:41

      Liebe Laura,

      ich danke dir so. <3

      Ich finde es auch einfach wichtig, dass die lieben Leserinnen eben auch die Möglichkeit haben, die unterschiedlichen Gedanken und Beweggründe kennenzulernen. Und ich bin absolut deiner und auch Alinas Meinung, wichtig ist nur, dass Frau sich sicher und wohl fühlt. Und da wir alle unterschiedlich sind, gibt es nie nur einen Weg. Ich hatte bei Anni ja selbst eine sehr schöne Klinikgeburt und ich bin mir sicher, eine Hausgeburt wäre damals noch nichts für mich gewesen. Meine beste Freundin zum Beispiel hat ihre perfekte, selbstbestimmte Geburt erst vor drei Wochen in der Klinik erlebt, eine andere im Geburtshaus. Ich finde einfach, da darf es nicht um "Trend" gehen. Weil dafür sind die Bedürfnisse einfach zu unterschiedlich. <3

      Ich sende dir liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Dani 11. November 2017 at 19:58

    Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Man kommt sich heutzutage ja schon fast komisch vor, wenn man sagt man hätte zwei wundervolle, selbstbestimmte Klinikgeburten und würde immer wieder ins Krankenhaus gehen.

    • Antworten Janina 12. November 2017 at 18:34

      Liebe Dani,

      findest du? Dabei kommen ja wirklich fast alle Kinder in der Klinik zur Welt und in meinem Umfeld gibt es so viele Frauen, die schöne Geburten in der Klinik erlebt haben. Natürlich gibt es auch das Gegenteil, aber ich denke das liegt in der Waage. 🙂

      Ganz herzliche Grüße an Dich
      Janina

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