Gastautoren Kolumne

KIND ODER KARRIERE | ÜBER DEN GESELLSCHAFTLICHEN DRUCK

11. April 2018
Kind oder Karreire

 

Über den gesellschaftlichen Druck:
Kind oder Karriere!

Lasst mich doch einfach
ein „Lebemensch“ sein!

„Eine Frau findet gesellschaftliche Akzeptanz also nur dann, wenn sie mindestens einen der beiden Punkte erfüllt: Karriere oder Mutter!“

Ich bin weiblich, Jahrgang 87, genauer gesagt werde ich bald 30 Jahre alt – ich habe einen Masterabschluss, bin berufstätig und seit zwei Jahren glücklich verheiratet. Das Studium war eine schöne Zeit, es ging mir einfach von der Hand, ohne viel Aufwand zum Erfolg, ein gutes Gefühl. Das erste Jahr im Beruf hielt dieses Gefühl noch an, danach war es verschwunden und kam nur selten zurück. Trotz beruflichem Aufstieg erfüllt es mich nicht. Ich bin typisch deutsch, sehr diszipliniert, überpünktlich – jedoch denke ich montags direkt an freitags. Nach 5 Jahren traue ich mich zu sagen – eine Karrierefrau bin ich nicht, und will ich auch nicht sein.

Privat bin ich sehr glücklich und fröhlich, den passenden „Deckel“ habe ich schließlich gefunden, in meinen Augen ein Geschenk Gottes. Aber mit der Heirat kamen auch die ersten Fragen zur Familienplanung. „Bist du schon schwanger? Wann plant Ihr ein Baby?“. Zu Beginn war ich sehr gelassen, nun, zwei Jahre später sieht es etwas anders aus. Egal ob Familie, Freunde oder Bekannte, bevor es jemanden interessiert, wie es mir geht, wird die Frage nach einer Schwangerschaft in den Raum gestellt. „Klappt’s nicht?“ – Diese Frage war in meinen Augen bisher der größte Angriff auf mich, uns, unsere Gesundheit und Privatsphäre. Als Teenie wollte ich immer einmal eine junge Mutter sein, unter jung verstand ich 26 Jahre, genau, 26 war damals mein Wunschalter. Mit meinem Mann war ich zu dieser Zeit zwar schon liiert, aber mein Studienabschluss lag erst ein Jahr zurück, und reisen wollte ich auch noch so viel – ich hatte also ganz anderes im Kopf. Und jetzt, als bald 30-jährige Ehefrau heißt es des Öfteren: „Da du jetzt nicht so der Karrieretyp bist, warten wir schon länger auf die freudige Nachricht (…)“

Eine Frau findet gesellschaftliche Akzeptanz also nur dann, wenn sie mindestens einen der beiden Punkte erfüllt: Karriere oder Mutter – und heutzutage am besten direkt beides gleichzeitig, und das zu mindestens 150%. Für mich gesehen wird hier eine Gattung ganz und gar außer Acht gelassen, der Lebemensch. Wenn ich dieses Wort bei google eingebe, kommt folgende Definition: Ein Genießer, der nur auf der faulen Haut liegt, bzw. nur das macht, was er mag. Faul bin ich ganz und gar nicht, aber der Rest trifft es in der Tat. Genau das wäre momentan meine Lebensvorstellung – Arbeit kündigen, viel Sport treiben, täglich frisch & gesund kochen, viel lesen & reisen, eine weitere Sprache lernen, vielleicht sogar ein Buch schreiben. Diese Vorstellung lässt mich strahlen. Die Finanzen sind kein Problem, mein Mann steht zu 100% hinter mir – die Gesellschaft nicht!

Das Thema Baby habe ich für mich nicht abgehakt, und ob meine Vorstellungen mich auf ewig glücklich machen würden, weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt natürlich auch nicht – aber erkennen zu müssen, dass man ohne ein Kind, oder gar eine Karriere nicht zählt, schmerzt definitiv. Leben und leben lassen heißt es doch so schön, aber das ist nicht die Realität, zumindest nicht in meinem Umfeld.

 

GASTBEITRAG

Dies ist ein anonymer Gastbeitrag von Lara.
Danke liebe Lara für deinen schönen Beitrag. Danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst.

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9 Kommentare

  • Antworten Dani 11. April 2018 at 18:44

    Das sind so wahre Worte. Ich war 3 Jahre „kinderlos“ verheiratet und diese ständigen Fragen sind einfach zu viel. Das ist so privat…das geht niemanden etwas an. Aber auch wenn dann das Kind da ist gehen die Fragen weiter…wirklich private Fragen von wildfremden Menschen. Ich würde fast behaupten, egal was und wie man etwas macht, es gibt immer jemanden für den es nicht genug ist…und man muss sich auf jene konzentrieren für die man so gut ist,wie man ist.

  • Antworten Christiane 12. April 2018 at 7:15

    Im Prinzip hat die Gesellschaft an jedem Lebensmodell etwas auszusetzen. Wichtig ist, dass man selbst mit seiner Wahl zufrieden ist. Da sollte man die anderen Nasen ruhig mal ignorieren. Und ja, ich weiß, dass das schwer ist. 😉 Ich habe vor einiger Zeit meinen sicheren und vom menschlichen Umfeld her perfekten Job gekündigt. Aussagen wie „Hast du dir das auch gut überlegt“ oder „Naja, vielleicht klappt es mit der Selbständigkeit ja bei dir“, fand ich da völlig deplatziert und verletzend. Wer mich kennt sollte wissen, dass ich mit Verantwortungsgefühl an solche Entscheidungen gehe. Und wenn nicht, dann ist das ebenfalls mein Bier. Also wie du bereits so schön geschrieben hast: „Leben und leben lassen!“ Lebe dein Leben so, wie es für dich richtig ist und nicht für die anderen 🙂

  • Antworten vroni 13. April 2018 at 7:30

    Das ist ein interessanter, wenn auch kurzer, Beitrag. Mich betrifft das Thema gerade auch, och bin zwar schon weit über 30 und habe ein Kleinkind hier zuhause. Aber bin im Moment auch ein „Lebemensch“, ich denke aber ohne dabei faul zu sein. Ich habe mich für eine Auszeit entschieden und nehme gerade das dritte Jahr Elternzeit, einfach so.
    Aber auch vorher ging es mit ähnlich, ein nine-to-five Job reichte mir. Wie es weitergeht, weiß ich noch nicht – in den Job zurück, etwas anderes machen, vielleicht klappt es doch noch mit einem zweiten Kind?!
    Ich fühle mich im Moment als „Lebemensch“ zumindest noch wohl 😊

  • Antworten Britta 13. April 2018 at 7:45

    Ganz toller Artikel! Ich habe mit 26 gegen Emde meines Masterstudiums mein erstes Kind bekommen und wurde auch gerne mal kritisiert. Wie man es macht, es gefällt der Gesellschaft oftmals nicht.

  • Antworten Julia 13. April 2018 at 7:52

    Sehr schöner Beitrag! Ich selbst bin 33 Jahre und seid fast 6 Jahren verheiratet. Kinder ja das wollen wir ( aktuell mehr den je) man kann das aber nicht planen… Der persönlich schlimmste Angriff bzgl. Der kinderplanung kam bisher von meinem schwiegermonster… ich sage das so weil dies wirklich unter der Gürtellinie war… die Frage kam damals bei allen Verwandten : Und wie sieht es jetzt mit Enkelkindern aus? Ich zögerte und schaute meinen Mann an, fand selbst die Frage schon unpassend vor allem Leuten…. ehe ich aber antworten konnte kam von ihr: ah…. verstehe dann liegt das wohl an dir!!! Das saß! Seid dem ist alles anders… ich habe kaum noch Kontakt zu dieser Frau. Ich finde das so unmöglich da wir bereits zwei Fehlgeburten hatten und selbst leiden… und ja es liegt an mir! An einer Endometriose für die ich nichts kann und wenn diese nicht wäre hätte ich vielleicht schon ein baby! Manche Leute wissen nicht wie’ sehr sie einen damit verletzten!

  • Antworten Birgit 13. April 2018 at 16:21

    Und vielleicht dürfen wir auch einfach faul sein, weil das für uns passt? Wem müssen wir gerecht werden? Ich sage: Doch bitte nur uns selbst und dann auch nur noch denen, die uns stützen, auf irgendeine Art und Weise.

    Ich bin kinderfrei, beruflich seit nach dem Abi erfolgreich und meistens mit den Dingen beschäftigt, die mir Freude machen. Meine Arbeit gehört dazu, aber auch die Tage an denen ich mal rein gar nichts mache. Verstehen nicht viele.

    Es ist wichtig zu wissen, dass wir auch gar nichts erklären müssen. Macht doch bitte das, was für Euch wichtig und ok ist.

  • Antworten Nicole 13. April 2018 at 18:20

    Sehr schöner Beitrag. Bin auch ein 87er und seit 7 Monaten Mama, wurde schwanger ohne Verheiratet zu sein 😱, aber mit 12 Jahren Beziehung…. Davor war es immer die Stenkerei wann wir endlich heiraten UM endlich Kinder zu bekommen. Dann wann wir endlich heiraten, weil wir ein Kind bekommen. Dann sind wir, weil es für passte, ganz spontan durchgebrannt, heimlich Trauung mit dickem Bauch, ohne Schischi, ohne Tamtam, einfach so wie wir sind und uns wohlfühlen. Das war auch falsch…
    Und jetzt stelle ich meinen Job hinten an, weil ich mindestens 2 Jahre Elternzeit „gönne“ und stark mit den 3 Jahren liebäugele. Auch das ist nicht allen genehm…
    Wie man was macht, es passt nie
    Aber für UNS passt es, es ist perfekt so wie es ist.
    Das ist das was zählt ❤️
    Mach/t dein/euer Ding, lässt euch nicht beirren, seid stark und glücklich!

  • Antworten Bianca 14. April 2018 at 18:12

    Ich finde es immer eine absolute Frechheit, wenn sich andere in die Familienplanung einmischen wollen und Druck aufbauen, den man selbst überhaupt nicht möchte. Jede Frau kann selbst für sich entscheiden und keine Frau muss sich zwischen Kind und Karriere entscheiden, sondern kann genauso beides unter einen Hut bringen.
    Liebe Grüße
    Bianca

    http://ladyandmum.blogspot.de

  • Antworten Yasmin 15. April 2018 at 13:52

    Ich bin im Moment auch am Ende meines Studiums und weiß jetzt auch schon, dass ich nicht die Karrierefrau werde oder besser kann, da es gesundheitlich nicht geht. Ich bin jetzt 4 Jahre verheiratet, aber noch kinderlos. Wir wünschen uns Kinder, aber es hat halt bis jetzt einfach nicht geklappt. Ich sehe es im Moment noch ziemlich entspannt, weil ich weiß mit so viel Stress klappt das auch nicht richtig. Aber was du in deinem Artikel beschreibst Lara kann ich gut nachvollziehen, weil ich es auch ständig zuhören bekomme. Du willst ja nicht eine richtige Karriere – Warum hast du noch keine Kinder?! Einmal hat sich sogar die Schwiegermutter meine Schwägerin sich auf mich gestürzt und meinen Bauch angefasst und gefragt: „Bist du schwanger? Bist du schwanger?“ Ich habe gedacht ich bin im falschen Film. Ich konnte nichts sagen. Aber ich war unfassbar verletzt. Ich habe für mich beschlossen mich bald kreativ auszuleben und vielleicht endlich mal mein Traum vom eigenen Buch wahr machen und wenn ich dabei Mutter werde noch schöner 🙂

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