Kolumne

AUF AUGENHÖHE! | BEZIEHUNGSKISTEN

11. Februar 2018

Auf Augenhöhe!

Damals, ich weiß es noch genau, ich war 13 Jahre alt und mit meiner Freundin Pamela mit dem Fahrrad unterwegs. Ich war noch so richtig Kind, Jungs interessierten mich (noch) nicht. So saßen wir im Park auf der Bank, als plötzlich ein mir unbekannter (und etwas älterer) Junge mit vollen dunkelbraunen Haaren und noch dunkleren Augen an uns vorbei fuhr. Ich sah ihn und war fasziniert. „Den heirate ich mal!“, dachte ich. Ich weiß es noch, als wär es vorgestern gewesen. Und der Gedanke hat mich damals selbst überrascht, weil ich Jungs bis dahin wirklich selten blöd fand. „Den heirate ich mal..“. Heute muss ich darüber lachen, laut lachen.

Drei Jahre später schwärmte ich noch immer von diesem Jungen, dessen Namen ich nun zwar kannte, aber mit dem ich nie ein Wort gewechselt hattee. Viel zu schüchtern war ich, zurückhaltend und unsicher. Drei Jahre Schwärmerei später dann, an einem Abend, sprach er mich an, mit meinem Namen, als würden wir uns schon lange kennen. Und ich war verliebt. Und noch immer dachte ich, den werde ich mal heiraten. Wie das eben so ist, wenn man jung ist und keine Ahnung hat, vom Leben und so allgemein. Aber, drei Jahre lang habe ich ihn angehimmelt, diesen wunderschönen Jungen. Drei Jahre, jeden Tag, und plötzlich spricht er mit mir. Was soll ich sagen, es dauerte noch weitere wenige Monate, bis wir uns wieder sahen. Wir saßen in seinem Auto, aßen einen Döner (wie romantisch, haha) und schauten aufs Feld. Ich war ganz verlegen und aufgeregt und bekam nicht einen einzigen Bissen hinunter. Nicht einen. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch und wir saßen da, eigentlich still. Und doch war es so wunderschön. Mein Herz tanzte. Fortan sahen wir uns jeden Tag. Er kam mit seinem Auto, holte mich ab, wir gingen spazieren, Eis essen oder gingen ins Kino. Immer wenn ich ihn erblickte, hüpfte mein Herz. Ich schaut ihn immer ganz verstohlen an, so wunderschön war er meiner Meinung nach. Es war eine dieser Lieben, die zart beginnen, langsam wachsen und blühen. Für mich war er alles. Und noch viel mehr als das. Ich habe ihn angehimmelt und vergöttert. Und ich wollte ihm gefallen. Ich wollte, dass er mich genau so anhimmelt, wie ich ihn. 

Schon bald lernte ich auch seine Eltern kennen, herzensgute und tolle Menschen. Ich schloss sie so sehr in mein Herz, sie waren für mich Familie. Ich habe sie geliebt, als wären es meine Eltern. Und ja, so war ich der wohl glücklichste Mensch auf dieser Erde. Dachte ich. Dieser Junge, den ich so viele Jahre verstohlen angehimmelt habe, war mein Freund. Und ich hatte mir nichts inniger gewünscht, als genau das. Ich war glücklich. Und doch verlor ich mich. Verstellte mich, ließ mich formen und war eigentlich kaum noch ich selbst.

Eifersucht. Ich erinnere mich an den einen Tag, ich kam gerade aus der Dusche, als ich den Schlüssel in der Haustüre hörte. Ich freute mich sehr, denn er war zum Bund gegangen und steckte gerade in der Grundausbildung. Wir sahen uns die ersten zwei Wochen unter der Woche nicht und das war nicht leicht. Denn, wir waren bis dahin nicht einen Tag getrennt. Nicht eine Nacht. Niemals. Uns gab es nur im Doppelpack, immer. Ich lächelte, als ich ihn sah und blickte in ein finsteres Gesicht. Er packte mich fest am Arm und warf mir vor, ich wäre unter der Woche mit anderen Männern unterwegs gewesen. Man hätte mich gesehen. Nichts davon stimmte. Ich weinte, ich war verzweifelt. Er wurde wütender und wütender und ließ mir gerade einmal Zeit , mir etwas überzuziehen. Er fuhr mit mir zu der Person, die mich angeblich gesehen hätte – die nun aber, als ich ihr verquollen gegenüber stand, relativ kleinlaut davon sprach, dass es nur eventuell möglich wäre, weil die Frau auch lange blonde Haare und einen schwarzen Mantel getragen hätte. Er verfrachtete mich zurück ins Auto und sprach stundenlang kein Wort mit mir. Er sagte, er könne mir nicht mehr vertrauen, ich würde mich herumtreiben. Nichts davon stimmte. Nichts. Ich weinte, ich flehte ihn an, ich bettelte. Das sollte erst der Anfang sein. Ich erinnere mich an viele weitere Situationen, die einfach nur erniedrigend waren. Situationen, in denen ich mich geduckt habe, in denen ich seine Fehler zu meinen machte. Ich erinnere mich daran, wie ich in der Diskothek an den Haaren die Stufen heruntergezogen wurde. Ich erinnere mich daran, wie er mich betrunken anschrie. Immer und immer wieder. Ich erinnere mich, wie er mich in einer Nacht einfach am Straßenrand aussetzte, um dann doch zurück zu kommen, um mich wieder anzuschreien. Ich erinnere mich an die vielen Nächte, in denen ich weinte, weil er sich, so betrunken wie er war, wieder mit anderen raufte und aus der Haut fuhr. Aber ich war nicht bereit, los zu lassen. Ich konnte nicht, ich liebte ihn zu sehr. Dachte ich. Denn die schönen Stunden waren schön, seine Familie war meine. Und doch tat es weh, ich war zunehmend verletzt. Oft auch verunsichert. Was kann ich noch tun, um ihn glücklicher zu machen? Um Anerkennung von ihm zu bekommen? Ich kochte, backte, putzte mich jeden Tag heraus, als wäre ein Feiertag. Ja, und inmitten all dieser Bemühungen, verlor ich mich mehr und mehr und mehr. Ich merkte nicht, dass dies keine Liebe ist. Er sagte Dinge, es war ihm sicherlich nicht bewusst, wie verletzend sie wirklich waren, aber ich habe sie bis heute nicht vergessen. Ich hatte kein Selbstbewusstsein mehr, kein Selbstwertgefühl. Ich definierte mich nur noch durch Bestätigung seinerseits.

„Schmink dich bloß, ohne Make-up schaust du aus wie die Kelly Family!“. Und zack, schminkte ich mich erst ab, wenn er schlief und stand nicht selten vor ihm auf, um mir die Farbe wieder zurück ins Gesicht zu schmieren. „Iss nicht so viel, sonst wirst du noch dicker!“. Sätze, die wahrscheinlich völlig unbedacht kamen, die aber ein fester Schlag ins Gesicht waren, so verletzend, dass ich noch Jahre später damit kämpfte. Ja, es brauchte Jahre, bis ich diese Beziehung überwunden hatte. Bis ich dieses Kapitel für mich abschließen konnte. Auch wenn es diese schönen Momente gab, ja, es gab viele davon, tat mir dieseBeziehung nicht gut. Sie war nicht auf Augenhöhe. Niemals. Diese Beziehung begann schon nicht auf Augenhöhe und würde dort auch niemals stattfinden. Ich verlor mich mehr und mehr. Meine losgelöste, fröhliche Art – sie war nicht mehr da. Mein Selbstbewusstsein nicht mehr existent. Stattdessen lebte ich in Zweifeln. An einem Abend, wir waren gerade in meine Traumwohnung gezogen, gerieten wir in Streit, all mein Kummer brach aus mir heraus. Ich schrie, ich weinte, ich warf wutentbrannt eine Shampooflasche nach ihm und er, er stand auf, zog sich an und ging. Ohne ein Wort zu sagen. Keine Reaktion. Und er kam nie wieder. Wir feierten noch Silvester zusammen, wir trafen uns noch mehrmals die Woche, aber er kam nie wieder zurück in unser Heim. Nie wieder. Ein Umstand, der mich in ein tiefes Loch riss. Er fehlte mir sehr, meinte ich. Ich igelte mich mein, ich saß tagelang in meinem Sessel. Ich aß nicht, ich duschte nicht, ich verließ das Haus nicht, ich stand nicht einmal auf. Es sei denn, ich musste ins Bad oder hatte Durst. Ich war vollkommen lost. Ich nahm zehn Kilo ab und mit jedem Kilo hoffte ich, er würde wieder kommen. Kam er aber nicht. Gott sei Dank.

Ich war jung, er war jung. Heute, viele Jahre älter und um einiges reifer, würde mir so etwas nicht noch einmal passieren. Niemals. Auf Augenhöhe. Achtung. Eine gesunde Streitkultur. All das ist mir unheimlich wichtig. Anders kann und ich will ich keine Beziehung führen. Und irgendwann, viele Jahre später, habe ich gelernt, dass eine Beziehung auch anders laufen kann. Auf Augenhöhe. Respektvoll. Und so sollte es immer sein. Natürlich hängt auch hier mal der Haussegen schief – hallo gesunde Streitkultur, ich find dich super. Aber eben immer auf Augenhöhe.

Wer liebt, verlangt von seinem Partner nicht, dass er sich duckt und klein macht. Wer liebt, fördert und unterstützt seinen Partner. Wer liebt, diskutiert auf Augenhöhe. Und wer wirklich liebt, lügt und betrügt nicht.

Ich musste das erst lernen. Ganz langsam, und ich habe den steinigen Weg gewählt. Aber er hat mich genau dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Und hier bin ich richtig, hier bleibe ich.

 

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45 Kommentare

  • Antworten Florettseide 25. September 2016 at 18:12

    Puh, jetzt erstmal durchatmen. Und nachdenken. Toll geschrieben Janina.

    • Antworten Janina 26. September 2016 at 10:51

      Danke Dir, meine Liebe!

  • Antworten Laura 25. September 2016 at 18:16

    Danke für diesen Beitrag Janina. So wie du im ersten Abschnitt deine damaligen Gefühle beschreibst, genauso habe ich für meinen Ex Freund gefühlt. Ich war damals 17 als wir zusammen kamen, er war damals 20 Jahre alt und ich fühlte mich unheimlich toll einen älteren Freund zu haben. Ich war nie die selbstbewussteste, immer sehr ruhig, immer verschlossen. Als wir uns kennen lernen und er schließlich mein Freund war, war ich so unheimlich glücklich. Einfach weil ich dachte mich würde eh niemand wollen, nicht so wie ich aussah. Ich habe alles getan um ihn Glücklich zu machen, habe mich verloren und zu etwas machen lassen was ich nicht war. Ich war einsam, trotz einer Beziehung. Habe geklammert, war unheimlich eifersüchtig und ungesund verbissen. Ich habe sogar die Pille unregelmäßig genommen weil ich dachte, ein Baby würde ihn an mich binden, so schlimm war es schon. Ich bin so so froh das ich niemals schwanger geworden bin. Er hat mich nie angeschrien aber doch auf eine andere Art gedemütigt. Ich erinnere mich daran wie er sich getrennt hat: Es war schon Tage vorher komisch, eines Morgens hatte ich gesehen das er mich einfach so bei Facebook blockiert hatte, naiv wie ich war dachte ich, dass ist bestimmt nur ein Versehen. Mehrere Tage meldete er sich nicht, einfach zu ihn fahren konnte ich nicht, da er in einer anderen Stadt wohnte. Irgendwann, nach unzähligen Anrufen ging er ans Handy und sagte nur „Wieso rufst du mich an, du weißt doch genau das Schluss ist.“ Im Hintergrund hörte ich ein anderes Mädchen reden. Ich war am Boden zerstört, bin zusammen gebrochen. Trotzdem bin ich ca 2 Wochen danach zu ihn gefahren und habe weiterhin mit ihm geschlafen, in der Hoffnung er würde zurück kommen. Er hat mich benutzt, mir immer schön von seinen Eroberungen erzählt, mir eindeutige Bilder geschickt. Es gab noch unzählig andere Situationen in denen er mich so behandelt hat. Das war so eine perfide Art mich emotional zu demütigen. Um ihn öfter zu sehen habe ich sogar damals die Schule geschwänzt, hätte ich das nicht gemacht wäre ich heute wohl um einiges weiter. Nach der Trennung verfiel ich in einen Depression aus der ich ohne Medikamente nicht raus kam, er war nicht der alleinige Grund aber sicherlich ein Auslöser. Die Beziehung hat mich auch in meiner jetzigen Beziehung gestört die ich seit nun fast 3 Jahren führe, ich konnte schwer vertrauen, hatte starke Verlustängste. Nun 5 Jahren nach der Trennung bereue ich es immer noch ihn überhaupt kennen gelernt zu haben, einfach weil es mir so viel Leid und unnötig verschwendete Lebenszeit erspart hätte. Ich wünsche ihn nichts schlechtes aber verzeihen kann ich nicht. Roman Ende, schönen Abend wünsche ich dir noch! 🙂

    • Antworten Janina 26. September 2016 at 10:53

      liebe Laura,

      es ist schön, dass du diese Beziehung hinter dir lassen konntest.
      Das freut mich, wenn auch unbekannterweise, sehr für dich.

      Es ist so schade, dass man doch so oft den steinigen Weg gehen muss, um für sich zu lernen, was gut und was falsch ist, was gut tut und was nicht.

      Sei mir ganz lieb gegrüßt
      Janina

  • Antworten Vera 25. September 2016 at 18:31

    Liebe Janina, toll, dass du deine Erfahrungen hier so offen und ehrlich teilst! Ich selbst habe zum Glück keine derartige Erfahrung gemacht aber ich beobachte es leider gehäuft bei meinen Freundinnen. Alles smarte, starke und selbstbewusste Frauen, die sich leider oft einen Mann suchen der sie sehr klein macht (mit ähnlichen Mitteln). Ich hoffe, dass dein Beitrag ein paar dieser tollen Mädels wach rüttelt. Schön, dass du den Absprung und somit auch wieder zu dir selbst gefunden hast! Alles Liebe Vera

    • Antworten Janina 26. September 2016 at 10:54

      Liebe Vera,

      das freut mich sehr für dich!
      Kein Mensch sollte eine solche Erfahrung machen. Obwohl es ja leider noch weitaus schlimmeres gibt.

      Ich sende dir herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Tanja 25. September 2016 at 18:37

    Liebe Janina,
    Deine letzten Blog Einträge sprechen mir aktuell so aus der Seele, kommen genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin seit Jahren schon eine stille Mitleserin aber an dieser Stelle möchte ich einfach einmal Danke sagen! Du gibst viel Mut und Kraft! Ich steh selber gerade am Ende einer gescheiterten Beziehung und bin in der gemeinsamen Wohnung zurück geblieben. Nur war seine Begründung das die Beziehung (und Ich) Ihn nicht mehr glücklich gemacht hat. Daran knapper ich jetzt ein paar Monate später noch immer. Aber auch hierzu kam ein etwas älterer Post von Dir zum Thema Glück genau zur Rechten Zeit. Vielen Dank Liebe Janina! Einfach -OhWunderbar-!

    Liebe Grüße
    Tanja

    • Antworten Janina 26. September 2016 at 10:55

      Liebe Tanja,

      das sind Worte, die tun wirklich gut. Ich danke dir dafür, sehr sogar.

      Und weißt du was, irgendwann ist der Schmerz weg, nicht mehr da. Man schaut zurück und denkt, Gott sei Dank, denn jetzt ist alles besser. 🙂

      Ich herze dich
      Janina

  • Antworten Tina Berner 25. September 2016 at 19:06

    Liebe Janina

    wie immer ganz “ frisch von der leber weg“ und authentisch geschrieben, wunderbar!!
    Ich liebe deinen Blog und freue mich an den Fotos, Berichten…
    wirklich „oh wunderbar“ 🙂
    Danke, dass wir ein bisschen „teil haben dürfen“ an deinem Leben!
    Was mich schon so lange Wunder nimmt (verstehe natürlich aber auch wenn dir die Frage zu privat ist!):
    Ist Henry auch der Vater von Anni?

    Alles Liebe, Tina aus der Schweiz 😉

  • Antworten Susanne 25. September 2016 at 21:19

    Liebe Janina, schön geschrieben. Es könnten meine Worte sein. Ich habe ihn geliebt, dachte ich. Die Liebe meines Lebens, dachte ich. Bis dass der Tod uns scheidet. Und das tat er durch einen schlimmen und tödlichen Arbeitsunfall. Die Welt brach für mich zusammen. Ich liebte ihn, obwohl er doch so schlecht für mich war. Ich wäre trotzdem mit ihm alt geworden. Heute, 8 Jahre später bin ich verheiratet, habe einen kleinen Sohn. Und heute, 8 Jahre später weiß ich nicht nur wie es ist zu lieben sondern weiß auch wie es ist geliebt zu werden. Das ist ein Unterschied. Und auch mir wird so etwas nie wieder passieren.

  • Antworten Anna-Lena 26. September 2016 at 7:22

    Danke, Janina!

    • Antworten Janina 26. September 2016 at 10:56

      Sehr sehr gern! 🙂

  • Antworten Sylvia 26. September 2016 at 10:16

    Sehr schöner Post! Leider haben das wohl die meisten von uns Mädels erlebt. Auch ich hatte das schon, zum Glück aber nur für kurze Zeit. Man muss erst lernen stärker zu werden und zu wissen, das man niemals auf jemanden angewiesen ist um glücklich zu sein. Umso schöner wenn man dann jemanden findet bei dem es einfach so funktioniert.

    Liebe Grüsse
    Sylvia
    http://www.mirrorarts.at

  • Antworten Stephanie 26. September 2016 at 11:09

    Liebe Janina,

    auch ich habe mich stellenweise in Deinem Post wiedererkannt. Ich war 20, er 25, als ich meinen Ex kennenlernte. Wir verstanden uns super und waren auf einer Wellenlänge, hatten ähnliche Ansichten und Ideen vom Leben. Nach kurzer Zeit sind wir zusammen in eine WG gezogen, nach einem Jahr in eine eigene Wohnung. Er hat mich unterstützt und versucht mein Selbstbewußtsein zu stärken. Bis ich einen Studienplatz in einer anderen Stadt bekam. Zunächst war noch alles gut, aber nach wenigen Wochen fing es an: Ihn interessierte nicht wirklich, was an der Uni ablief und was ich sonst machte. Und er mäkelte an meiner Kleidung rum: die Farben waren nicht „vorteilhaft für meine Figur“, „in pink?“, „das ist nicht so schön – für Dich“ etc. In dieser Zeit hat er außerdem Schwierigkeiten mit seinem Arbeitgeber und hat den Job gewechselt. Trotz dieser Sachen sind wir zusammengeblieben. Ich habe mehrfach versucht Schluß zu machen, aber das hat er abgeblockt, dabei war ich sicher, dass er es ist, der die Beziehung gar nicht mehr will.
    Irgendwann mußte ich das Studium dann abbrechen, habe in kurzer Zeit einen guten Job gefunden und mir auch hierdurch wieder ein größeres Selbstbewußtsein angeeignet. Und genau das hat er versucht mir immer klein zu reden. Irgendwann war es dann möglich umzuziehen und ich bin wegen ihm nach Hannover gezogen. Für mich war eigentlich klar, dass ich zu ihm ziehen würde, aber von ihm kam nichts. Somit habe ich mir dann erstmal eine andere Wohnung angesehen und dann meinte er, „dann ziehst Du eben erstmal bei mir ein“. Gnädig. Kurze Zeit später wurde meine Abteilung eingestellt und ich suchte einen neuen Job, den ich auch in zwei Monaten fand. Leider war er nicht gut. Durch Zufall bekam ich aber nach wenigen Wochen ein Angebot von meinem jetzigen Arbeitgeber, dass ich annehmen mußte. Es war mein großes Glück. Ich bin in meine Heimat zurückgezogen. Und habe ihn nur noch ein einziges Mal gesehen: Als ich mit Hilfe meines Vaters und eines Freundes meine Sachen aus seiner Wohnung geholt habe. Er hat sich einfach nicht mehr gemeldet, wollte mich nicht treffen, aber auch keine Entscheidung treffen.
    Inzwischen bin ich mit einem wirklich tollen Mann verheiratet, dem ich alles sagen kann, m it dem ich mich auf Augenhöhe befinde. Aber es hat lange gedauert, bis ich mich auf diese Augenhöhe begeben konnte und manchmal fällt es mir immer noch verdammt schwer.

  • Antworten J. 26. September 2016 at 20:36

    Sehr toller Post! Ich selbst habe teilweise jetzt (mehr als 5 Jahre später) noch mit den Nachwirkungen so einer Beziehung zu kämpfen. Selbstbewusstsein und Selbstwert baut sich leider ja auch nicht wieder aus dem Nichts auf ….

  • Antworten Caroline 27. September 2016 at 20:47

    Jetzt mal ehrlich, haben wir das nicht schon alle erlebt? Wie heißt es so schön „Liebe macht blind“.
    Hinterher ist man immer schlauer. Aber lese ich richtig, du bist mit 16 Jahren mit dem zusammengezogen? Meine Eltern hätten mir die Hölle heiß gemacht. Schule stand erstmal im Vordergrund. Bist du von dem schwanger geworden?

    • Antworten Cansu 5. Oktober 2016 at 17:34

      Boah wirklich dein ernst? Das sind die Fragen und Kommentare die dir zu so einem text einfallen?

      • Antworten Aurelia 11. Februar 2018 at 16:27

        Genau das habe ich mir auch gedacht. Janina, du warst doch noch viel zu jung um mit ihm zusammen zu ziehen. Und er ist Annis Vater? Habt ihr Kontakt zu ihm?

        • Antworten Janina 11. Februar 2018 at 16:40

          Hallo Aurelia,

          Ich bin nicht mit 16 mit ihm zusammengezogen.
          Aber selbst wenn, wer hätte dies zu beurteilen, ob das zu früh ist.

          Generell finde ich die Fragestellung eine wenig unglücklich.

          Gruß
          Janina

  • Antworten Indre 28. September 2016 at 4:13

    Danke für diesen wunderbaren Text! Ich hab tatsächlich Tränen in den Augen bekommen. Unglaublich.
    Ich selbst musste diese Erfahrung nicht machen, habe aber genau das bei einer Freundin beobachtet. Wir mussten beinahe tatenlos zusehen wie dieser Mann ihr komplettes Selbstwertgefühl in Stücke riss. Doch was macht man in so einer Situation als Außenstehender? Wir konnten stets nur versuchen sie wieder aufzubauen. Es hat wirklich lange gedauert bis sie es selbst erkannt hat. Dennoch bleibt er wohl immer ein Teil von ihr.
    Hoffentlich erreicht dieser Text ganz ganz viele junge Frauen, die sich ducken. Nicht mehr aufrecht stehen.

    • Antworten Janina 28. September 2016 at 13:02

      Liebe Indre,

      danke dir!

      Ich hab damals auch länger gebraucht, bis ich mich wieder gefangen habe. Ich hab wirklich sehr gelitten und bin dann sogar in eine Essstörung hineingerutscht. Aber letztendlich ist man wohl manchmal einfach blind und blöd. Salopp gesagt.

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten iwannagofaraway 30. September 2016 at 7:12

    Liebe Janina, der text ist so toll geschrieben und berührt auch mich sehr. Habe leider selbst diese Erfahrung machen müssen und merke immer noch Nachwirkungen davon. Du machst unheimlich Mut! Tolle starke frau bist du! 🙂

  • Antworten Cansu 5. Oktober 2016 at 17:32

    Wow Janina! Du hast mich mal wieder überwältigt mit diesen Zeilen. Ich finde es so toll, dass du auch unangenehme Texte schreibst. Bzw. soviel von dir selbst preisgibst und dadurch so lehrreich bist! Ich finde du bist eine Wahnsinnig starke und selbstbewusste Frau!

  • Antworten Charlotte 11. Februar 2018 at 12:21

    Toll geschrieben. Ich war Gott sei Dank nie in so einer Situation. „Bad Boys“ haben mich nie angezogen. Ich wünschte ich wüsste wieso, damit ich meinen Töchter das auch so vermitteln kann ?

    • Antworten Janina 11. Februar 2018 at 13:24

      Liebe Charlotte,

      ich glaube, man kann seinen Kindern eigentlich nur viel Selbstwertgefühl und -vertrauen mit auf den Weg geben.
      Sie mit Liebe und Sicherheit überschütten. Ich hoffe, dass meine Mädels später gesunde Beziehungen leben und sollte dem nicht so sein, dass sie gehen.

      Ganz liebe Grüße an dich
      Janina

  • Antworten SUSANNE 11. Februar 2018 at 16:41

    Hallo Janina,
    großen Dank für Deine Offenheit und diese ehrlichen Worte. Ich war nie in einer solchen Situation und trotzdem berührt mich der Text sehr. Für meine Kinder wünsche ich mir, dass sie stark und selbstbewusst werden, um davor geschützt zu sein.
    Was mir allerdings aufgefallen ist, dass Du diesen Mann doch irgendwie in Schutz nimmst, indem du davon schreibst, dass Worte, die verletzen unbedacht gewählt wurden oder unbewusst bestimmte Reaktionen seinerseits erfolgten. Bedeudet es, dass Du ihm vergeben kannst, egal wie sehr er dich verletzt hat?
    Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Auch weil ich diese Art der Entschuldigung nicht vor meinen Kindern als Erklärung für dieses übergriffige, verletzende Verhalten stehen lassen könnte.
    Ich hoffe, Du verstehst das nicht falsch. Es interessiert mich wirklich. Vielen Dank und alles Gute für Dich und Deine Familie

    • Antworten Janina 11. Februar 2018 at 16:50

      Liebe Susanne,

      genau das wünsche ich mir für meine Kinder auch, dass wir sie so gestärkt in die Welt entlassen, dass sie hoffentlich nie in eine solche Situation kommen oder aber, wenn, dass sie uns vertrauen und sich helfen lassen.

      Ja, ich habe ihm verziehen. Ich hab das ja alles lange aufgearbeitet und das hat auch seine Zeit gebraucht. Da war sehr viel in mir zerbrochen. Aber ich bin ihm heute nicht böse. Ich hege keinen Groll. Eigentlich bin ihm gegenüber heute komplett im Reinen. Es ist für mich Vergangenheit, so weit weg. Ich spüre da keine Wut mehr. Im Gegenteil, für mich ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn ein Mensch einen anderen Menschen (den er vermeintlich liebt) so behandelt.

      Ganz ganz liebe Grüße an Dich
      Janina

  • Antworten Rufina 11. Februar 2018 at 17:14

    Danke Janina,
    Ich danke dir für den Text und für deine Worte

  • Antworten Hannah Kreyenberg 11. Februar 2018 at 18:59

    So wahnsinnig berührend geschrieben, man kann sich richtig reinfühlen. Jemand der Ähnliches erlebt hat…nicht so ganz wie du aber auch ich hatte eine Beziehung die nicht auf Augenhöhe war- ich kann das so gut nachvollziehen und finde es mutig und toll das du diesen Text veröffentlicht hast! Danke dafür! Und wie schön das es dir jetzt so gut geht. Am Ende hat ja doch alles irgendwie einen Sinn bzw das Leben führt einen, einen bestimmten Weg entlang und man weiß oft nicht was das soll und warum- und dannkommt man an einen Punkt und denkt sich: ohne all das wäre ich nun nicht da wo ich jetzt bin!

    Also super geschrieben! 🙂

  • Antworten Lisa 11. Februar 2018 at 19:19

    Liebe Janina,

    das klingt echt nach einer sehr krassen Geschichte! Wie gut, dass du daran nicht zerbrochen bist, sondern stattdessen zu dir selbst gefunden hast! Danke wiedermal für deine ehrlichen Worte, die zum Nachdenken anregen! Du legst immer so viel von dir selbst in deine Artikel und obwohl ich dich nicht persönlich kenne, habe ich irgendwie das Gefühl es doch ein wenig zu tun. Danke, dass du so offen bist und Themen auf (d)eine angenehm offene Art ansprichst!!
    Fühl dich gedrückt! ♥️
    Lisa

    • Antworten Janina 11. Februar 2018 at 22:11

      Liebe Lisa,

      es war in jedem Fall keine schöne Zeit, aber so viele Frauen erleiden noch so viel schlimmere Dinge. 🙁
      Ich hab mit der Beziehung damals meinen Frieden. Und ich bin so dankbar für die Beziehung, die ich heute führen kann und darf. Dankbar auch für Henry an meiner Seite, der wirklich kein tollerer Mann sein könnte. <3

      Ich danke dir sehr, so sehr!
      Janina

  • Antworten Yvonne 11. Februar 2018 at 19:22

    Oh Gott! Du arme! Das ist heftig und ich hab Tränen in den Augen … Danke für deine Offenheit!

  • Antworten Nadine Lambert 11. Februar 2018 at 20:27

    Ich lese deine Beiträge so gerne. Danke, dass du sie mit uns teilst. So offen bist! Ich mag dich und deine Familie richtig gern…auch deine Storys immer…Liebe Grüße Nadine

    • Antworten Janina 11. Februar 2018 at 22:09

      Liebe Nadine,

      ich danke dir sehr für deine Worte. Danke – das bedeutet mir ganz viel.

      Ich sende dir herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Michelle 11. Februar 2018 at 22:09

    Ich finde es sehr schön, dass du deine Erfahrung mit uns geteilt hast. Ich hoffe wirklich, dass jede Frau ihren Wert kennen und schätzen lernt. Auf Augenhöhe und nicht anders sollte eine Beziehung laufen. Danke für diesen offenen Text.

    • Antworten Janina 11. Februar 2018 at 22:54

      Liebe Michelle,

      danke schön.

      Das wünsche ich mir auch, für jede von uns!

  • Antworten Anne 11. Februar 2018 at 23:18

    Wow… danke fürs Teilen. Wenn ich mal genau drüber nachdenke hatte ich auch solche ungesunden Beziehungen… lange bevor ich meinen Mann getroffen habe.
    Du sagst es… Auf Augenhöhe miteinander kommunizieren . So verdammt wichtig!!
    Liebe Grüße
    Anne

  • Antworten Angela 12. Februar 2018 at 9:37

    Respekt.
    Toll geschrieben.
    Jetzt wünsche ich dir alles Glück der Erde ?.
    Grüße
    Angela

    • Antworten Janina 12. Februar 2018 at 12:43

      Liebe Angela,

      das ist aber lieb. Danke.
      Ich habe heute alles Glück und könnte kaum dankbarer sein. <3

      Liebe Grüße an Dich,
      Janina

  • Antworten Nehle 12. Februar 2018 at 10:58

    So ehrlich schön geschrieben!
    Man denkt manchmal man wäre die Einzige mit solch schrecklichen Erfahrungen, aber man sieht man ist nicht allein damit.

    Mir ist mal so etwas ähnliches passiert, nach dem er Schluss gemacht hat haben wir uns noch ewig wiedergetroffen. In der Hoffnung, dass das Ganze wieder zu einer Beziehung wird. Alle meine Freunde und auch meine Familie meinte damals ich sollte die Finger von ihm lassen.. tja hätte ich mal bloß gehört. Aber in den Moment ist man blind.

    Danach fiel es mir schwer sich auf wen Neues einzulassen, aber man merkt Nach solch einem Fehler direkt wenn jemand vor einem steht der auf der gleichen Augenhöhe steht wie man selbst.

    Liebe Grüße

    Nehle

    • Antworten Janina 12. Februar 2018 at 12:42

      Liebe Nehme,

      deshalb hab ich es heruntergeschrieben. Sowas ist keine Seltenheit. Sowas passiert.
      Noch viel viel schlimmere Dinge passieren und es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen und es anzusprechen. Vielleicht gibt das Mut, vielleicht fängt das auf.

      Mir haben damals auch alle ins Gewissen geredet, aber ich hab gar nicht wirklich hingehört.
      Ich musste wohl einfach selbst die Erfahrung machen,

      Ich danke sehr dafür, dass du deine Erfahrungen mit mir teilst.
      Janina

  • Antworten Senta 12. Februar 2018 at 11:04

    Das ließt sich für mich wie ein deja vu ?
    Sehr ähnlich hab ich das als sehr junges Mädchen , bei zwei Männern erlebt!
    Heute für mich unvorstellbar , warum ich mich so hab behandeln lassen! Mutig von dir!
    Liebe Grüße

    • Antworten Janina 12. Februar 2018 at 12:40

      Liebe Senta,

      das tut mir sehr leid, das zu lesen.
      Ich kann mir das heute auch gar nicht mehr vorstellen noch erklären, wie ich es hab überhaupt soweit kommen lassen.
      Aber damals war es eben so.

      Ich sende dir herzliche Grüße
      Janina

  • Antworten Joanna 12. Februar 2018 at 11:27

    Liebe Janina,
    ein sehr persönlicher Text, der unter die Haut geht. Er hilft, zu verstehen. Ich bewundere Deine Offenheit und hoffe, die Menschen wissen das auch zu schätzen.

    • Antworten Janina 12. Februar 2018 at 12:39

      Liebe Joanna,

      ich danke dir sehr für deine Worte.
      Es bedarf generell mehr Offenheit bei solchen (und auch anderen) Themen – finde ich.
      Es ist wichtig, Dinge anzusprechen und Mut zu machen oder um einfach nur zu zeigen, hey, mir ging es wie dir, du bist nicht allein.

      Deshalb lieben Dank dir für deine Worte!
      Janina

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