Kolumne

DAS LEBEN TEILT DIE KARTEN AUS | LEBEN ZWISCHEN DEN ZWEIFELN | OH LIFE

27. Januar 2018
Das Leben teilt die Karten aus

 

Das Leben teilt die Karten aus –
DIESER RUCKSACK HEISST LEBEN!

Weißt du, eigentlich kannst du nichts verlieren. Nur gewinnen.

Das Leben teilt die Karten aus und darauf, wie das Blatt ausschaut, hat man so gar keinen Einfluss. Ganz zu Beginn deines Lebens wird es dir gelegt. Da gibt es so viele Faktoren. Wo wirst du geboren, wer sind deine Eltern, wie wirst du erzogen – das und so vieles mehr spielt da eine Rolle. Man muss das Blatt {des Lebens} also so nehmen, wie es kommt und dann versuchen, es so gut wie nur möglich für sich zu nutzen und auszuspielen.

Heute bin ich 35 und ich habe drei Kinder. Ich war verheiratet, bin es nicht mehr und lebe jetzt in einer guten und soliden Beziehung. Ich habe Arbeit, ich muss nicht hungern, ich bin gesund. Mir geht es gut.

Man könnte meinen, mein Blatt war gut. Man könnte denken, ich hatte einfach großes Glück mit diesem Blatt, was man zu Beginn seines Lebens gelegt bekommt. Aber das stimmt so nicht ganz. Mein Blatt war durchwachsen, so gut durchwachsen wie  ein Stück Rindernacken. Da gab es vorteilhafte, gute Karten, aber eben auch Karten, die es mir nicht immer unbedingt leicht und einfach gemacht haben.

„Everything happens for a reason“? – Nein, nicht alles passiert aus einem bestimmten Grund. Das glaube ich nicht. Ich denke, vieles im Leben fügt sich. Vieles passiert, ist man bereit, es zuzulassen. Bestimmt. Aber nicht alles passiert aus einem Grund. Manches passiert einfach. Einfach so, weil es passiert.  

Oft heißt es: „Du kannst alles erreichen, alles tun, alles sein, wenn du es nur wirklich willst!“ oder aber dir wird gesagt: „Jeder ist sein Glückes Schmied!“. Ja, wir alle kennen diese Floskeln. Und ja, ich bin auch fest davon überzeugt, dass diese zum Teil wahr sind und ihre Berechtigung haben. Wir haben vieles in der Hand. Wir können unser Leben (bis zu einem bestimmten Grad) steuern und beeinflussen. Mindset ist da ein großes Thema. Genau so wie Ehrgeiz und Fleiß und Wille. Eine positive, lebensbejahende Lebenseinstellung. Und doch darf man nicht vergessen, dass ein jeder Mensch anders ist. Dass ein jeder Mensch mit seinem ganz eigenen Päckchen geboren wird und seine eigenen Karten im Gepäck hat. Wir sind individuell. Wir könnten alle nicht unterschiedlicher sein. Und vor allem, wir werden hineingeboren. Hineingeboren in Familien, in Systeme, in eine Umgebung, auf die wir keinen Einfluss haben. Die ersten Jahre unserer Kindheit könnten nicht prägender sein. Sie sind wichtig, sie formen uns. Sie stellen unsere Basis dar. Die ersten Jahre entscheiden, wie wir später zum Leben stehen. Ob wir vertrauen können oder skeptisch sind. Das Blatt entscheidet, ob wir beschützt und in Vertrauen wachsen dürfen oder ob wir Angst und Unsicherheit leiden. Das Blatt des Lebens kann so verdammt unfair sein. Ja, das Blatt ist sogar ziemlich oft ziemlich ungerecht und manchmal ist diese Tatsache kaum zu ertragen. Und so sehr ich glaube, dass wir wirklich vieles erreichen können, wenn wir nur wollen, so gibt es eben auch sicher Grenzen. Egal welcher Art, ob nun körperlich oder emotional oder anderer Manier.

Noch heute denke ich oft darüber nach, was mein Blatt eigentlich für eine Bedeutung für mich und mein Leben hat. Ich frage mich nicht, was ich hätte sein können, wäre es anders gelegt worden, nein. Aber ich frage mich manchmal, ob ich das Beste aus meinen persönlichen Vorraussetzungen herausgeholt habe. Mein Lebenslauf ist bunt und wirr und irgendwie ziemlich chaotisch. Aber so war auch mein Leben. Wenn ich an meine Kindheit denke, sind da viele Emotionen. Positive wie Negative. Da ist viel Liebe und Freiheit, aber auch Trauer und Traurigkeit. Und lange war da auch Wut. Da sind Dinge, die musste ich aufarbeiten und das hat mich Jahre gekostet. Jahre des „wegschiebens“ und dann eben Jahre der Konfrontation und des Aufarbeitens. Kurzum: Obwohl da viel Liebe war, hat es mir oft an Liebe gefehlt. Ein roter Faden in meinem Leben. Das Blatt. Mein Blatt. Ich musste immer alles anders machen. Ich bin generell immer lieber den schwereren Weg gegangen. Um dann festzustellen, dass es {welch Wunder}, doch nicht mein Weg ist. Manchmal habe ich mich verloren gefühlt. War mutlos. Hab mich dem Leben und der Situation ergeben. Heute bin ich das nicht mehr. Ich nehme mein Leben heute in die Hand. Ich treffe Entscheidungen. Es fällt mir noch immer nicht leicht, nein, aber ich treffe sie, weil ich weiß, dass sie getroffen werden müssen.

Was bin ich früh ausgezogen. Noch in der Ausbildung. Mit null Lebenserfahrung und noch weniger Kohle. Ich hab die Ausbildung gemacht und hab nebenbei am Wochenende in einer kleinen „Fabrik“ Schrauben sortiert. Ich weiß, wie es ist, auf den Pfennig achten zu müssen und das hat mich oft frustriert. Und lange habe ich nicht das Gute daran gesehen, dabei ist da Gutes, nämlich, dass ich dadurch vieles gelernt habe und etwas für mein Leben mitnehmen konnte. Wertschätzung, zum Beispiel. Und haushalten. Manchmal durchläuft man im Leben Phasen, die sind, gelinde ausgedrückt, schlechter als schlecht. Die hinerlassen Narben. Die hinterlassen Zweifel. Vielleicht auch Ängste oder Wut. Aber wenn man da ansetzt, sich auseinandersetzt, dann kann man daraus viel ziehen. Meine Seele trägt Narben. Sie sind Zeuge für meinen Weg. Ein Weg, auf dem ich manchmal verzweifelt bin. Wo ich mich einsam und verloren gefühlt habe. Manchmal dachte ich, ich schmeiß hin. Aber was wäre dann? Zusammengekauert im Bett verkriechen funktioniert höchstens zwei Tage lang, dann wird man von seinem Leben und den eigenen Gedanken eingeholt. Das Leben ist lebenswert. Egal wie schlecht das Blatt auch gerade scheint, es ist verdammt nochmal lebenswert. Man muss das Licht am Ende des Tunnels immer Auge behalten. Wisst ihr, meine Hebamme sagte mal was zu mir: „Janina, was in der Vergangenheit ist, liegt in der Vergangenheit. Und die Zukunft ist Zukunft. Wir wissen nicht, was sein wird. Aber heute, heute ist alles gut. Heute haben wir es in der Hand. Wir wissen, was wir jetzt, heute, in diesem Moment haben. Man muss Vertrauen und sich auf den heutigen Tag konzentrieren!“. {Nicht O-Ton, aber im Kern waren es ihre Worte}.

Es gibt nur zwei Tage in deinem Leben, die du nicht ändern kannst. 
Der eine ist gestern und der andere ist morgen. 

Ich habe euch schon so oft erzählt, dass das Leben nicht nur aus Sonnenschein bestehen kann. Und dass es auch gar nicht erstrebenswert ist, Perfektion zu erwarten. Denn das wird es nicht geben. Das ist nicht zu schaffen. Letztendlich wird uns dieser Druck, den wir uns mit diesem Anspruch aufbürden, nur eines, zu Fall bringen. Deshalb lautet mein Lebesnmotto:

„Maybe it’s not about the happy ending.
Maybe it’s about the story!“.

Vieles in meinem Leben lief nicht glatt. Ganz im Gegenteil. Ich hab immer gern den Umweg genommen. Vieles erschien mir dann so unfassbar dumm, so falsch, so schlecht und das war es in dem Moment auch, sicherlich. Aber eben diese Erfahrungen haben den Menschen aus mir gemacht, der ich jetzt bin. Ich habe daraus gelernt oder bin gestärkt aus dieser Situation hervorgegangen. Wisst ihr, manches macht erst im Nachhinein einen Sinn. Manches macht niemals Sinn. Aber es bringt uns Stärke. Und Weisheit. Obwohl ich so vieles in all den Jahren begriffen habe, mache ich noch immer Fehler. In schlechten Momenten zweifle ich noch immer. Die Zweifel sind immer da, sie begleiten mich, sie gehören zu mir. Sie keimen immer mal wieder auf und dann merke ich, dass ich ihnen heute gut begegnen kann. Dass sie mich nicht mehr komplett aus der Bahn werfen. Dass ich nicht mehr in das „ich mach mich klein“- Muster zurückfalle. Heute lenke ich nicht mehr davon ab. Denn wir alle haben unser Päckchen zu tragen. Wir alle haben diesen einen Rucksack, der uns unser Leben lang begleitet. Bei manch einem von uns ist er leichter, beim nächsten schwerer.

Dieser Rucksack heißt Leben. 

 

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14 Kommentare

  • Antworten Julia 28. Januar 2018 at 8:16

    Wow, danke Janina, für diesen tollen Blogpost. Ich glaube, er hat mir bislang am allerbesten gefallen und du hattest schon viele tolle 🙂 Habe mich in sehr vielen Sätzen wiedergefunden. Ich denke auch, man kann viel in seinem Leben steuern, aber eben nicht 100% alles. Das sollte man sich immer vor Augen halten, das nimmt einem sicherlich den Druck. Sonst kann man eigentlich nur enttäuscht werden. Sprüche wie „Gibt jeden Tag nicht 100, sondern 120%“, „Du hast dein Leben in der Hand, mach das Beste draus“ oder auch „You only live once“ (Wer sagt das eigentlich? Interessanterweise ist dieser Spruch erst seit einigen Jahren im Trend. Nicht, dass man unbedingt an ein Leben danach glauben muss, aber diese Menschen haben es sicher entspannter…) kann ich überhaupt nicht leiden. Klar sollte man sich nicht nur auf die Couch legen und klar hat man ein bisschen was in der Hand, aber eben nicht alles. Und ich finde, man sollte auch mal schwach sein dürfen, das ist schließlich menschlich.
    Liebe Grüße 🙂

    • Antworten Janina 28. Januar 2018 at 17:52

      Liebe Julia,

      ich habe mich wirklich sehr über deine Worte gefreut.
      Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag und die Worte sind förmlich einfach so darauf los getippt. Die Gedanken trage ich schon lange mit mir herum und als ich sie dann gestern nieder geschrieben habe, war ich mir erst nicht zu Hundert Prozent sicher, ob ich sie auch veröffentlichen soll.

      Du hast Recht. Ich finde viele salopp dahingesagte Sprüche machen es einem manchmal noch schwerer. Sie erhöhen den Druck, den man ja häufig schon hat, noch einmal enorm.

      Noch einmal ganz ganz lieben Dank dir,
      Janina

  • Antworten Anni 28. Januar 2018 at 17:47

    Liebe Janina!
    Wie so oft treffen Deine Texte bei mir mitten ins Herz.
    Vielen Dank😘

    • Antworten Janina 28. Januar 2018 at 18:00

      Liebe Anni,

      ich danke dir so sehr.
      DANKE! <3

      Janina

  • Antworten Tini Busch 28. Januar 2018 at 18:02

    Liebe Janina, Dein neuer Blogbeitrag ist großartig und mir ging dabei so vieles durch den Kopf! Ich werde ihn jetzt erstmal wirken lassen! ❤️

  • Antworten Leamariaantonia 28. Januar 2018 at 18:08

    Liebe Janina,
    Was ein schöner Blog Beitrag. Ich kenne so viele schreckliche Situationen die Menschen in ihrem Leben ertragen mussten, und ihr in eurer Familie kennt mindestens genauso viele. Da sind Sprüche wie: man erfährt nur so viel wie man ertragen kann; oder : am Ende wird alles gut wenig hilfreich. Ich finde es schön, wie du schreibst, dass manche Dinge einfach passieren ohne Vorwarnung ohne Grund einfach so man kann es nicht ändern und man muss es auch nicht als fördernd betrachten, aber man muss damit leben.
    Vielen Dank für den schönen Text!
    Liebe Grüße.

  • Antworten Julia 28. Januar 2018 at 18:33

    Hallo Janina,
    Mir gefällt dieser Blogpost unglaublich gut! Ich arbeite gerade selber an einem, der mich schon lange begleitet und sich mit deinem hier an einigen Stellen überschneidet. Du hast absolut recht, und genau das ist es, was das Leben ausmacht.
    Ich habe an meiner Schlafzimmertür einen Spruch hängen, der dein Kernthema trifft:
    „Nicht was uns geschieht, sondern wie wir mit dem umgehen, was uns geschieht ist entscheident!“
    Gestern habe ich mir alte Bilder angesehen und so für mich gedacht, mein Leben war ganz sicher nicht perfekt. Es gab von allem was auf meinem Weg, aber insgesamt gesehen möchte ich trotzdem nichts davon missen, denn es hat mir geholfen, die Person zu werden, die ich schon bin und ist irgendwo auch die Grundlage für den Menschen, der ich einmal sein möchte.
    Wenn mein Blog fertig und veröffentlicht ist „Kann man Sorgen Sorgen sein lassen?“
    Dann würde ich mich wirklich riesig über einen Kommentar von dir freuen!
    Liebe Grüße und Danke für dieses Post!
    Julia

  • Antworten Frau Kakao 28. Januar 2018 at 20:14

    Liebe Janina,
    danke für Deinen ehrlichen und berührenden Post. In Deinen Worten finde ich mich wieder. Sie bringen etwas in mir zum klingen und geben mir neue Denkanstöße. Du hast absolut Recht. Wenn wir erst bereit dafür sind, wird sich alles fügen. Ich würde mich über mehr solcher tollen Beiträge echt freuen.

  • Antworten Jennifer Tschirp 28. Januar 2018 at 20:29

    Ich denke, die Karten werden über unsere gesamte Lebenszeit verteilt und wir hangeln uns, nach bestem Wissen und Gewissen, da durch! Manchmal mehr und manchmal weniger gut, wie wir rückblickend erkennen können. Ich muss gestehen, mir fällt dieses Lebensding mit zunehmenden Alter immer leichter. Ein Hoch auf die 30+^^ Liebste Grüße, Jen

  • Antworten Tamara 28. Januar 2018 at 20:51

    Liebe Janina,
    ich bin eine deiner eher stillen Leserinnen. Aber auch dieser Text (das haben auch einige davor schon geschafft, dieser aber irgendwie nochmal besonders!) hat mich mitten ins Herz getroffen. Da steckt so viel Wahres drin, so vieles in dem ich mich wieder erkennen und wiederum auch nicht, denn wie du auch schreibst wir alle sind unterschiedlich, unterschiedlicher könnten wir kaum sein.
    Danke für das Teilen dieser tollen Gedanken!
    & Danke das du so herzerfrischend bist, bleib wie du bist, du machst das Toll ☺️

  • Antworten Mary_andthekids 28. Januar 2018 at 22:44

    Oh wow, wie tiefsinnig bemerkt und geschrieben. Das Leben mischt die Karten… Und wir haben nicht immer Einfluss dadrauf.. eigentlich ganz klar und deutlich und doch nicht immer selbstverständlich. Vieles heutzutage setzt uns unter Druck. Dieser Beitrag nimmt ihn. Lässt wieder stolz Vaude sich selbst sein und weckt Glauben an sich.. danke danke danke… Deswegen bist du so besonders unter den Bloggern!

  • Antworten Kathrin 29. Januar 2018 at 21:22

    Liebe Janina,
    Danke für diesen wundervollen Text! 💕

  • Antworten Mel 1. Februar 2018 at 21:41

    Liebe Janina,
    ich finde deinen Blogeintrag einfach sehr gelungen, ich fühle mich wirklich berührt und du hast vollkommen Recht! Mach weiter so!

  • Antworten Karo 3. Februar 2018 at 20:33

    DANKE für diesen sehr persönlichen und wunderschönen Text. Er traf mein Herz ❤️

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