Kolumne

VERDAMMTE AXT, ES REICHT! ODER ABER: LEBEN MIT KINDERN

13. Februar 2018
Leben mit Kindern

 

VERDAMMTE AXT, ES REICHT!
WENN DIE HUTSCHNUR KURZ VORM REISSEN IST

oder aber

LEBEN MIT KINDERN!

Verdammte Axt, manchmal gibt es diese Situationen wo man denkt, mir fliegt gleich der Hut hoch. Die Momente, wo man sich auf die Zunge beißen muss. Wo man lieber noch ein zweites Mal bis zehn zählt, um nicht laut zu werden. Diese Situationen gibt es. Die gehören dazu. Und obwohl man seine Kinder bedingungslos los, ja, abgöttisch liebt, und sehr wohl weiß, dass „aus der Haut“ fahren jetzt ganz und gar keine Lösung ist, so ist der Impuls doch manchmal da. Weil, ja weil man selbst auch Grenzen hat. Weil diese frühpubertäre Wut im Kleinkindalter schwer auszuhalten ist. Weil man vielleicht geschafft und oder das Maß für den Moment oder gar den Tag einfach voll ist. Elternsein ist eine Herausforderung. Jeden Tag aufs Neue und niemand hat gesagt, dass es leicht es. Denn es ist nicht leicht. Manchmal ist es verdammt schwer. Und hart. Das ist normal. Das ist so. Und das erzähle ich euch deshalb, weil ich heute in dieser Situation war. Weil ich dachte, so, jetzt reicht es. Weil ich mich dabei ertappt habe, mir einen Schnaps zu wünschen – für die Nerven {natürlich nicht wirklich, ihr wisst, was ich meine}. 

 

Ich sitze im Auto, atme tief durch und halte mich am Lenkrad fest. „Bis zehn zählen, Janina. Zähl einfach bis zehn und sonst steig kurz aus!“, sage ich mir und versuche, all das nicht so sehr an mich heran zu lassen. Mich von dem Theater um mich herum, das mich just in diesem Moment so viel Kraft kostet, nicht mitreißen zu lassen. Und doch fällt es mir in diesem Moment so verdammt schwer. „Bis zehn zählen…“, ermahne ich mich noch einmal. Dabei ist mir in dem Moment vor allem nach einem: Resignieren, aus der Haut fahren, weinen. Einfach, weil die Situation, diese frühkindliche Trotzphase und das damit verbundene Drama schwer auszuhalten ist. Wut. Unzufriedenheit. Geschrei. All das bricht aus diesem kleinen Mädchen, das auf der Rückbank tobt, heraus. Sie kann sich so richtig darin verlieren und ist sie erstmal so richtig in Fahrt, dann ist es schwer, sie aus diesem Wutanfall wieder herauszubekommen. Als wäre das nicht genug, stimmt der kleine Knopf direkt mit ein. Beide Kinder schreien also. Beide hören nicht mehr auf. Generell war der Tag ein Kampf. Schon der Morgen war ein Kampf. Ein Aushalten. Ein Durchhalten. Die Nacht war kurz, für alle von uns. Meist ein Garant dafür, dass der Morgen kein Zuckerschlecken wird. Nicht ausgeschlafene, schlecht gelaunte Kinder. Manchmal gleich drei davon. Während eine oft einfach nicht sonderlich gesprächig ist (wer kann es ihr verübeln, ich würde es ihr manchmal gern nachmachen}, tobt die andere. Der Kleine mittendrin. Mal Durst, mal volle Windel, mal eine Phase die nach der Phase die vor der Phase liegt. Die Uhr kämpft gegen mich. Meine Geduld auf der Probe. Wisst ihr, ich mache mir in vielen Dingen keinen Stress. Ich denke mir fast immer nur eines: Ist halt so.

ES IST HALT EINFACH SO.
Kannst du eh nicht ändern.
Was willst du machen.

Ja, ich bekomme keinen Schlaf. Und ja, irgendwie ist hier immer einer unzufrieden und lässt mich das, auf welche Art und Weise auch immer, wissen. Ja, das nervt manchmal. Ja, das ist manchmal nicht schön. Aber so ist es. So wollten wir das. Wir lieben Kinder. Vor allem unsere. Die sind schon ziemlich dufte. Aber doch sind da eben diese Momente, in denen ich denke: „Was zum Henker….!“. Zurück meckern?! Keine Lösung. Für niemanden. Schlichtweg kontraproduktiv. Aber manchmal, da komm auch ich an meine Belastungsgrenze und merke, puuuuuh, mir reicht es jetzt auch. Manchmal stelle ich mir dann vor, wie ich flüchte, ins Warme. Meeresrauschen. Ooooooohm.

 

Als ich heute morgen aufstehe, ist der Tag noch in Ordnung. Ich habe gute Laune und sogar Energie. Die Nacht war zwar kurz, so wie fast jede Nacht der letzten Zeit, und doch bin ich gut drauf. Ich wecke den Kleinen, wickel ihn, wir spielen und albern und er lacht mich an. Ich nutze diese Zeit so früh am Morgen immer für den Jungen. Auch deshalb, weil er am Tag doch manchmal ein wenig zurücksteckt. Da sind eben drei Kids, die jeweils die volle Aufmerksamkeit brauchen und so hat jedes Kind seine Zeit. Alles läuft nach Plan, alles nach unserer eigenen Routine am Morgen. Und dann nimmt das Drama plötzlich seinen Lauf. Nach der letzten Nacht habe ich es schon geahnt und ich soll Recht behalten. Drama. Ein übermüdetes Kleinkind ist kein Spaß. Unser Mädchen findet müdes sein richtig doof. Sie weint, sie ist bockig, sie will dieses nicht und jenes erst Recht nicht. Ich bin doof, Anni doof, alles doof. Lautstark doof. DDDOOOOOOOFFF! Will das nicht. Mach ich nicht. Nein. Nein. Nein. Alles nein. Freude kommt auf. Lässt du ihr die Zeit, die sie braucht – denke ich mir. Aber es wird nicht besser und irgendwann tickt die Uhr. Anziehen ein Akt. Zähne putzen. Uuuuh, schrecklich. Schuhe anziehen? Niemals. Nicht die Schuhe, die Anderen. Und dann, wenn sie angezogen sind, doch lieber die Gummistiefel. Ok. Ich schlucke. Und ich spüre, wie mir die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Als ich die Tür zum Kindergarten öffne, bin ich durchgeschwitzt und durch mit dem Morgen. Am liebsten würde ich mich zurück ins Bett werfen und mir die Decke über den Kopf ziehen. Ha, Pustekuchen. Zack quengelt es auf der Rückbank. Da hat wohl jemand Durst oder will spielen. Wer weiß das schon so Recht. Um das hier abzukürzen, auch am Nachmittag ist die Laune nicht besser und als ich um kurz vor fünf auf die Uhr schaue, wünsche ich mir den Abend herbei. Abgehakt. Neustart. Jeder Tag eine neue Chance – denke ich mir. Mein Lebensmotto.

Jetzt ist es spät am Abend. Die Kinder schlafen. Ein Teil zumindest. Ich bin müde und sitze hier, tippe für euch diese Zeilen. Was für ein Tag. Ein Tag, der hätte so schön sein können – weil blauer Himmel, Schnee, Sonnenschein und gesunde Kinder. Und irgendwie war er auch trotzdem schön. Aber die Laune, das machen wir dann morgen besser – oder?!

Auch diese Tage gehören dazu. Auch das ist Elternsein. An die eigenen Grenzen stoßen und über sich hinaus wachsen. Auch mal zu denken: „Reicht jetzt, danke!“. Und so schwer die Situation auch gerade auszuhalten ist, bis zehn zählen hilft immer. Immer. Oder frische Luft. Und wenn alles nichts hilft, dann hilft der Gedanke, morgen, morgen ist ein neuer Tag und dann, dann ist hier wieder Sonnenschein.

Gute Nacht!

 

 

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7 Kommentare

  • Antworten Irene Knapp 13. Februar 2018 at 20:02

    Oooh das kenne ich nur zu gut! Diese Situation erlebe ich jetzt schon sehr sehr lange……drücke dich ganz fest!

  • Antworten Kristina Dinges 13. Februar 2018 at 20:02

    So ein toller Text. Einfach so ehrlich und so ein toller Einblick in ein Leben mit drei Kids. Ich bewundere dich wirklich dafür.
    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

  • Antworten Bini 13. Februar 2018 at 20:17

    Ha, davon kann ich hier auch ein Lied singen. Die Flasche Wein war noch nie verführerischer..
    Ich hoffe, dass du (und ich) heute Nacht besser schlafen und der morgige Tag etwas weniger anstrengend wird.

    Ganz liebe Grüße!

  • Antworten Sarah 13. Februar 2018 at 22:16

    Ach Janina, ich drücke dich mal. Mimi und Lotte sind ja, wie dein BabyBoy und mein Babygirl fast gleich alt. Es ist hart. Ich verstehe das. Hier ist es auch manchmal zum Mäuse melken und da darf ich auch mal unentspannt sein und sagen wie kacke ich das gerade finde.

    Es ändert nur nie etwas 😅

    Wir müssen da durch. Alle. Ich hatte mal diesen Blogartikel geschrieben, nach einem ekelhaften Wutanfall mitten in der Nacht. I feel you 😉 http://lotte-lieke.com/gute-nacht-trotzkind-was-macht-diese-phase-nur-mit-uns/

    Liebe Grüße

  • Antworten I. 14. Februar 2018 at 7:47

    Danke. Genau das haben wir zur Zeit auch gerade. die Große in der Trotzphase mit 3. Der kleine weint dann einfach aus Empathie mit. Und auch wenn man sie unendlich liebt, es ist trotzdem an manchen Tagen verdammt schwer, eine gute und einfühlsame Mutter zu sein.

  • Antworten Natalie 14. Februar 2018 at 17:03

    Klingt es gemein zu sagen, dass es gut tut zu lesen, dass es anderen auch so geht? Dass man nicht allein ist mit solchen Gefühlen in manchen Momenten, ist klar. Trotzdem ist es eine Wohltat, wenn sich jemand traut so ehrlich darüber zu sprechen/schreiben. Also herzlichen Dank liebe Janina und viel gute Mami Vibes und Kraft für den nächsten dieser Tage. 💪🏻

  • Antworten Bianca 15. Februar 2018 at 7:06

    Das sind tolle und ehrliche Zeilen. Wenn mein Sohn übermüdet ist, herrscht bei uns auch Untergangsstimmung. Und ich habe nur ein Kind….daher wünsche ich dir weiterhin starke Nerven und unendliche Geduld.
    Liebe Grüße Bianca
    http://ladyandmum.blogspot.de

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