Leben in den USA, wie ist das so?!

Regelmäßig schreibt die Journalistin Elisabeth hier über das Leben in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wie ist es so, mit Kind und Kegel in den USA zu leben. Was für Unterschiede gibt es? Jede Kolumne absolut lesenswert, ihr findet alle Artikel von Elisabeth HIER. Nun aber zu ihrem heutigen Text.

Kinder, Kinder!
Wie Amerika mit fremden Kindern umgeht,
Kinderfreundlichkeit USA. 

„Willst Du einfach schon mal zum Auto gehen? Ich mach das hier“, mein Mann warf mir den Autoschlüssel zu, ich nahm das schreiende Kind vom Boden und wollte nur noch raus aus dem Supermarkt. Dabei hätte ich es besser wissen müssen. Samstag Nachmittag geht man nicht einkaufen. Denn so wie wir wollten auch gefühlt 500 andere Leute „nur kurz“ den Wocheneinkauf erledigen.

Es ging diesmal eigentlich auch alles gut, bis zu dem Moment, als wir an der Kasse waren. Unser Mädchen wollte jetzt sofort noch mehr Rosinen aus meiner Tasche. Dass sie gerade die letzten verdrückt hatte, konnte sie mit ihren zwei Jahren nicht verstehen. Zack. Da lag sie. Auf dem Boden. Und heulte. Und schrie. Laut.  (mehr …)

Ist Deutschland kinderfreundlich?


Immer wieder stelle ich mir die Frage: Ist Deutschland kinderfreundlich? Wird man mit Kindern vielleicht sogar diskriminiert und ausgeschlossen?


„DAS ist NICHT meine Aufgabe!“ sagt er, dreht sich um und geht. Genau das war die Antwort des Schaffners auf meine Frage, ob er mir netterweise beim Einsteigen in den Metronom helfen könnte. So passiert vor wenigen Monaten. Seit der Geburt meine erste Zugfahrt mit Baby. Natürlich, wie sollte es anders sein, fiel mir an diesem Tag und in diesem Moment keine schlagfertige Antwort und auch kein pfiffiger Spruch ein.
Am gleichen Tag in Ahrensburg, das Vorderrad des Kinderwagens verheddert sich beim Aussteigen und blockiert, der Kinderwagen kippt mir fast zur Seite weg. Ich schaffe es, ihn rechtzeitig zu halten – doch meine Tasche kippt aus dem Korb und mein Tascheninhalt rollt über den Boden. Neben mir eine junge Mutter mit zwei Kindern, eins in der Trage, eins an der Hand. Sie steigt über meinen Tascheninhalt hinweg und geht. Hmmpf. Jeder der die HVV Station in Ahrensburg kennt, weiß zudem, dass es hier keinen Aufzug gibt. Ältere Herrschaften, Menschen mit Handicap und Mütter mit Kinderwagen müssen zusehen – wie es die zwei langen Treppen hinauf schaffen. Danke auch.

Oder vor vier Wochen, wir gehen ins Bistro und wollen zusammen zu Abend essen – ob es einen Kinderstuhl gibt? Nein natürlich nicht. Dafür aber missbilligende Blicke von den Gästen an den Nachbartischen. Mit Baby oder Kleinkind ins Restaurant?! Muss das sein – bleibt doch zu Hause mit eurer Brut.. Kocht euch was und stört uns nicht. 

Oder der neue Nachbar – der direkt meint, das Kind wäre zu laut. Ob es nicht leiser gehe?! Ja, natürlich – warten Sie, ich suche kurz den Aus-Knopf. 

Als Mimi vier Wochen alt war, flogen wir das erste Mal. In der Reihe vor mir saß eine Mutter mit einem Kind, das maximal 18 Monate alt war. Ein Kleinkind eben. Mit dem Start begann es bitterlich zu weinen und egal wie sehr sich die Mutter bemühte, es hörte nicht auf und schon ging es los.. Die giftigen Blicke der Mitreisenden und das Getuschel. Natürlich nicht zu leise, die Mutter soll es ja hören und sich schlecht fühlen. Und die liebe Stewardess, die sicherlich selbst noch keine Kinder hat, und die Mutter letztendlich dazu aufforderte, ihr Kind zu nehmen und sich hinten in die „Küche“ zu setzen. Geht’s noch?! Den Glauben komplett verloren habe ich dann, als eine ältere Dame die Stewardess fragte, warum das Kind so weinen würde und diese ernsthaft antwortete: „das Kind wäre halt verzogen und es wäre ihm langweilig!“ Entschuldigt, aber spätestens da kochte es bei mir über.


Natürlich – viele, wirklich viele Menschen sind unglaublich hilfsbereit. Oftmals muss man gar nicht fragen, da wird direkt mit angepackt. Gerade junge Menschen, vor allem junge Männer fallen mir immer wieder positiv auf – so hilfsbereit, zuvorkommend und höflich. Und gerade in den guten Restaurants und Hotels waren wir mit Baby immer herzlich willkommen, niemals hat da jemand missbilligend die Nase gerümpft. 



Und doch erlebe ich auch regelmäßig das Gegenteil – Menschen, die drängeln und die mir als Mutter zeigen, dass ich hier, just in diesem Moment unerwünscht bin – fehl am Platz. Nur ich kann und will mich nicht verstecken, mich zu Hause verkriechen und darauf warten, dass ich meine Mitmenschen nicht mehr mit einem „sperrigen“ Kinderwagen im Weg herumstehe. 

Vor kurzem beobachtete ich, wie eine alte Dame mit ihrem Rollator durch die Innenstadt ging. Langsam und gebrechlich, nach vorn gebeugt. Und wie sich die Menschen ihr gegenüber verhielten, sich an ihr vorbei schlängelten – offensichtlich genervt davon, dass die Frau den Strom an Menschen aufhielt und blockiert. Aber auch die Alten gehören doch zu unserer Gesellschaft. Sie haben ihr Leben lang hart gearbeitet, Kinder groß gezogen, haben dem Land in irgendeiner Weise gedient. Und jetzt, da sie alt und langsam(er) sind, sind sie nicht mehr erwünscht? Zuviel, über? Das hat mich sehr traurig gestimmt, und mich wütend gemacht. Dies ist aber ein anderes Thema.

Noch in der Schwangerschaft war das anders. Da wurde mir jede Tür aufgehalten, man bot mir einen Sitzplatz oder ein Wasser an. Die Mitmenschen reagierten fast immer sehr zuvorkommend. Jetzt mit Kind schaut das schon ganz anders aus. Da muss ich mir nicht selten mein Recht einfordern und ignoriere manch empörten Blick. Und doch trifft es mich immer wieder. Ein Grund, warum ich gerade auf Reisen und in der Innenstadt immer häufiger auf die Trage zurückgreife.


Ich denke oft an die Babyzeit mit Anna zurück. Ich habe es immer vermieden, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Damals gab es kaum eine barrierefreie Station. Immer musste man den Kinderwagen in die Bahn hinein und wieder heraustragen. Und wirklich selten hatte man dabei Hilfe. 


Warum also wirkt Deutschland auf den ersten Blick so wenig kinderfreundlich? Kinder sind doch unsere Zukunft und der Großteil hat doch selbst Kinder. 


In der Vergangenheit habe ich immer wieder Erfahrung gemacht, dass es in anderen Ländern nicht so abläuft. Kinder sind da ein fester Bestandteil und niemand stört sich an ihnen, ganz im Gegenteil. Und warum ist das hier zum Teil so anders? Warum bekommen Mütter so wenig Anerkennung für ihren Job? Wieso sind Kinder so oft unerwünscht und nicht gern gesehen? Es tut doch nicht weh, einfach mal kurz mit anzupacken oder sich generell kurz daran zu erinnern, dass die eigenen Kinder auch nicht direkt erwachsen auf die Welt gekommen sind, oder?


Ich mache tagtäglich auch gute Erfahrungen und freue mich immer sehr, wenn mir jemand die Tür aufhält oder ungefragt beim Hineintragen des Kinderwagens hilft. Aber manchmal mache ich eben auch diese wenigen unerfreulichen Erfahrungen und finde, das können wir besser. Stimmt’s?