Kolumne

ICH HABE EINE MEINUNG!

22. April 2018
Kolumne

 

Ich habe eine Meinung!

Wir leben in einer Kultur der Vorsicht, des Besser-nicht, des Zauderns statt des Voranschreiten; wir leben in einer Kultur der Kritik und nicht in einer der Bestärkung und des Lobes, wir leben in einer Kultur der Verzwergung, der Unsicherheit und der Feigheit. Wir leben in einer Kultur des Mittelmaßes, des kleinsten gemeinsamen Nenners.

– las ich vor kurzem bei Viertel Vor – im übrigen ein spannendes Online-Magazin für Nachhaltigkeit. Seitdem beschäftigen mich diese Worte und lassen mich nicht mehr los. Wir leben in einer Kultur der Kritik und nicht in einer der Bestärkung und des Lobes. Stattdessen leben wir in einer Gesellschaft der Kleingeistigkeit, der Unsicherheit und der Feigheit. Ja, ja und ja. True!

Und dann, dann saß ich gestern Abend bei einer Freundin. Wir hatten eine schöne Zeit. Die Kinder spielten, die Männer kümmerten sich ums Essen und wir hatten einfach mal Luft und Ruhe für Gespräche. Wie wichtig und wunderschön. Wie sehr ich das genossen habe. Auch, weil eben diese eine Freundin ihr Herz auf der Zunge trägt. Sie hat eine Meinung. Niemals nie würde sie mit dieser hinterm Berg bleiben. Sie spricht immer aus, was sie denkt. Ziemlich direkt. Und das, das ist zwar manchmal hart, aber es schafft so viel Raum für Selbstreflektion. Sie stupst mich immer wieder mal an und gibt Impulse. Meiner Meinung nach ist das etwas sehr Kostbares. Weil sie damit auch mich in Bewegung hält. Mir die Möglichkeit gibt, Dinge zu überdenken oder einmal mit anderen Augen zu sehen, aus einer anderen Perspektive. Toll ist das, und wichtig. Gestern dann sagte sie etwas, das mich die halbe Nacht beschäftigt hat.

„Janina“, sagte sie, „du warst immer so kantig, so echt, so ein richtiger Typ mit einer Meinung! Das ist auch der Grund, warum ich dich immer so unfassbar gern gelesen habe. Aber seit ein paar Monaten ist da irgendwas anders. Da ist so viel Liebe und ich weiß, wie du die Kids liebst, ich weiß das, aber ich vermisse die alte Janina mit ihrer Meinung. Wo ist deine Meinung? Wo sind deine Gedanken? Das hat dich so ausgemacht, dieses Kernige. Und diese bunte Mischung, deine Vielfalt. Und weißt du, du bist einfach zu nett. Man merkt total, dass du einfach keinen Bock auf Konfrontation hast!“. Ich saß ihr gegenüber und nickte. Ich wusste was sie meint. Und ich schluckte. Warum? Weil sie das ausgesprochen hat, was ich seit Monaten denke und fühle. Mir fehlt es sehr, meine Gedanken zu teilen. So waschechte, mit Meinung zu etwas. Nicht nur die rosaroten Gedanken. Ich habe so viele Textentwürfe auf meinen PC, zu Themen, die mir wichtig sind – aber ich traute mich in den letzten Monaten nicht mehr, diese zu veröffentlichen. Aus Angst. Aus Unsicherheit. Ja, hauptsächlich aus Angst, klein gemacht und zerlegt zu werden – so wie es halt leider so häufig ist. Im vermeintlich anonymen Netz. Und aus Angst, jemanden versehentlich auf den Schlips zu treten. Aus Sorge, jemand könnte verunsichert sein von meinen Worten – oder gar verletzt. Ich fühle mich wie ein Vogel, der sich nicht traut los zu fliegen. Stattdessen verharre ich in diesem viel zu kleinen Käfig.

Vieles teile ich gar nicht mehr. Manche Dinge deshalb nicht, weil ich Angst habe, es könnte an Zauber verlieren. Weil ich nicht möchte, dass gehässige Kommentare, die vielleicht kommen könnten, mir diese (für mich) schönen und wichtigen Momente kaputt machen. Weil ich Harmonie liebe und lebe. Immer mehr. Aber gleichzeitig habe ich so viel zu sagen. So viel zu erzählen. Da sind so viele Gedanken, die ich auf digitales Papier bringen möchte. Oder die ich schon längst herunter geschrieben habe und die nur darauf warten, endlich veröffentlicht zu werden.

Ja, ich habe eine Meinung und in den vergangenen Monaten hab ich sie viel zu oft hintenan gestellt. Hab sie versteckt. Verheimlicht. Habe nicht gesagt, was ich denke und wieso ich so denke. Habe meine Meinung viel zu oft für mich behalten. Bloß nicht Farbe bekennen, bloß nichts sagen. Bloß niemanden auf den Schlips treten. Bloss nicht zum Ziel werden. In dieser Kultur der Kritik und inmitten von Kleingeistigkeit. Was ich aber ganz ausser Acht gelassen habe, ist, dass ich nur auf mich und mein Herz hören darf. Schreibe ich nicht mehr das, was ich eigentlich denke und fühle, so ordne ich mich unter und bin Teil dieser Kleingeistigkeit. Teil dieser verunsicherten und und zum Teil so feigen Gesellschaft. Aber nein, das möchte ich nicht. Das war ich nie und das werde ich auch in Zukunft nicht sein. Denn ich möchte zu meiner Meinung stehen. Ich möchte Gedanken teilen. Ungefiltert. Echte Gedanken. Eine Meinung haben, bedeutet Charakter haben. Sie verleiht uns Ecken und Kanten und einen Platz. Ich möchte nicht schweigen. Möchte nicht wegsehen oder weghören. Ich möchte das sein, was ich bin – vielfältig, bunt, lebensfroh, kritisch. Denn…

…ich habe eine Meinung. Und die, die werde ich ab sofort wieder teilen, nicht verstecken!

 

 

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21 Kommentare

  • Antworten Mareike 22. April 2018 at 18:44

    Ich finde toll, dass du diesen Text geschrieben hast. Ich bin selbst Mutter und gehöre eher zu denen, die sehr offen mit allem umgeht. Ich musste leider merken, dass es viele Mütter gibt, die lieber die Wahrheit, Schmerz und schwarzen Momente der Schwangerschaft, Geburt und Muttersein in eine Schachtel stecken und vergarben. Ich würde mir wünschen mehr echte Meinungen zu hören/lesen. Ecken und Kanten sind sowas tolles und wir sollten diese offen leben! Ich freue mich auf deine weiteren Beiträge! Danke!

    • Antworten Janina 23. April 2018 at 21:32

      Liebe Mareike,

      häufig ist es vermutlich auch einfach die Angst davor, anzuecken oder nicht respektiert zu werden.
      Und das ist es, wir sollten uns alle doch auch mal unterstützen. Wir können nicht alle gleich sein, das gleiche denken oder fühlen oder alles richtig machen. Aber jeder versucht doch, seinen Weg für sich richtig zu gehen.

      Ich sende dir ganz ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Martina 22. April 2018 at 18:50

    Ich finde es wichtig von solchen Menschen umgeben zu sein die sagen was sie denken, ich bin auch ein sehr direkter Mensch, aber es wird nicht von jedem gern gehört. Es ist nicht immer einfach, man braucht selbst auch ein dickes Fell.

    Viel Erfolg und Durchhaltevermögen bei unschönem Gegenwind.
    Ich les dich gern und ich liebe die Liebe die aus d deinen Texten springt, aber auch viel Ehrlichkeit!

    • Antworten Janina 22. April 2018 at 20:14

      liebe Martina,

      ich finde es kostbar, genau solche Menschen um sich zu haben.
      Das ist zwar nicht immer bequem, aber so wichtig und hilfreich. 🙂

      Ich danke dir auch sehr für deine lieben Worte. Ich möchte einfach wieder das schreiben, was ich denke. Ungefiltert, ohne Furcht.

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Rebecca 22. April 2018 at 18:58

    Genau das habe ich an dir vermisst! Sei wieder du selbst! Sprich aus was du denkst!

    • Antworten Janina 22. April 2018 at 20:11

      Liebe Rebecca,

      das möchte ich in jedem Fall wieder tun. Ich hab so oft gedacht, kannst du nicht, lass mal besser, ne… Aber nein. Es ist doch schön, verschiedene Meinungen und Standpunkte und Gedanken kennenzulernen. Ich möchte gern wieder die Texte schreiben, die mir von dem Kopf in die Hand gehen.

      Ganz liebe Grüße und danke!
      Janina

  • Antworten Kristin Sadeq 22. April 2018 at 18:58

    WORD!! Der Vogel ist aus dem Käfig geflogen und das freut mich sehr!

    • Antworten Janina 22. April 2018 at 20:13

      Mal schauen, wo die Reise hin geht. <3

  • Antworten Katarina 22. April 2018 at 19:19

    Das finde ich sehr gut und ich freue mich auf die für mich neue Janina. Mut zur Meinung!

    • Antworten Janina 22. April 2018 at 20:09

      Liebe Katharina,

      das freut mich aber sehr!
      Verschiedene Standpunkte machen doch alles viel bunter und vielfältiger.

      Mal schauen, wo die Reise hingeht. 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Kristina Dinges 22. April 2018 at 20:11

    So ein toller Beitrag. Da hatte deine Freudin wirklich recht, mir fehlen deine ehrlichen Beiträge mit deiner Meinung sehr und ich freue mich auf deine neuen Posts.

    Liebe Grüße Kristina von KDSecret

    • Antworten Janina 22. April 2018 at 20:15

      Liebe Kristina,

      ja – sie hat den Nagel einfach auf den Kopf getroffen und auch einfach das angesprochen, was mich seit Wochen und Monaten immer wieder beschäftigt.

      Ich danke dir so für deine Worte!
      Danke!

      Ganz liebe Grüße
      Janina

  • Antworten Verena 22. April 2018 at 20:38

    Hi Janina,

    finde ich eine gute Entscheidung. Ich würde mich z.B. auch mehr über einen politischen Austausch, politische Meinungen und auch Gegenüberstellungen freuen. Ich kann verstehen, dass das auf den Social Media Kanälen nicht ganz einfach ist, gleichzeitig denke ich aber auch, nur weil man Themen, sei es Politik oder andere gesellschaftlichen Themen nicht anspricht, sind diese nicht aus der Welt. Ich vermisse solche Anstöße sehr, auch mal eine andere Meinung zu erhalten, darüber nachzudenkenden etc.

    Also daher freue ich mehr sehr auf „deine Meinung“ 🙂

    Liebe Grüße

  • Antworten Svenja 22. April 2018 at 20:39

    Hi Janina, ich kann deine Gefühlslage total nachvollziehen. Die Community kann furchtbar sein und es gibt so viele Menschen, die nur darauf warten, etwas zu finden, was sie zerlegen können. Sei mutig!

    Ich lese dich gerne, aber am liebsten Artikel, in denen du zum Nachdenken anregst.

    • Antworten Janina 23. April 2018 at 21:35

      Liebe Svenja,

      ja – in Deutschland scheint es ja schon fast ein Volkssport zu sein, andere anzugehen oder seinem Gegenüber keine Meinung zu lassen. Alles wird kommentiert. Alles macht man falsch. Aber ne – das Problem liegt ganz allein bei genau diesen Menschen. Bei ihnen selbst und sie projizieren. Aber ich möchte mir nicht meine Gedanken verbieten lassen. Wozu auch. Das macht es doch aus, dass wir alle so ganz unterschiedliche Standpunkte zu gewissen Themen haben. 🙂

      Ganz liebe Grüeß
      Janina

  • Antworten Irene Knapp 22. April 2018 at 20:58

    Du bist ein KIND GOTTES

    Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind;
    unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind.

    Es ist unser LICHT, dass wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.

    Wir fragen uns:
    „Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, hinreissend, begnadet und fantastisch sein darf?“

    Wer bist Du denn, es nicht zu sein?

    Du bist ein KIND GOTTES.

    Wenn Du Dich klein machst, dient das der Welt nicht.

    Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn Du schrumpfst,
    damit andere um Dich herum sich nicht verunsichert fühlen.

    Wir wurden geboren, um die HERRLICHKEIT GOTTES zu verwirklichen, die in uns ist.
    Sie ist nicht nur in einigen von uns: Sie ist in jedem Menschen.

    Und wenn wir unser eigenes LICHT erstrahlen lassen wollen,
    geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis,
    das Selbe zu tun.

    Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
    wird allein unsere Gegenwart Andere befreien.“

    Ich freue mich über alles was du schreibst und schreiben wirst! Man geht Wege liebe Janina und manchmal weiß man vorher nicht, wofür sie gut waren. Sie sind aber in diesem Moment genau richtig! IMMER………jederzeit!

    Alles Liebe
    Irene

    • Antworten Janina 23. April 2018 at 21:37

      Liebe Irene,

      so wahre Worte. So herzliche und liebe Worte.

      „Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben,
      wird allein unsere Gegenwart Andere befreien!“ <3

      Ich bin dir gerade unfassbar dankbar für diese Worte.

      Herzliche Grüße an Dich, schön, dass du mich auf meiner Lebensreise begleitest!
      Janina

  • Antworten Hanna 22. April 2018 at 21:27

    Hallo liebe Janina,
    bisher habe ich immer nur gelesen (und das unglaublich gerne) und dir nie geschrieben, aber heute hast du mich.
    Ja, ja und nochmal ja!
    Was ist das für eine Welt in der man nur noch darauf bedacht ist, niemandem auf die Füße zu treten? (Ich kenne das so gut)
    Was bin ich für eine Vorbild für meine Kinder, wenn ich nicht für meine eigene Meinung eintrete bzw. Sie nicht äußere?
    Wir brauchen Meinungen, um zu wachsen. Als Menschen. Als Gesellschaft.

    Ich freue mich auf deine Meinung und werde mich ab heute auch wieder häufiger trauen meine zu äußern.
    Danke dir für diesen Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Hanna

    • Antworten Janina 23. April 2018 at 21:39

      Liebe Hanna,

      ich danke dir sehr für deinen Kommentar und weiß ihn sehr zu schätzen. Danke schön!

      Du hast so recht, wir brauchen Meinung. Wir brauchen Standpunkte und wir alle sollten einen haben. Man kann seinen Standpunkt ändern, überdenken, neu definieren – aber man sollte doch immer einen haben. Das macht uns doch aus. Ich möchte mir meine Gedanken nicht verbieten lassen.

      Ganz liebe Grüße an Dich
      Janina

  • Antworten Sarah 23. April 2018 at 15:23

    Daumen hoch find ich gut, mach das so !!!

    • Antworten Janina 23. April 2018 at 21:37

      Liebe Sarah,

      DANKE, einfach nur ein dickes Danke!

      Janina

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